wäre, wenn ſie nicht in dieſer entſcheidenden Epoche ihre Vorſichtsmaßregeln verdoppelt hätte, da ſich jetzt die Gefahren, ja ich möchte ſagen die Schlin⸗ gen verdoppelten, welche der launenhafte Zufall dem weiblichen Krieger in den Weg legte. Es be⸗ darf wohl kaum der Erwähnung, daß die Furcht vor Entdeckung, in welcher ſie fortwährend ſchwebte, wenig dazu beitrug, ihre an ſich ſchon gefährliche und ernſte Krankheit zu erleichtern. Da ſie wäh⸗ rend dieſes ganzen Krankenlagers kein Glied rühren konnte und ihr Körper unter einer vollkommenen und allgemeinen Entkräftung litt, ſo ſah ſie ſich genöthigt, ſich für alle Funktionen willenlos den Händen des Soldaten, der ihr aufwartete, zu über⸗ laſſen; glücklicher Weiſe war aber dieſer Burſche von einer ſolchen Einfalt und Stumpfiiunnigkeit, daß er auf gar nichts, was einem Andern höchſt wahrſcheinlich verdächtig geſchienen hätte, Achtung gab und ſich darum weiter nicht kümmerte, wenn ihm nicht alles mit rechten Dingen zu geſche⸗ hen ſchien.
Die dankbare Franziska rühmt, ſo oft ſie auf dieſe ſchmerzliche Periode ihres Lebens zu ſpre⸗ chen kommt, die rührenden Beweiſe von Theilnahme und Wohlwollen, die ihr während ihrer Krankheit der Hauptmann Tauber ihres Regiments gab, und die ihr in einem Lande, in welchem ſie keine Menſchenſeele kannte, unendlich wohl thaten.
Kaum hatte ſie nach und nach ihre Geſund⸗ heit wieder erlangt, ſo erhielt ſie, erſt in volle Rekonvaleszenz getreten, eine neue Beſtimmung; ſie war nämlich in das deutſch⸗banater Grenz⸗Re⸗ giment Nr. 12 durch den Hofkriegsrath überſetzt worden und erhielt den Befehl, mit möglichſter Be⸗ ſchleunigung bei demſelben einzurücken. Franziska meldete ſich augenblicklich bei ihrem Bataillons— Kommandanten Major Deeber zum Abgehen und obwohl dieſer biedere Stabsoffizier ſeine ganze Be⸗ redſamkeit erſchöpfte, um den ſchmucken Fähnrich zu vermögen, ſeine Abreiſe noch ſo lange aufzu⸗ ſchieben, bis ſeine Geſundheit wieder ganz herge⸗ ſtellt und zu der weiten Reiſe hinlänglich gekräftigt ſein würde, ſo beſtand der etwas eigenſinnige Schwarzkopf nichtsdeſtoweniger darauf, gleich ab⸗ zureiſen, indem er verſicherte, daß die Reiſe und die anhaltende Beſchäftigung, welche er in ſeinem neuen Wirkungskreiſe zu finden hoffe, der Herſtel⸗ lung ſeiner Geſundheit förderlicher ſein würden, als längere Ruhe und Unthätigkeit. Franziska ver⸗ lor daher keinen Augenblick, ihre Reiſe anzutreten, was am 10. April geſchah, und noch vor Ablauf eines Monats, am 6. Mai 1799, langte ſie in Pancſova im Banate an, wo ſich der Stab ihres neuen Regiments befand. Ihre Augen ſtrahlten vor Glück und Zufriedenheit über ihre wiedererlangte Geſundheit, noch mehr aber darüber, daß der Zu⸗ fall ſo großmüthig geweſen war, ihr jenen Diener, der bei ihr die Stelle des Krankenwärters ver⸗ treten hatte, zu belaſſen, vor deſſen Späherblicken
ſie ſich nicht fürchten zu müſſen glaubte, da er ſich eines Grades von Unverdorbenheit erfreute, welcher den Bewohnern der heißen Regionen des Südens ganz unglaublich und ſelbſt den kalten Bewohnern des eiſigen Nordens kaum möglich erſcheinen dürfte.
Franziska rückte gerade in dem Augenblicke bei ihrem neuen Regimente ein, als in demſelben Beförderungen ſtatt hatten; in ihrer Eigenſchaft als einer der rangsälteſten Fähnriche erwartete ſie bei dieſer Gelegenheit ihre Vorrückung zum Lieutenant; aber zu ihrer großen Ueberraſchung und mit nicht geringem Aerger ſah ſie ſich durch zwei andere Kameraden, die jünger im Range waren, übergangen. Sicher ihrer Sache, d. h. in dem guten Bewußtſein, daß die von den Regimentern, in de⸗ nen ſie bisher gedient hatte, ausgefertigten Kon⸗ duitliſten nicht den geringſten Anlaß zu einem Vor⸗ wurfe bieten konnten, führte ſie trotz ihres ſonſt ſehr ſanften und geduldigen Charakters heftige Klage über dieſe Zurückſetzung, indem ſie erklärte, ſie würde ſich nicht für würdig halten, die Uniform des Regiments und den Ehrenrock eines kaiſerlichen Offiziers zu tragen, wenn ſie das Unrecht, das man ihr zugefügt habe, geduldig und ohne Einrede ertrüge. Als Antwort auf dieſe Beſchwerde erhielt ſie unterm 13. Julius eine Zuſchrift, welche ſie vollkommen beruhigte, denn das Regiment bedeutete ihr, daß die beiden ſie kränkenden Beförderungen zu einer Zeit vorgenommen woeden waren, als das Regiment ſich noch nicht in der Kenntniß von der Ueberſetzung des Fähnrichs Scanagatta in dasſelbe befand, aber daß man bei der erſten ſich ergebenden Apertur nicht ermangeln würde, ſei⸗ nem Verdienſte Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen, was auch wirklich einige Monate ſpäter,— am 1. März 1800— geſchah.
Zu jener Zeit befand ſich Franziska in der Eintheilung beim Reſervebataillon, das gewöhnlich im Werbbezirke liegt, und damals unter dem Be⸗ fehle des Oberſtlieutenants und Werbbezirks⸗Kom⸗ mandanten von Einsfeld ſtand; aber da ſie nach der Ehre dürſtete, einen Feldzug mitzuma⸗ chen, bat ſie um die Ueberſetzung in eines der ſchon vor dem Feinde in Italien ſtehenden Bataillone des Regiments; dieſe Bitte wurde erfüllt, ſie erhielt die Eintheilung in das ſechſte Bataillon. Dasſelbe gehörte zu der mit der Blokade von Genua be⸗ trauten Heeresabtheilung und wurde von dem Ma⸗ jor Paulich befehligt. Franziska riückte bei dem Bataillon in den erſten Tagen des Dezembers in Borzonaſco ein, verließ aber dieſen Ort ſchon am 9. wieder, um die in der Nähe lagernden Franzoſen anzugreifen.—
Als der Feind aus ſeiner Stellung gedrängt worden war, erhielt Fähnrich Scanagatta den Befehl, Barba⸗gelata, woraus er ſelbſt die Fran⸗ zoſen vertrieben hatte, zu beſetzen; Franziska war zuerſt, ihrem Zuge voraneilend, mit hochge⸗ ſchwungenem Degen und flammenden Augen in
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