Heft 
(1859) 3 03
Seite
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70 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

Vorwürfe einer Mutter meinem Elende die Krone aufſetzen? Traurig ſtreichelte er die Locken des lieben Mädchens und küßte es. Dann folgte er raſch ihren Schritten.

Ehe wir in unſerer Erzählung weiter ſchrei⸗ ten, müſſen wir hier mit einigen Worten der Er⸗ klärung andeuten, wie ſich der Graf zu dieſer ſchroffen Handlungsweiſe berechtigt glaubte.

Nicht der Ahnenſtolz allein, es lag auch noch ein edleres Gefühl hier zu Grunde. In den Jah⸗ ren der franzöſiſchen Kriege hatte Graf Daröczy einem Waffengenoſſen, Grafen Sändor Szat⸗ mär, ſeine volle Freundſchaft zugewendet und die⸗ ſelbe ebenſo erwiedert gefunden. Als nach Beendi⸗ gung der Feldzüge Graf Szatmar durch Kauf grundherrlicher Nachbar zu Daroczy wurde, hatte ſich dieſes Verhältniß immer ſeſter und enger ge⸗ ſtaltet und ſo war eine Verbindung ihrer Kinder Szätmar hatte einen Sohn und Daröczy eine Tochter, Viktorine ſchon in der früheſten Jugend derſelben beſchloſſen worden. An Szaͤt maär's Sterbebette hatte Graf Béla dem Freunde ſein Verſprechen erneuert und er war zu ſehr Mann, um ſein Wort zu brechen. Auch machte ihn die Liebe gegen ſeines Freundes Sohn zu blind gegen deſſen ſich mehr und mehr entwickelnden Fehler, als daß er darin einen Grund zur Aufgebung ſei⸗ nes Lieblingsplanes hätte erblicken können. An eine Weigerung Viktorinens dachte er vollends nicht; er glaubte, daß, was er liebe, unmöglich von den Seinen nicht geliebt werden könne, und die Grä⸗ fin, welche mit helleren Augen ſah, verſchob eine Aufklärung ihres Gemals immer und immer, indem ſie hoffte, daß ohne ihr Dazwiſchentreten die Zeit auch ihm die Augen öffnen würde.

Als nun Graf Bela durch den Sekretär des Grafen Szaͤtmaͤr, der zufällig in Daroͤczfalva und Zeuge jenes Vorfalles im Parke geweſen war, Kenntniß hievon bekam, hielt er die Sache nur für einen Verführungsverſuch von Seiten ſeines Schrei⸗ bers und dachte nicht, daß Viktorinens Herz dabei betheiligt geweſen, und ſo brachten denn der Stolz, die verletzte Freundes⸗ und Vaterliebe ver⸗ eint den Sturm hervor, deſſen Opfer Ladislaus geworden.

Ich zürne Ihnen nicht, redete die Gräfin ſanft den Eintretenden an,meine Tochter ſie deutete auf die weinende Viktorinehat mir Alles geſtanden. Von jeher kannte ich Sie, Herr Ladislaus, als einen beſcheidenen jungen Mann, oft habe ich Sie beobachtet, ohne daß Sie es ge⸗ ahnt. Ihr ſeid beide gut, meine Kinder; daß es ſo gekommen, beklage ich ſchmerzlich, ohne Euch zu zürnen. So gern ich Euch durch einander glücklich ſähe, ſo ſtehe ich doch ſelbſt den Verhält⸗ niſſen machtlos gegenüber. Darum ſcheiden Sie von uns, Ladislaus, und Gott ſei mit Ihnen. Gehen Sie, Sie ſind ein Mann. Stürzen Sie ſich hinein in die Thätigkeit der

Welt glücklicher als wir Frauen, denen nur der ſtille Kreis des Hauſes bleibt, ein ſchlimmer Arzt gegen den Schmerz. Denken Sie manchmal unſer und werden Sie glücklich.

Und wegblickend reichte die Gräfin Ladis⸗ laus ihre Hand, die er mit ſeinen Thränen be⸗ netzte; dann entfernte ſie ſich ſchnell in das anſto⸗ ßende Zimmer. Ladislaus war es, als ginge ſeine Mutter von ihm. Viktorine wollte der Mutter ſchnell nacheilen, als ſie aber in dem bit⸗ tenden Blicke des Geliebten die FrageNie mehr? las, kehrte ſie raſch um und legte beide Hände in die ſeinen. Sie konnte vor Thränen nicht ſprechen.

Lebe wohl! flüſterte ſie endlich nach langer Pauſe, welche ſprachlos und doch ſo reich an Ver⸗ ſtändniß vorübergegangen war,lebe wohl, nie werde ich das Weib eines Andern! Sie ſteckte einen Ring an Ladislaus' Finger. Dieſer zog einen Goldreif von dem ſeinigen.

Bewahre ihn, ſprach er, ihre Hand an ſein Herz drückend,er iſt von meiner Mutter. Unſer lettes Wort heiße: Auf Wiederſehen! Mit haſtigen Schritten ſtürzte er fort.

(Schluß folgt.)

Lieutenant Franziska Scanagatta, Oeſterreichs Amazone.

Von Zulius Ebersberg. (Scluß.)

92 aum hatte Fähnrich Scanagatta ihren A Wunſch erreicht, zu einem Truppentheile der Soperirenden Armee eingetheilt zu werden, ſo & Jbegab ſie ſich unverweilt nach Wien, wo ſie den Befehl erhielt einen Rekrutentransport aus Ungarn ihrem Bataillon als Verſtär⸗ kung zuzuführen, welches ſich auf Vorpoſten am rech⸗ ten Rheinufer in der Nähe von Kehl befand, als ſie bei demſelben einrückte. Dasſelbe ſtand in der Truppenbrigade des Generalmajors Fink und wurde von dem Major Seitel befehligt. Wenige Tage ſpäter mußte es, als die Franzoſen den Rhein zwi⸗ ſchen Kilſtett und Diersheim überſchritten, ſich in die Stadt Mannheim zurückziehen. Um dieſe Zeit machte der Frieden von Campo Formio dem Feldzuge ein Ende. Daher ſetzte ſich Scanagatta's Ba⸗ taillon am 9. Dezember nach Böhmen und dann nach Schleſien in Marſch, wo es ſeine Standquar⸗ tiere in Troppau, hernach in Jägerndorf nahm; ſpäter, am 17. März 1798, marſchirte es nach Steiermark, und nachdem es daſelbſt in verſchie⸗ denen Garniſonen gelegen hatte, wurde es nach Klagenfurt verlegt, wo ihm für einige Zeit Ruhe gelaſſen wurde. Während Fähnrich Scanagatta,