Heft 
(1859) 2 02
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60 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

ſtrengſten Sinne des Wortes Epoche machten, ſeierte jüngſt in Hannover einen ſchönen Triumph. Seine OperIlka fand da die erſte Aufführung in Deutſch⸗ land und einen vollen Beifall. Herr Doppler wurde wiederholt gerufen und die Oper zählt in Hannover bereits zu den beliebten Tondichtungen.

Mozart'sFigaro's Hochzeit iſt am 10. De⸗ zember in Paris im Theatre Lyrique zum achtzigſten Male gegeben worden und zwar mit ſtets ſteigendem Beifalle. Man erwartet jetzt in demſelben Theater eine neue Oper:Fauſt von Gounod, in 5 Akten, von welcher ſich die Journale viel verſprechen, beſonders von den Chören.

Zani de Ferenti, k. belgiſcher Kammervirtuoſe, genannt der Paganini auf der Guitarre, gibt derzeit mit großem Beifalle Konzerte in Trieſt.

Die in Venedig wohnenden Deutſchen, denen bisher ein Vereinigungspunkt zum geſelligen Vergnügen gefehlt, gründen daſelbſt einen deutſchen Geſangsverein.

Auf dem deutſchen Theater in St. Petersburg ga⸗ ſtirt jetzt Jra Aldridge unter ſtarkem Zulauf. Er ſpricht engliſch, die Uebrigen deutſch, was, wie ein dor⸗ tiges Blatt bemerkt, für diejenigen durchaus keinen unangenehmen Eindruck macht, die weder engliſch noch deutſch verſtehen.

Der engliſche Schauſpieler Phelps, einer der berühmteſten Künſtler Londons, wird im April nach Wien kommen, um mit ſeiner Geſellſchaft im Carlthea⸗ ter Gaſtvorſtellungen zu geben.

Die Schauſpielerin Frau v. Bulyowski vom Nationaltheater in Peſt, die Rachel Ungarns ge⸗ nannt, befindet ſich in Berlin, um ſich in der deutſchen Sprache zu vervollkommnen und ſich dann der deutſchen Bühne zu widmen. Wie dieSpen. Ztg. hört, wird Nehn v. Bulyowski ihre erſten Verſuche auf der kön.

ühne in Berlin machen.

Monumente und Jubiläen.

Die Wiener Univerſität feiert im Mai 1865 ihr fünfhundertjähriges Stiftungsjubiläum. Aus dieſem Anlaſſe iſt ſchon jetzt von Seite des Doktoren⸗Kolle⸗ Fünne der philoſophiſchen Fakultät an das Univerſitäts⸗

onſiſtorium das Erſuchen dahin geſtellt worden:Es möge ein Ausſchuß gebildet werden, welcher die Vorbe⸗ reitungen zur fünfhundertjährigen Gründungsfeier der Wiener Univerſität zu treffen hätte. Es ſoll auch nach

der Ernennung des Ausſchuſſes eine Subſkription ein⸗

eleitet werden, um aus deren Ergebniſſen dem erſten Erzherzoge von Oeſterreich, Rudolf IV., dem Stifter, dem Wien den St. Stefansdom und die Univerſität verdankte, vor dem neu zu erbauenden Univerſitäts⸗Ge⸗ bäude ein Denkmal zu ſetzen und dasſelbe am erſten Fade der Feierlichkeiten im Jahre 1865 enthüllen zu önnen.

Das 500 jährige Jubiläum der Grundſtein⸗ legung der St. Stefanskirche in Wien wird dieſes Jahr begangen. Dieſe erfolgte nämlich durch Rudolf IV. am 7. April 1359.

Derzeit ſind es gerade hundert Jahre, daß der ehrende Titel apoſt. Majeſtät für Kaiſerin Maria Thereſia im Jahre 1758 von Papſt Klemens XIII er⸗ neuert wurde. Urſprünglich wurde dieſer Titel der Kö⸗ nige von Ungarn dem h. Stefan von Ungarn im Jahre 1000 von Papſt Sylveſter II. beigelegt, weil derſelbe nicht nur das Chriſtenthum in Ungarn ſehr befördert hatte, ſondern auch in Nachahmung der Äpoſtel ſelbſt predigte.

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In dieſem Jahre wird es ein halbes Jahrhun⸗ dert, daß der Tirolerheld Andreas Hofer vom 20. Jän⸗ ner bis 4. Februar in Wien verweilte und in dem Hauſe Nr. 269 zu Gumpendorf, welches nun den Schild zum Sandwirth führt, wohnte. Zur Erinnerung an dieſen folgenſchweren Aufenthalt beabſichtigen einige dort befindliche Tiroler das genannte Haus mit einer entſprechenden Gedenktafel für immerwährende Zeit zu ſchmücken.

Chmel⸗Denkmal. Mehrere Mitglieder der k. k. Akademie der Wiſſenſchaften haben eine Subſkription zur Errichtung eines würdigen Grab⸗Denkmales für das würdige Mitglied Herrn Chmel eröffnet.

An dem Erzherzog Karl⸗Monumente wird der Hauptguß in den erſten Tagen des Monates Jän⸗ ner bewerkſtelligt werden. Im Februar und März wird ſodann die Uebertragung der Gußarbeit auf den Auf⸗ ſtellungsplatz erfolgen.

Eine Statue des Dichters Platen wurde in Ans⸗ bach am 5. Dezember feierlich enthüllt. Abends fand eine Beleuchtung des Monumentes durch bengaliſches Feuer ſtatt.

Aus Karlsruhe ſchreibt man: In den erſten Monaten dieſes Jahres wird der Direktor des groß⸗ herzogl. Hoftheaters, Herr Eduard Devrient, das 40 jährige Jubiläum ſeines dramatiſchen Wirkens feiern. Das geſammte Perſonal des Hoftheaters bereitet ſoeben das Feſt und die Feſtgabe vor. Herr Devrient iſt am 11. Auguſt 1801 in Berlin geboren und betrat ſchon im 18. Lebensjahre die Bühne, zuerſt als Opernſänger, dann als Schauſpieler. Seit 1832 wirkte er auch als dramatiſcher Schriftſteller.

Wie bekannt, hat die franzöſiſche Regierung das einſtige Wohnhaus Napoleon's I. auf St. Helena ſammt dem dazu gehörigen Terrain angekauft. Ebenſo weiß man, daß ein höherer Offizier der franzöſiſchen Armee als Hüter des Grabes und der Wohnung Na⸗ poleon's I. in St. Helena eingeſetzt wurde. Man hat auch beſchloſſen, das alte Haus zu Longwood, das einſt der gefangene Kaiſer bewohnte, ganz in den Zuſtand herzuſtellen, in dem es ſich befand, als der Kaiſer ſtarb, ſowie die übrigen Gebäude ebenfalls zu reſtauriren. Nun wird aber auch an einem hervorragenden Punkte am Meere ein Monument mit der Statue Napoleon's I. errichtet, und iſt der Geniekapitän Maſſelin mit allen vom Kaiſer approbirten Plänen nach St. Helena abge⸗ gangen, um die Arbeiten zu leiten.

Induſtrielles.

Der Plan, im Jahre 1861 eine allgemeine Kunſt⸗ und Induſtrie⸗Ausſtellung in London zu organiſiren, wird aller Wahrſcheinlichkeit nach zur Ausführung gelangen. Die Society of Arts, welche die Ausſtellung vom Jahre 1851 angeregt hatte, ſteht auch dießmal an der Spitze und hat ſich bereits mit ihren auswärtigen Mitgliedern in Verbindung geſetzt, um vorerſt deren Meinungen einzuholen, bevor ſie eine be⸗ ſtimmte Einladung zur Betheiligung erläßt.

In der Mormonenhauptſtadt am Salzſee wurde am 4. Oktober eine Induſtrie⸗Ausſtellung eröff⸗ net, welche ein erfreuliches Zeugniß von der Geſchick⸗ lichkeit und dem induſtriöſen Sinne des Utah⸗Volkes ablegt, und die von dort ankommenden Berichte bemer⸗ ken, daß einige ihrer Erzeugniſſe, z. B. Waffen, mit den amerikaniſchen den Vergleich zu ſcheuen nicht nöthig hätten. Ganz beſonders werden noch die Arbeiten der Damen, die Stickereien dc. hervorgehoben, die in gro⸗ ßer Schönheit und Menge ausgeſtellt waren.