Heft 
(1859) 2 02
Seite
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W. Ernſt: Bruder Luftikus und ſein Stern. 51

kam, erhob ſich der Unterbauer unaufgefordert, um Fritz dahin zu begleiten.

Es kann uns doch hier Niemand belauſchen? war die erſte Frage des dürren Männchens, das argwöhniſch in der Kammer umherſchielte.

Es iſt hier keine Seele, als der Fremde, be⸗ ruhigte Fritz,und der ſchläft vor Müdigkeit ge⸗ wiß ſo feſt, daß ihn ſelbſt die türkiſche Trommel unſerer Muſik nicht ſtört.

Gut, gut. Sagen Sie mir jetzt, Herr Fink, haben Ihnen der Ober⸗ und Mittelbauer wirklich 2000 Gulden verſprochen, wenn Sie heute noch irgendwo 2000 Gulden auftreiben?

Ja ſo iſt es; wie wiſſen Sie es?

Herr Fink, man macht, mit Verlaub, einen Narren aus Ihnen. Merken Sie denn nicht, daß Alles ſo verabredet iſt? Aber Sie können ſich rä⸗ chen und die Spötter alle in Schaden bringen.

Ich ſehe nicht, ein, auf welche Weiſe.

O ſehr leicht. Verſprechen Sie mir die Hälfte von dem Gelde, wie vom Kohlenwerke, und ich borge Ihnen binnen einer Stunde die gewünſchten vier⸗ tauſend Gulden. Man wird zwar anfangs nicht zahlen wollen, aber ich ſage ihnen, wir laſſen es auf einen Prozeß ankommen und wir werden ſehen, wer gewinnt.

Wenn Fritz nicht wußte, was er auf dieſen Antrag antworten ſollte, ſo ward er raſch aus der Verlegenheit gezogen, denn aus der obenerwähnten Lucke der Seitenwand ertönte ein furchtbares Zeter⸗ mordio des Wirthes:Ein Dieb, ein Betrüger! Haltet ihn feſt! zu Hilfe! zu Hilfe!

Nun entſtand auf einmal eine a. Verwirrung in allen Räumen der Stube und der beiden Kammern. Die Muſik erſtickte kreiſchend, die Mädchen flüchteten ſich ängſtlich in die Winkel und Männer und Burſchen liefen wirr durch einan⸗ der, da ſie nicht wußten, wen ſie zu packen hätten. Ein Theil drang in das Kämmerchen des Fremden, der erſchreckt emporgeſprungen war und mit dem Stuhlbeine fortwährend die Figur einer 8 in der Luft beſchrieb. Sein verdächtiges Aeußere und dazu dieſe defenſive Haltung machten raſch den Gedanken rege, daß er der Schuldige ſei, gegen den Herr Martin ihre Hilfe aufgerufen habe. Der Unter⸗ bauer ſtimmte aus Leibeskräften mit in den Hilfe⸗ ruf ein und rettete ſich durch dieſen Kunſtgriff aus dem Getümmel, das um den Fremden immer dichter und dichter wurde.

Ein anderer Theil war in die zweite Kammer geſtürzt, wo der Wirth ach in welch tragikomi⸗ ſchem Zuſtande! hing, in allem Ernſte hing, denn er hatte, um Fink's Geſpräch mit den Bauern zu belauſchen, ſeinen Kopf immer weiter durch die Eiſen⸗ ſtäbe der Lucke geſteckt und als er denſelben raſch zurückziehen wollte, es nicht mehr vermocht. Je mehr er ſich mühte loszukommen, deſto enger ſchie⸗ nen ſich nur die Stäbe zu ſchließen. Er zappelte und flatterte, wie eine Amſel im Sprenkel, und

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ſtöhnte, ſchimpfte, wimmerte und kommandirte bunt durcheinander.

Da änderte plötzlich ein einziges Zauberwort die ganze tolle Szene; ein Bergknappe, der in die⸗ ſem Augenblicke vom Schachte her anlangte, rief mit einer den chaotiſchen Lärm übertönenden Sten⸗ torſtimme:Kohlen!

Als der Wirth dieß Wort vernahm, achtete er nicht weiter ſeiner Ohren und raſch war der Kopf aus den Stangen. Faſt ebenſo ſchnell war das Mißverſtändniß mit dem Fremden aufgelöſt und ſtatt des Streites ein allgemeiner Jubel eingetreten. Mit klingendem Spiele zogen die geſammten Gäſte nach dem Schachte, wohin der Wirth mit judendlicher Schnelligkeit vorausgeeilt war. Eine herrliche Mond⸗ nacht begünſtigte die improviſirte Feier.

Fritz wollte ſich eben als der einzige Trau⸗ rige dem jauchzenden Zuge anſchließen, als ihn der Fremde freundlich bei der Hand faßte und zurückzog.

Sie ſind alſo der Bruder Luftikus, der mit dem Wirthe die ſeltſame Wette gemacht hat? fragte er drängend.

Ja, ich habe die Ehre, antwortete Fritz, indem er ſich loszuwinden ſuchte.

Ei, das trifft ſich herrlich, daß ich Ihnen noch heute einigermaßen die Freundlichkeit vergelten kann, die Sie wiederholt gegen mich bezeigt haben, da Sie faſt alle ſechs oder ſieben leiblichen Werke der Barm⸗ herzigkeit an mir übten. Wollen Sie mir die Ge⸗ fälligkeit erweiſen Lrlauſeed. Gulden auf beliebige Zeit von nle auzunehmen?

un glaubte Fritz in allem Ernſte, er habe es mit einem Tollhäusler zu thun.Wollen Sie mich zum Beſten haben? Ich bin eben nicht in der Laune, Spaß zu verſtehen, fuhr er barſch auf.Wie konnten Sie von mir meine letzten fünf Gulden an⸗ nehmen, wenn Sie Tauſende bei ſich tragen?

Ihre letzten fünf Gulden? Laſſen Sie ſich⸗ umarmen, Freund! Ein ſolches Herz ſchlug noch nie an meiner Bruſt.

Bei der ungeſtümen Umarmung fühlte Fritz den ungewohnten Druck einer gefüllten Brieftaſche in der Bruſttaſche des Fremden, und er hätte gleich⸗ falls ausrufen können:Ein ſolcher Freund ruhte noch nie an meiner Bruſt!

Als der Fremde hierauf ſein Portefeuille öff⸗ nete und aus den Papieren desſelben einige Tau⸗ ſendguldennoten hervorzog, da ſtammelte Fritz ver⸗ legen:Sagen Sie mir doch um alles in der Welt, ob ich unbewußt einen mächtigen Rauſch habe, in dem ich Dinge ſehe, die nicht exiſtiren?

Dem Frenden ſchien Finks Ueberraſchung herzliche Freude zu machen.Wie viel Stück ſehen Sie? fragte er lächelnd, indem er die Noten ihm vor die Augen hielt.

Vier Stück, antwortete Fritz mit komiſchem Ernſte.

Ganz richtig; der Beweis iſt hergeſtellt, Sie ſehen noch nicht doppelt. Ich bitte nur zuzugreifen.