50 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
hatte und die hohen Gäſte von Hannchen flink mit allem Gewünſchten bedient waren, legte Herr Martin nach dem würdevollen Eingangsceremo⸗ niell ſein Geſicht in gemüthlichere Falten.
„Hm, meine Herren, hm, hat Sie nicht unſer Bruder Luftikus dieſen Abend in gewiſſen Angele⸗ genheiten angeſprochen?“
Alle drei verneinten es.
„Nun, das iſt mir lieb, daß ich dem Spring⸗ insfeld noch zuvor komme. Es handelt ſich um einen Hauptſpaß für den heutigen Abend.“
„Er braucht gewiß wieder Geld, der Lufti⸗ kus?“ fragte der Unterbauer zwiſchen den Zähnen, da er ſich eben die Pfeife anzündete.
„ freilich,“ ſchmunzelte der Wirth,„doch nur ein paar tauſend Gulden.“
„Nur?“ bemerkte der Mittelbauer.„Da wer⸗ den wir einmal dem Maler'was malen.“
„Gut gegeben!“ lachte Herr Martin laut auf.„Es handelt ſich nämlich um eine Wette. Ich habe dem Naſeweis, der immer ſo thut, als wäre Geld nur Spreu und als könnte er Dukaten wie die Pflaumen von den Bäumen ſchütteln, mein Kohlenbergwerk zum Präſente verſprochen, wenn er mir bis Mitternacht vier tauſend Gulden aufwei⸗ ſen kann. Nun frage ich, gibt es hier unter uns einen ſolchen Narren, der ſo viel Geld ohne alle und jede Hypothek möglicher Weiſe auf's Spiel ſetzen wollte?“
Ein allgemeines Schütteln der Köpfe und die nachdrücklichen Kernworte, die ſich zu einem einſtim⸗ migen„Nein“ reſumiren ließen, gewährten Herrn Martin vollkommene Beruhigung. Er rieb ſich ver⸗ gnüglich die Hände und ſagte:„Das wird einen königlichen Jux geben, wenn wir den Luftikus von dem Einen zu dem Andern geheimnißvoll werden ſchleichen ſehen. Sein Geſicht muß zuletzt ſo lang werden, daß er es auf einer Webe Leinwand von 72 Ellen nicht mehr porträtiren könnte.— Blitz, da habe ich noch einen Einfall. Es bleibt ausge⸗ macht, daß ihm Niemand ſo viel borgt, als man vom Finger bläſt. Um ihm nun ſo recht zu zeigen, wie viel Kredit er habe, verſprechen wir ihm Alle, zwei tauſend Gulden zu ſchenken, wenn ihm heute noch Jemand die andern zwei tauſend leiht. Das kann er nicht übel nehmen und er muß ſich doch darüber ärgern, daß er alle Farben ſeines Farben⸗ kaſtens ſpielen wird.“
Der Vorſchlag fand lärmenden Beifall. Hann⸗
ſchen hatte von alledem nichts gehört, da ſie bald
nach dem Eintritte der drei Primatoren ſich ent⸗ fernt hatte, um dem Zuge, bei welchem ſie ihren Fritz vermuthete, entgegenzueilen.
Als nun endlich Wurzingens Jugend mit ſchallender Muſik in die Stube einzog, da fingen die Fenſter zu zittern und die Tiſche zu beben an. Fritz eröffnete mit der Wirthstochter den Reigen.
Auf der kurzen Strecke, die ſie mit einander gegan⸗ gen waren, mußten ſie ſich wohl recht innig ver⸗
ſtändigt haben, denn ſie blickten ſich, während ſie eng aneinandergeſchmiegt, durch die Stube flogen, ſo voll Seligkeit in die Augen, als— wäre es der Brauttanz.
Wer am wenigſten Behagen an dem geſteiger⸗ ten Tumulte zu finden ſchien, das war der fremde Gaſt. Er rief den Wirth und beſtellte ein Zimmer. Herr Martin machte große Augen und indem er ſeine Blicke auf die vielen Löcher im Gewande des Fremden richtete, ſchien er in wohlweiſes Bedenken zu gerathen, ob er einem ſolchen verwahrloſten Ge⸗ ſellen, ohne unliebſame Folgen zu befürchten, den Vorzug eines wohlbeſtellten Bettes angedeihen laſſen könne.„Sie werden wohl,“ dehnte er,„mit einer Schütte Stroh in der Scheuer vorlieb nehmen müſſen, denn alle meine Kammern ſind anderwei⸗ tig beſetzt.“
„Ich ſoll auf Stroh in die Scheuer?“ rief der Gaſt entſetzt.„Iſt denn nirgends hier im Hauſe ein Plätzchen, wo ich ein paar Stunden mich hinſtrecken könnte?“
„Nun da iſt hier gleich nebenan ein Stübchen; aber Sie werden dort etwas geſtört ſein. Doch ſehen Sie ſich's an.“
Der Fremde folgte dem Wirthe in ein kleines Kämmerchen, das mit der Stube durch eine Thür zuſammenhing. Vorſichtig, faſt ängſtlich, ſah er ſich hier überall um und muſterte bald die Fenſter, bald den Fußboden. Dann trat er zu der Seitenwand, durch welche eine mit zwei Gitterſtäben verſehene Oeffnung in eine Kammer nebenan Einblick bot.
„Wozu ſoll das?“ fragte er den Wirth arg⸗ wöhniſch, indem er den kleinen Vorhang, der die Lucke bedeckt, lüftete.
„Das iſt nun einmal ſo. Wenn Ihm unſere
Architektur nicht recht iſt, ſo....“
Brummend ließ er den Gaſt allein, der ſich, nachdem er aus einem Stuhle früher ein Bein ge⸗ brochen, mit dieſer Waffe hinter einem Tiſche auf eine Bank ſich ſtreckte.—
Als Fritz inzwiſchen ſeinen Rundtanz mit Hannchen beendet hatte, trat er an den Ehren⸗ tiſch und bezeigte ſich gegen die Honoratioren des Dorfes, die ſich wechſelſeittg mit dem Elbogen an⸗ ſtießen, außerordentlich freundlich. mit Jedem einige muntere Worte gewechſelt, klopfte er vertraulich dem Großbauer auf die Schulter und bat ihn, auf ein Wort unter vier Augen mit ihm in's Kämmerchen daneben zu treten. Mit Müh' unterdrückte man das Lachen, als man die Beiden Arm in Arm ſich entfernen ſah. Zu gleicher Zeit verſchwand auch Herr Martin.
Es währte nicht lange, ſo kehrte Fritz mit dem Großbauer wieder zurück. Letzterer blinzelte ſeinen Tiſchnachbarn zu, als wollte er ſagen:„es iſt gekommen wie wir dachten.“
Darauf nahm Fritz den Mittelbauer auf's Korn und als dieſer aus dem Kämmerchen zurück⸗
Nachdem er faſt
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