Heft 
(1859) 2 02
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lange nicht von ſeinem Erſtaunen zurückkommen. Allle ſeine Dankbezeigungen lehnte Fritz mit den

und mit dem guten ge Als ich den Bruder Studio wegen einſtiger Be⸗

48 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

Im Dorfwirthshauſe? fragte der Fremde kleinlaut.Erfreut man ſich wohl dort einer hin⸗ länglichen Sicherheit?

Fritz blickte neuerdings verwundert auf den Frager.Seien Sie unbeſorgt. Sie haben, ſo viel ich in der Dämmerung bemerke, ein ehrliches Ge⸗ ſicht; der Wirth, Herr Martin, wird nicht nach den Papieren fragen.

Der Fremde lächelte wieder in eigenthümli⸗ cher Weiſe.Das iſt es nicht, was mich beſorgt macht, ſagte er,ich fürchte nur, ich fürchte....

Als er verlegen mitten im Satze ſtockte, fiel Fritz raſch ein:Laſſen Sie es gut ſein, ich weiß ja, wo Sie der Schuh drückt.

Bei dieſen Worten griff er in die Weſten⸗ taſche und drückte dann dem Fremden die Fünf⸗ guldennote, welche er vor wenig Minuten als guten Anfang zu den vier tauſend Gulden zu ſich geſteckt hatte, in die Hand.

Nun war die Reihe ſich zu verwundern an dem Fremden. Er erhob ſich von ſeinem harten Sitze und während er vergeblich nach dem Haupte griff, um den Hut zu ziehen, fragte er in einem Tone, der eben ſo Staunen wie eine tiefe freudige Erregung verrieth:Wer ſind Sie, mein Herr, daß Sie einem Unbekannten, der nicht eben in der vortheilhafteſten Weiſe Ihnen erſcheinen muß, ſo reichlich beſchenken? Oder kennen Sie mich, mein Herr?

Ich bin nur ein armer Maler und kenne Sie nicht. Doch kommen Sie jetzt mit mir in meine Wohnung im Dorfe, ich habe dort noch eine Mütze am Nagel hängen, die überflüſſiger Luxus für mich iſt, dagich, wie Sie ſehen, nur einen Kopf habe.*

Der Fremde konnte, während er folgte, noch

Worten ab:Ich habe nur eine alte Schuld bezahlt.

Eine alte Schuld, wie ſo?

Es iſt jetzt über ein Jahr, erzählte Fritz, da war ich auf meinen Kreuz⸗ und Querzügen durch Deutſchlandenach und nach in einen nicht ganz ſalonfähigen Zuſtand gerathen. Daß derſelbe trüb⸗ ſelig genug war, können Sie daraus ſchließen, daß man mir nirgends mehr, wo ich anklopfte, aufthun wollte. So blieb ich eines ſchönen Tages im Schat⸗ ten eines Zaunes liegen und wäre wohl nimmer aufgeſtanden, wenn ſich nicht ein barmherziger Sa⸗ maritan Meiner erbarmt hätte.'s war nur ein wandernder Student, und was er mir reichte nur ein Schluck aus der Flaſche und ein Thaler aus der Taſche, aber daß ein wildfremder Menſch ſich eines wildfremden Menſchen, ohne erſt lang zu

fragen, ſonder weiſe Lehr' und Ermahnung freund⸗ brüderlich annahm, das ſtärkte mich wunderbar; im Innerſten erfriſchk, gewann ich neuen Muth V

Muthe iſt alles gewonnen.

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zahlung um ſeine Adreſſe bat, erwiederte er, er gehöre zur Klaſſe der armen Teufel, und wenn ich einmal zuMoos käme, möchte ich nur an einen ſolchen denPump ausfolgen. Nun, mein werther Unbekannter, ich glaube meine Schuld an den rechten Mann ausgezahlt zu haben; laſſen Sie die paar Gulden bei Gelegenheit wieder einem an⸗ dern unſerer großen Sippe zukommen.

Der Fremde drückte Herrn Fink ſchweigend die Hand. Er ſchien über etwas zu ſinnen; nach einigen Augenblicken ſtummen Einherſchreitens ſagte er:Ich werde dieſe Stunde nie vergeſſen. Ich hätte nie geglaubt, je eines Almoſens zu bedürfen, doch der Zufall, der ſeit einigen Stunden ſein Spiel mit mir treibt, hat ſeine wunderlichen Launen. Werden Sie es glauben, daß ein kleiner Windſtoß mich von Neumarkt hieher verſetzt hat?

Fritz rümpfte die Naſe; ihn ärgerte nichts ſo ſehr, als Windbeutelei, eine Eigenſchaft, die der Fremde in hohem Grade zu beſitzen ſchien.

Die Sache klingt ſonderbar, fuhr derſelbe fort,und ſie iſt doch ganz natürlich. Nach dem Mittagsmahle machte ich eine kleine Verdauungs⸗ promenade auf die Anhöhe hinter Neumarkt. Als ich auf dem Gipfel angelangt bin und mich an der hübſchen Ausſicht erfreue, entführt mir plötzlich ein Windſtoß einen neuen Seidenhut und rollt ihn wie einen Ball den Abhang hinunter. Ich renne hinterdrein und ſehe bald zu meinem Aerger, daß auch ein Hund ſich das Privatvergnügen nicht ver⸗ ſagt, Jagd auf meinen tanzenden Cylinder zu ma⸗ chen. Der Hund gewinnt mir bald den Vorſprung ab, erfaßt meinen Hut und eilt damit, was er kann, dem nahen Walde zu. Ich ſtürze ihm in der Hitze der Verfolgung nach, doch je mehr ich rufe und drohe, deſto unaufhaltſamer rennt er durch Dick und Dünn über Stock und Stein. Als ich endlich athemlos die Verfolgung aufgebe, gewahre ich zu meinem Schrecken, daß ich nicht mehr weiß, wo ich ſei. Ich war in meinem Leben noch nie allein in einem Walde geweſen und drum, ich will es wohl geſtehen, verwirrte mich die Furcht immer mehr. Ich glaubte bei meinem Vordringen ſtets eine gerade Richtung zu verfolgen und kam ſchließ⸗ lich immer wieder auf früher betretene Plätze zurück. Meine Angſt ſteigerte ſich von Minute zu Minute; was ich am meiſten fürchtete, geſchah: ich wurde angefallen und beraubt.

Und mit wilden Thieren hatten Sie kein Abenteuer? warf Frit gleichgiltig dazwiſchen.

Ich ſchwöre Ihnen, entgegnete der Fremde etwas gekränkt,daß ich die lautere Wahrheit rede. Ein unheimlicher Menſch verfolgte mich durch eine große Strecke des Waldes und ſchrie fortwährend: Geld her! Geld her! Als er mir endlich ganz nahe auf den Ferſen war, zog ich meine Börſe und ſtreute ihren Inhalt rings auf den Boden. Wäh rend er die einzelnen Münzen zuſammenlas, gewann ich Zeit, ihm aus dem Geſichte zu kommen. Meine

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