nur bei hohen Feſttagen gebrauchten großen Tiſch⸗ tuch, zu welchem die Fäden im Hauſe geſponnen wurden, bedeckt, die Leuchter aufgeſtellt, die Teller mit dem Eßzeug vertheilt; dann kommen ganze La⸗ dungen rothwangiger Aepfel und hellbrauner Nüſſe, dazwiſchen ſtehen ganze Schüſſeln voll der nie feh— lenden ſogenannten Muſika(ein Gemengſel getrock⸗ neter und gekochter Aepfel, Birnen und Zwetſchken).
Nach und nach verſammeln ſich alle Hausbe⸗ wohner in ihrem beſten Sonntagsſtaate, und auch die Hauswirthin tritt ein, und ſchneidet, nachdem ſie den Segen geſprochen, das Brod und die Strie⸗ zel an. Von beiden werden die erſten Stücke ſorg⸗ ſam bei Seite gelegt.
Hat ſie dann nochmals in der Küche nachge⸗ ſehen, ſo tritt ſie wieder zum Tiſch, den ſie erſt nach beendigter Mahlzeit verlaſſen darf;— denn die Bruthenne würde nicht auf den ECiern ruhig ſitzen bleiben, würde ſie dieſe Sitte verletzen.
Nun ſpricht der Hausvater ſein Gebet, in wel chem er Gott für das glücklich vollbrachte Jahr dankt und ihn bittet, Alle wieder das kommende geſund und glücklich verleben zu laſſen.
Gelobt ſei Jeſus Chriſtus! antworten Alle im Chore und ſetzen ſich, die Familie oben, das Ge⸗ ſinde unten, zu den dampfenden Tellern nieder.
Auf die dicke Fiſchſuppe folgt der blaue und ſchwarze, dann der gebackene Fiſch, darauf erſcheint ein eigenthümliches Gericht, der kerny Kuba, aus Graupen und Schwämmen,
Aepfel und Nüſſe.
Daß während der Mahlzeit fleißig dem Biere zugeſprochen wird, iſt ganz natürlich, denn der böh miſche Bauer gönnt ſeinen Leuten dieſe feſtliche La⸗ bung in Fülle. Achtſam werden alle Gräten, über⸗ haupt alle Tiſchabfälle aufgehoben.
Es trifft ſich meiſtentheils, daß während der Mahlzeit der Ortshirte nach altem frommen Ge⸗ brauch durch das Dorf zieht, auf dem Horne bläſt, mit der Peitſche knallt und das bekannte Hirten⸗ lied ſingt:
Zur Krippe, zur Krippe eilet Ihr Birden,
Dort werdet Ihr finden ein wunderlieblich Kind Im Städtchen zu Bethlehem, eilt nur geſchwind, Ihr werdet dort finden ein wunderlieblich Kind.
Dann h hört plötzlich alles Lachen und jedes Ge⸗ ſpräch eii und Alle, ſich bekreuzigend, rufen ſeeudig aus: Chriſtus iſt geboren, ſre wir uns!“ Dabei jubelu die Kinder nach Herzeusluſt.
Sobald der Tiſch aigeriunt iſt, iien die Männer zuſammen, zuweilen geſellen ſich woh die Nachbarn dazu, und das Kartenſpiel im ſeinen Aufang. d wird um Nüſſe und zwar ge⸗ wöhnlich das Häufelſpiel„der Kaufmann“ geſpielt. Dieſe Unterha Pan dauert gemeiniglich, bis die Glocke das erſte Zeichen zur Mette gibt.
Während die Männer in der warmen Stube
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dann Liwanzen. Den Beſchluß macht die Muſika und die Vertheilung der
Erinnerungen. Il lluſtrirte Bl ätter für Ernſti und Humor.
l auch
ſich dem Vergnügen des Karterſpeles hinge⸗ ben, die Kinder ſich herumtreiben, geht die um das Hausweſen beſorgte Hausfrau mit den vorer⸗ wähnten erſt abgeſchnittenen Brod⸗ und Striezelſtück⸗ chen, den erſten Aepfe In und Nüſſen hinaus in den Kuhſtall und ſteckt einem jeden ſeiner Bewohner ein Stückchen von den Eßwaaren in das Maul, um die Thiere vor Unglück zu bewahren. Das Uebrige wirft ſie in den Brunnen, auf daß er nie verſiege.
Die Knechte aber eilen mit den Gräten und andern Tiſchabfällen nach dem Acker und graben alles dort ein, damit auch das Feld dadurch ge⸗ ſegnet werde und immerdar fruchtbar bleibe.
Doch die größte und intereſſanteſte Unterhal⸗ tung haben die Mädchen. Leichten und ſchnellen Trittes eilen ſie zu der Hühnerſteige und rütteln an dem Thürchen, aufmerkſam und ängſtlich hor⸗ chend, wer zuerſt, ob der Hahn oder eine der Hen⸗ nen laut wird. Iſt es der Hahn, ſo kommt dieß Jahr der Bräutigam, iſt's eine Henne, ſo iſt iin ein Jahr keine Ausſicht auf den Brautkranz. Wollen ſie auch wiſſen, von welcher Seite der Freier an⸗ gezogen kommen wird, ſo binden ſie entweder den mit eigener Hand wohlgefütterten Hofhund und Viingen ihn vor das Thor, oder ſie ſchütteln an
dem Zaune; nach welcher Seite hin das Bellen des Bndos gerichtet iſt, von dieſer rückt auch der Freier her.
Frägt nun aber ferner die liebe Neugierde, wer oder was iſt dieſer angekündigte Freiersmann, ſo eilen die Mädchen flugs zu dem nächſten Eiſe und legen das Ohr an dasſelbe; da hören ſie ent⸗ weder hämmern, wie es der Schmied thut, oder es feilt drin, wie der Schloſſer, oder es tönt als wäre ein Muſikant unter dem Eiſe u. ſ. w.
Befriedigt oder nicht befriedigt mit dem Re⸗ ſultate'treten die heiratsluſtigen Mädchen wieder in das Haus, um auch da noch einen Blick hinter den Schleier der Zukunft zu werfen.
Sie gießen nämlich in ein kleines Glas voll reinen Waſſers das Weiße vom Ei und laſſen es über Nacht ſtehen, um früh Morgens aus den ver⸗ ſchiedenen Zacken, die wie Thürme oder Häuſer oder Wälder ſich auf das Waſſer hinzeichnen, noch etwas von dem künftigen Schickſale zu erfahren.
Zu demſelben Zwecke werden am Abend auch noch verſchiedenfarbige Wachskerzchen in Nußſchalen (die erſten, die man öffnet) geſteckt und, nachdem man einem jeden dieſer Schifflein den Namen eines Theuern beigelegt hat, zu gleicher Zeit angezündet und in's Waſſer geſetzt. Derjenige Segler, welcher ſich zuerſt dem Frager naht, iſt der vom Schickſal beſtimmte Lebensgefährte. Ach, wie oft wird da der nicht Verlangte zurückgeblaſen und ſo lange gebla⸗ ſen, bis der heimlich Ewwähl te ſtolz— knnne⸗ weh he aber, verliſcht Einer der brennenden
Maſtbäume! Dieſe harmloſen Späße währen bis zum
erſten Glockengeläute. Nun wird alles bei Seite ge⸗
ſtellt, das warme Kleid angezogen, die Wachs⸗
— kräͤnze Fünder nachte dwige ſchium lichen
boren


