Jahrgang 
2 (1850)
Seite
1659-1660
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1659 1660

Herr v. Gogh ſpielte bei der zweiten Vorſtellung ſchon mit größerm Feuer, doch vielleicht eben daher der verzeihliche lapsus memoriae et linguae. Auch Herr Baumeiſter gewann in der Sicherheit der Wiederholung ſchon mehr die nöthige Frei⸗ heit zur Begeiſterung, und Servet⸗Baumeiſter wie Calvin⸗Fehringer erſcheinen in der That als zwei Glanzpunkte dramatiſcher Darſtellung. Sehr dankbar fühlen wir uns auch dem Orcheſter verpflichtet, das bei beiden Vorſtellungen in den Zwiſchenacten durch eine ſehr tüchtige Ouverture don Romberg, ſowie Mozartſche und Beethoven⸗ ſche Symphonieſtücke die gute Stimmung, in die das Stück uns verſetzt, zu nähren und zu er⸗ höhen bemüht war; nur möchten wir an die Regie hinter den Couliſſen die Bitte richten, künftig ſolche gediegene, werthvolle Muſikpiecen, die wahrlich mehr als Lückenbüßer ſind, zu Ende ſpielen und nicht plötzlich und unerwartet durch Aufziehen des Vorhanges den Faden zerreißen zu laſſen.

Im Thaliatheater tauchen neben den neuen Stücken auch die älteren der Frau Birch⸗Pfeiffer wieder auf, und finden wieder, wie ehedem, ihr Publicum. Wir ſahen von dieſen beliebten Volksſtücken, wie man ſie wohl nennen kann, nurSteffen Langer undPfeffer⸗Röſel. Ueber das erſte hat eine uns befreundete Feder hereits berichtet, und wir können das Geſagte nur mit voller Wahrheit anerkennen. Das Stück hat auch uns ſehr angeſprochen und gut unterhalten; Frl. Fuhr als Klärchen und Herr Kökert in der Titelrolle laſſen in der That kaum zu wünſchen übrig. Von geringerm Werthe dünkt uns das Pfeffer⸗Röſel, das übrigens mit dem erſten faſt ähnlichen Stoff hat, da es ſich in beiden um entwendete Papiere handelt. Da geben wir dem Luſtſpiele vor demromantiſchen Schauſpiele den Vorzug und theilen nicht die Meinung der Verfaſſerin, die in einem Briefe an einen hieſigen Literaten ſich ausſprechen ſoll, ſie würde ſich glück⸗ ich ſchätzen, wenn ſie wſefer noch nicht geſchrieben, ſondern jetzt erſt zu eiben hätte. Sei' es die neue Poeſie derGenfet, die über die alte Remantik des Ritterſchauſpieks den Sieg bei uns davon getragen, ſei es die mangelhafte Darſtellung, die außer Fräul. Fuhr und Herrn von Gogh, der an dem Abende den Junker ſpielte, ſehr mittelmäßig war: wir konnten nicht begreifen, wie das Stück im Jahre des Heils 1850 noch dankbare Zuhörer finden könne. Die beitere Nachkoſt, die uns in denVerſuchen dar⸗ gereicht ward, wollte uns ebenfalls nicht munden. SolcheVerſuche ſind auf Virtuoſität berechnet, deren aber Frau Stotz weder in der Darſtellungs⸗ kunſt noch in muſikaliſcher Hinſicht ſich rühmen kann. Nach ſolchen Verſuchen würden wir als Theaterdirector ſie nicht engagirt haben.

An Concerten war dieſe Woche keinerlei Ausbeute, es ſei denn Herrn Ballins Soirée musicale am Montage in dem Hotel de Europe, die wir aber zu unſerm Bedauern der Pflicht unſeres Berufes zum Opfer bringen mußten. Den tolentbegabten Concerigeber ſchätzen wir als Künſiler verdientermaßen hoch, und ſeine Spiel⸗ weiſe, die zu Seele und Herzen ſpricht, die uns

im Orcheſter durch ſo manches Violinſolo, erſt jüngſt imColumbus, ſo ſehr entzückte, ward ſtets von uns gebührend gewürdigt. Darum dürfen wir auch, ohne anweſend geweſen zu ſein, annehmen, daß der Concertgeber diesmal, wie immer, reichen Beifall gefunden haben werde. Möge er noch lange eine Zierde unſeres wackern Orcheſters bleiben!

Wie bei dem Scheiden der weiland Könige von Frankreich, rufen wir Angeſichts der er⸗ löſchenden Kerze des ſinkenden Jahres und des Redactionswechſels: Le roi est mort, vive le roi! Wir ſagen Beiden wie unſeren Leſern ein herzliches Lebewohl und richten dann unſern Blick der Hoffnung der aufgehenden Sonne entgegen. Schon ſind für die Feſtwoche Feſtgenüſſe ange⸗ kündigt: Mozarts Figaro nebſt Zauberflöte und Meyerbeers Prophet, drei Capitalopern, von denen wir im nächſten Jahre zu berichten hoffen. Auch für das neue Jahr, wie für die neue Redaction werden wir das alte Streben bewahren und von ihr wie von unſern Leſern die alte freundliche Nachſicht in Anſpruch nehmen. Unſere Deviſe wird unverändert dieſelbe bleiben: Amicus mihi Plato, amicus mihi Aristoteles, sed magis amica mihi Veritas!

Miscellen.

Das Madrider Journal el Heraldo erzählt mit der ernſteſten Miene von der Welt folgenden coloſſalen Puff. Die berühmten Luſtſchiffer Fo⸗ ceuneton und Cliffor ſind von London ange⸗ kommen und haben mit dem Unternehmer eines Stiercircus einen Verkrag abgeſchloſſen, kraft deſſen ſie, auf Stieren reitend, eine Luftfahrt machen wollen, welche Stiere durch die berühmten Terradors Gallardo, Mimoz, Cholas uud andere in der Luft getödtet werden ſollen. Die Stier⸗ fechter werden vermittelſt kleiner Ballonslaufſteigen, und ſo wird man in der Luft ein regelrechtes Stiergefecht auffuhren.

Streichhölzchen-Fabrication. Nach Mayhews Angabe in dem Morning Chronicle werden in einer Dampfſchneidemühle, die er beſuchte, durch⸗ ſchnittlich des Jahres zu 156,000 Gros Schachteln Spane gefertigt, jede Schachtel enthält 50 Streich⸗ hölzchen, in Summa alſo 1,123,200,000 Hölzchen. Zur Anfertigung dieſer Quantität werden wöchent⸗ üich 400 Cubikfuß Holz verbraucht, was durch⸗ ſchnittlich 8 Bäume ausmacht oder jährlich 400 große Bäume zu Streichhölzern in einer einzigen Mühle. Es iſt jetzt kein Scherz mehr, zu ſagen, daß ein Schwefelholzverkäufer ein Holzhändler ſei.

Chineſiſche Waffen. Wir entnehmen der china mail folgenden intereſſanten Aufſatz. Wir hatten Gelegenheit, jüngſt verſchiedene chineſiſche Waffen zu ſehen, beſtimmt für das Muſeum in London.

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