1554 1583 158 ſels. 1587 1586 1615
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1619 1549 1650
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Zuſtände.
Lebensbild aus der Jetztzeit.
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I.
„Ja, ſüß wie Nachtigallenchöre, und ſüßer Klänge beim Weihnachtslicht Der Kinder Jubel meinem Gehöre, Wenn nur in feuchten Höhlen nicht Auf ſchlechter Streu das Elend fröre.“
MWarl Veck.
Wine Bamilie.
fiel in dichten Flocken herab und hatte ſchon die ganze Landſchaft mit einem Leichentuche überdeckt, während der hleiche Mond wie eine Todtenkerze über dem weiten Grabe der Natur angezündet war und mit mattem Schimmer durch das Unwetter auf das prächtige Schloß des ſtolzen Grafen und die baufällige Hütte des armen Fiſchers Anton hinableuchtete, die am Fuße des Herrenhauſes lag. Die alten Föhren des Odenwaldes ächzten im Sturme und ſchüttelten trübſelig ihre ſchwankenden Häupter, als trauerten auch ſie um den hingeſtorbenen Sommer mit ſeinem farbigen Blumenteppich, ſeinen goldenen Aehren⸗ feldern und ſeinen üppigen Weingärten. Eine Rinde von Eis hielt die Kraft der Erde ge⸗ feſſelt und verbarg dem menſchlichen Auge das Ringen der begrabenen Keime nach Licht und Entfaltung, das Träumen des Saatkorns von warmen Lüften und Sonnen⸗ ſchein und all das Hoffen unter dem Eis⸗ gürtel auf einen neuen Frühling.
Die weiten Fabrikgebäuve rauchten heute nicht wie gewöhnlich, denn es war Weihnacht.
Die ganze Gegend war öde und leer. Nur Jahreszeiten II.(Nro. 27. Den 3. Juli.)
dann und wann jagte noch ein prächtiger Schlitten mit hellem Geläut hin über die weiße Fläche, um die eine oder andere hoch⸗ adelige Familie zum Feſte des Grafen zu führen.
Jetzt ließ das Schneegeſtöber etwas nach. Der Mond trat aus ſeinem Wolkenſchleier hervor und beleuchtete die kräftige Geſtalt eines armſelig gekleideten Mannes, der aus dem Waldesdunkel hervortrat. Es war der Wildſchütz Paul, der älteſte Sohn des armen Fiſchers Anton, ein wilder trotziger Burſche, der ſein Leben ſchon oft eines Rehes wegen in die Schanze geſchlagen hatte, der aber auch das Leben ſeiner Mitmenſchen nicht höher achtete und Forſtbeamten, der ihm im einſamen Gebirge plötzlich in den Weg trat, durch eine Unze Blei zum Schweigen gebracht haben mochte. Sein Geſicht war nicht häßlich, aber ein lang herabhängender
bereits manchen
kohlſchwarzer Bart und ein hämiſcher Zug
um die Mundwinkel gaben ihm einen unan⸗ genehmen, menſchenfeindlichen Ausdrack. Er trug eine zerlumpte, ſchmutzige Blouſe, über
die ein mit Pulver gefülltes Kuhhorn an
einer Leine herabhing. Im Gürtel ſtak ein
altes maſſives Waidmeſſer, deſſen blinkender 53
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