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ſchaften find dieſelben, nur die Formen ſind ver⸗ ſchieden.— Noch erwähnen wir aus demſelben Verlage: Emanuel St. Hermidad: Das Meer⸗ weibchen; deutſch von F. A. Leo; vier Bändchen. Wir haben an dieſem Märchen nicht die Schön⸗ heiten entdecken können, welche man uns geprieſen hatte. Der Stoff iſt zu weit ausgeſponnen und wird oft langweilig, was dem poeliſchen Werthe allerdings Abbruch thut. Es giebt in der däni⸗ ſchen Literatur wohl Werke, mit denen wir uns lieber bekannt machen. Sämmtliche Bücher ſind höchſt geſchmackvoll ausgeſtattet, freilich etwas ſchöner im Vergleich zn andern Werken.— Zum Schluß bemerken wir noch, daß in Caſſel bei Raabé& Comp. die Ueberſetzung von„Der Kaufmannsdiener, ein Antwerpener Sittengemälde von Kerkhoven“ erſchienen iſt. Schade, daß eine ſehr oberflächliche Ueberſetzung dieſe ganz unter⸗ haltende Skizze faſt ungenießbar macht. Simon.
Der Philoſoph in der Dachſtube. Tagebuch eines Glücklichen, herausgegeben von Emile Sou⸗ veſtre; deutſch von Dr. A. Diezmann. Leipzig. Coſtenoble und Remmelmann. 1850. 8. Geh. 15 Ngr.
Wir hätten Herrn Souveſtre nicht zugetraut, daß er ſo gemüthlich, ſo einfach zu philoſophiren verſtehe, und waren überraſcht, von einem Roman⸗ ſchriftſteller ſolche Raiſonnements zu leſen. Das Ganze, in Form eines Tagebuchs gekleidet und von überraſchend ſchönen Gedanken durchweht, gewährt eine anziehende und trotz ihrer Einfach⸗ heit feſſelnde Lektüre.
Bernhard ven Bellinghauſen. Roman von E. Fritze. Zwei Theile. 12. geh.(Magde⸗ burg, Falckenberg& Co.), jetzt C. H. Brandis in Berlin. 1848.
Das Büchlein, welches uns von Neuem zu⸗ geſandt wurde, iſt bereits in No. 18 des Jahr⸗ gangs 1848 beſprochen worden.
Robespierre's Triumph und Sturz. Ein Bei⸗ trag zur Geſchichte der franzöſiſchen Revo⸗ lution, von Theodor Opitz. Leipzig. Coſie⸗ noble& Remmelmann. 1850. Rthlr. 1. 15.
Wir laſen das Buch mit eigenthümlichen
Gefühlen durch. Herr Opitz bewundert in Robes⸗ pierre einen tugendhaften, ehrlichen Mann, einen Republikaner, der, ſeiner Anſicht nach, ſchnöde verleumdet, verunglimpft und zuletzt abſcheulich verrathen wurde, trotzdem er nicht wegdemonſtri⸗ ren kann, daß daſſelbe Volk, welches ihm in ſeiner bluttriefenden Toga zujauchzte, mit wahr⸗ haft fanatiſcher Freude ſeinen Tod feierte. „Man kann ſagen, es ſei dieſem Menſchen mit der Tugend Ernſt geweſen,“ dies Wort Hegels ſteht als Motto auf dem Buche. Es lautete beſſer: man kann ſagen, daß es dieſem Menſchen mit dem Morden Ernſt war. Wir können nun
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einmal nie in die Apotheoſe eines Mannes ein⸗ ſtimmen, der die Girondiſten, dieſe edlen, be⸗ geiſterten Männer, dem Beil des Henkers über⸗ lieferte, dem ein Danton und Barbaroux noch zu gemäßigt waren und der für politiſche Ver⸗ gehen keine andere Strafe als das Fallbeil kannte, ſo durch Todesfurcht die Zungen feſſelnd und die freie Meinung unterdrückend. Doch jeder Thrann, ob in der Toga oder in Purpur, findet ſeine Schmeichler, und wenn wir Herrn Opitz dieſes Prädicat auch nicht vindiciren wollen, ſo können wir ihn doch nicht freiſprechen von Par⸗ teilichkeit bei Schilderung ſeines Stoffes, was namentlich da recht ſchlagend hervortritt, wo Robespierre's bluttriefender Stern zu ſinken be⸗ ginnt.
Der Erbe vvn Killmärnor. Roman von Bertha Werder. Zwei Bände. Magdeburg. Emil Bänſch. Gr. 8. Geh. Rthlr. 24.
Ein buntes Untereinander von Scenen, Cha⸗ racteren und Abenteuerlichkeiten, welches in Schottland, Deutſchland, Frankreich und Spanien ſpielt. Malcolm iſt der Held der Hiſtorie; ſeine Perſon bildet den Mittelpunkt, um den ſich eine Menge Perſonen, Inez, der Earl, Landegg, Gertrude, Armignh, ein Erzhallunke, Pamela, Dolores, Irwin Allan, Sir Cecil, Baron Welden, eine Art Mephiſtopheles, gruppiren. Jeden Augenblick etwas Anderes, man wird förmlich zu Tode gehetzt von Ereigniſſen. Bald findet Irwin einen Schatz in der Alhambra, bald ſpe⸗ dirt er den alten Earl oder Sir Maecdonald in die Ewigkeit, bald duellirt ſich Malcolm in Deutſchland, bald in Schotland, Armignh ver⸗ führt die Frauen dutzendweis und Landegg läuft dazwiſchen herum, man weiß nicht weßhalb, wäh⸗ rend Ines von Zeit zu Zeit von Gnomen und Nixen träumt und mit dieſen luftigen Perſonagen lange Zwiegeſpräche hält, bis endlich zum Schluß die ganze Romangeſellſchaft, die umgebrachten oder alle gewordenen Perſonen abgerechnet, im Gaſthaus zu Morehill den letzten Act dieſes Spektakelſtückes aufführt, und der Leſer froh iſt, daß endlich der Vorhang vor dieſem pele⸗ mele ſinkt.
Das Jahr und die alte Redaktion eilen zu Endez doch müſſen wir noch unſer Gewiſſen er⸗ leichtern, indem wir, wenn auch ohne nähere Beſprechung, angeben, welchen poetiſchen Zuſen⸗ dungen wir noch unſere Kritik hätten zuwenden ſollen und müſſen, wäre nicht die Parze dieſes Blattes unſerer Scheere feindlich entgegen ge⸗ fahren. Zu den beſten und beſſeren der noch vorliegenden Bücher gehören:
Moslicheddin Sadis Luſtgarten(Boſtan), aus dem Perſiſchen überſetzt von Dr. Karl Heinrich Graf. Jena. Hochhauſen, 1850. 12. 236 Seiten. (Beim Empfang des zweiten Bandes werden wir die Recenſion jedenfalls nachholen.)
Johann Ludw. Runeberg: Hanna. Aus dem Schwediſchen von Johannes von der Smiſſen. Mitau und Leipzig, Reyher. 1850. 12. 94S.


