Jahrgang 
2 (1850)
Seite
1645-1646
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hen zu ſchen. zurück, ſo ſeiner Bruſt tder Maler Catharina vortrefflich Wirde des es von der en Grfühls. ſſteht, in adtſchreiber tenberg, in nach ihrem uflucht ge⸗ alſo gleic⸗ denn er und ſeine, in, die ihr is auf die tes Geſicht ls Braut⸗ n Reichen⸗ hen hinge⸗ recht an⸗ ht hůſt ürde, wie hl ſch grunuchs jwar dem prifendts in ſcwers als gab e aber einen nnen auch, ſt nur die ni ſe vl hinſchut nt ſil nit einer ſun nit einge⸗ Reichen⸗ Schüne

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Brautpaar, von denen der im ſchwarzen Talar gekleidete Luther, die Linke auf das linke Kniee gelegt, mit ſeiner Rechten die Rechte ſeiner Angetrauten umſchloſſen hat, welche, ganz weiß gekleidet, den Myrthenkranz auf dem Haupte, das ſehr lange Haar in einer Flechte ganz über den Rücken herab hangend, in der linken tiefgeſenkten Hand eine Roſen⸗ fnospe hält: ſo möchte beim erſten Hinblick wohl Mancher meinen, das dem Beſchauer beinahe ganz zugekehrte Antlitz des damals ſchon zweiundvierzigiährigen Luthers erſcheine etwas zu jung und dagegen das Geſicht der erſt ſechsundzwanzigjährigen Catharina, deren übrige Geſtalt keinen Mangel der runden Fülle zeigt, ein wenig zu alt und zu mager: allein man ſehe nur ſchärfer und länger hin, ſo gewinnen beide Köpfe immer mehr richtigen Ausdruck und gefallen immer mehr. Dabei erwäge man, daß Luther, von geſunden Eltern ſtammend, auch im Kloſter eine keuſche und wohlgeſchonte Jugend bewahrt hatte und da⸗ her im zweiundvierzigſten Jahre nicht ſchon im überreifen, ſondern im noch reifenden, ja faſt noch blühenden und in jedem Sinne kräftigen Mannesalter ſtand, ſo daß in ſeinem Geſichte noch die Rundung des Fleiſches, frei von den Falten auf Stirn und Wangen und in den Mundwinkeln, zu finden war. Aber das Denken blickt aus ſeinen Augen und ſelbſt zwiſchen und über den Augenbraunen, und die Entſchloſſenheit will ſich in den kleinen aber ſcharfen Winkeln der geſchloſſenen Lippen verbergen; und wie die Wahrheit glänzt auf der freien Stirn, ſo tritt die Kraſt hervor aus der ganzen Haltung des Hauptes und im ganzen Ausdruck des Geſichtes, von dem kurzen, krauſen Stirnhaar an bis hinab auf das gerade bei ihm ſehr bedeutſame Kinn. Dagegen vergeſſe man bei Catharina nicht,

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daß ſie nicht etwa in einer präparirten thea⸗ traliſchen Stellung voll gemachter Kindlich⸗ keit und frecher Unbefangenheit dort knieet: ſondern in der wirklichen Demuth der frommen Chriſtin, in der Schüchternheit und Unbe⸗ fangenheit einer Jungfrau, ja in der Aengſtlich⸗ keit einer irdiſchen Braut, welche früher nur die Braut des Himmels war und vielleicht gar noh einige Zweifel in ihrem Herzen hat, ob ſie auch ganz Gott wohlgefällig handle, und welche wenigſtens als frühere Nonne nicht die Gewandtheit einer Weltdame unſerer Zeit gelernt hatte, bei der Alles Parademachen iſt. Wenn man das Alles erwägt, ſo wird man dem Künſtler Beifall geben, daß er die knieende Braut als künftige demüthige Gattin Luthers und nicht als eine durch allerlei Ver⸗ gnügungemittel aufgeſtutzte Theaterbraut ſich ausgedacht und in jener Künſtlertreue, welche die Effectmacherei verſchmäht, auch zur Dar⸗ ſtellung gebracht hat. Das ganze Bild ge⸗ fällt immer mehr, wie jedes tüchtige Meiſter⸗ werk, je mehr man es betrachtet. Aus einer Mittheilung der Hoffmann'ſchen Buchhandtung erfährt der Unterzeichnete, daß das beſprochene Bild ſchon das fünfte in dem durch Herrn Schwerdgeburth herausgegebenen Luther⸗Cyklus iſt. Da jedoch die früher erſchienenen vier Bilder ihm nicht vorgelegt ſind, ſo kann er freilich nicht weiter darüber urtheilen, als daß die ganze Unternehmung ihm eben ſo zeitgemäß als vaterländiſch erſcheint, zumal da auch der Unterzeichnete nimmer daran ge⸗ zweifelt hat und jetzt bei einigen Erſcheinungen der neueſten Zeit noch weniger daran zweifelt, daß der alte, oft verſpottete Gleim doch recht hatte, als er in die Welt rief:

Dumm machen laſſen wir uns nicht: Wir wiſſen, daß wir's werden ſollen.

F. Helms, Dr.