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wißheit meines Schickſals zu erlangen, da mir dies beſtändige Schwanken zwiſchen Furcht und Hoffnung, beſonders ſeit dem geſtrigen Tage, ganz unerträglich geworden war.
Nach Verlauf von einer kleinen halben Stunde ſaßen wir zuſammen in dem leidlich vor Kälte ſchützenden Wagen, und was darin zwiſchen uns verhandelt wurde, können meine geneigten Leſer am beſten daraus ſchließen, wenn ich ihnen ſage, daß am Schluß der kurzen Fahrt ich einen Kuß auf Annas ſchönen Mund drücken durfte, ohne dafür, wie das erſte Mal, mit einer Ohrfeige biſtraft zu werden: und einige Tage ſpäter, am Syl⸗
veſterabend, waren in S⸗.. zwei glückliche
Familien bei einem freundſchaſtlichen Abend⸗
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brod verſammelt, und während die Glocke den Schluß des alten und Beginn des neuen Jahres verkündete, wurde ein Glas Punſch auf das Wohl des neuen Brautpaares geleert.
Vierzehn Jahre ſind nun ſeit unſerer erſten Begegnung verſtrichen, neun aber ſind es, ſeit ich mit meiner theuren Anna durch Prieſtershand verbunden bin, in welchem Zeitraum wohl ſchon gar mancher Kuß ge⸗ geben und empfangen iſt allein die Ohrfeigen ſind dagegen gänzlich aus der Mode ge⸗ kommen; nur in unſerer Erinnerung lebt die eine verhängnißvolle fort und hat ſchon manchen Anlaß zu Lachen und Scherz gegeben.
Zur Beurtheilung eines Kunſtwerkes.
Dr. Martin Luthers Permählung am 13. Juni 1525 zu Wittenberg.
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on der Redaction der Jahreszeiten iſt dem Unterzeichneten ein Stahlſtich von L. A. Schwerdgeburth in Weimar zur Brſprechung mitgetheilt, und er übernimmt mit Vergnügen dieſen Auſtrag, um ſeine Landsleute auf ein werthvolles Kunſtwerk aufmerkſam zu machen, das gerade in unſern Tagen in doppelter Hinſicht eine beſondere
Beachtung verdient. Denn da es einen ächt vaterländiſchen Gegenſtand behandelt, ſo tritt es dadurch der Bewunderung und Nachäffung des Ausländiſchen entgegen, und da es in kunſtvoller Anſchaulichkeit uns das vor Augen bringt, was allen Evangeliſch⸗Lutheriſchen, ja allen Deutſchen, welche Pfafferei verabſchenen,
ewig hoch und theuer ſein muß, ſo ſpricht dieſer Stahlſtich um ſo mehr alle Die an, welche niemals vergeſſen, daß Luther,„dieſer Mann Gottes“, das Göttliche im Chriſtenthum auch darin wieder an's Licht bervorgezogen hat, daß er das rein Menſchliche wieder in ſeine Rechte einſetzte und durch ſein eignes Vorbild ihm die Weihe gab; denn, was viel⸗ leicht Wenige wiſſen, Luther entſchloß ſich zu ſeiner Vermählung ſicher nicht„aus Fleiſches Luſt“, wie die Feinde unſerer Kirche eben ſo abgeſchmackt als unaufhörlich gelogen haben (er war ja damals ſchon zwei und vierzig Jahre alt), ſondern gedrängt, faſt genöthigt
durch ſeine Freunde, wie Melanchthon, Juſtus


