1627
Theater und Muſik.
Hamburg. Vereinigte Thenter. Mit vieler Befriedigung ſehen wir auf die empfangeuen Kunſtgenüſſe der letzten Woche zurück, denn ſie bot uns des Guten mancherlei und mehr, als uns zu nehmen geſtattet war. Die Oper brachte in neuer Beſetzung Mozart's ewig friſche und junge„Zauberflöte“ zwei Mal, am Sonntage und Donnerstage, und wir hörten ſie beide Male. Beziehungsweiſe iſt die jetzige Darſtellung eine tüchtige zu nennen; ſo ausgezeichnet, wie wir ſie vor einigen Jahren hier hörten, iſt ſie freilich nicht. Um vollkommen erſcheinen zu können, fordert dieſe Oper nicht nur virtuoſe Männer⸗ und Frauen⸗ ſtimmen, ſondern von den letzteren allein neun tüchtige Sängerinnen, die ihre gehörige Schule haben, um Mozart'ſchen Forderungen entſprechen zu können. Die jetzige Beſetzung iſt nur in den Hauptpartieen wacker, die kleineren Partieen laſſen noch viel zu wünſchen übrig. Sehr lobenswerth muß Herr Weixelstorfer als Tamino genannt werden, der mit ſeiner trefflichen Stimme und durch innigen, ſeelenvollen Vortrag für dieſe Partie wie geſchaffen ſcheint; doch nicht der Ge⸗ ſang allein, auch das Spiel verleiht ſeiner Dar⸗ ſtellung Werth. Tamino wie Don Oetavio pflegen in der Regel durch mangelhaftes Spiel ziemlich albern dazuſtehen; ein ſo guter Tamino indeß erweckt in uns den Wunſch, Herr W. recht bald einmal auch als Oetavio zu ſehen. Herrn Linde⸗ mann als Saraſtro hätten wir für dieſen Part nur noch einige tiefe Töne mehr zu wünſchen, da ſie gerade eben ausreichten. Doch iſi dies nicht ſeine Schuld. Sein Verdienſt aber iſt der wahr⸗ haft künſtleriſche Vortrag, die Sicherheit und edle, würdevolle Haltung, die ſeine Darſtellung zu einer vortrefflichen ſtempelten; ſelbſt den Dia⸗ log brachte er ſo gediegen, kraft⸗ und weihevoll zur Geltung, wie ſelten ein Sänger pflegt; von ihm zuerſt hörten wir, was Saraſtro eigentlich ſagen will. Die Arien:„O Iſis“, ſowie„In dielen heiligen Hallen“ wurden verdientermaßen durch den unzweideutigſten Beifall, Hervorruf, letztere ſogar durch ein da capo geehrt. Herr Schüttky ſingt den Papageno mit gewohnter Tüchtigkeit; im Spiel könnte er noch beweglicher, ſo zu ſagen, rühriger ſein und der eignen Im⸗ proviſation, die ſolche Rollen geſtatten, mehr Spielraum geben, um die Perſönlichkeit in dem Character völlig aufgehn und verſchwinden zu laſſen. Sonderbar klingt es übrigens, was indeß Herr Schikanedro zu verantworten hat, wenn ein ſolcher Naturmenſch, der nicht weiß, ob noch mehr und andere Menſchen, Berge, Thäler und Länder ka das Wort Speculation im Munde führt.—
rau Maximilien ſingt die Pamina ſehr ſchön, ſanft, kindlich; ihre ſchöne Stimme dringt zu Herzen, und ſie hält ſich treu in des Meiſters einfacher Weiſe. Frau Marlow findet ſich mit der Königin der Nacht nach beſten Kräften ab. Daß dieſe Partie aber über ihre Kräfte geht, bemerkten wir bereits bei Gelegenheit des Con⸗ certes; darin aber kann weder Tadel noch Vor⸗ wurf für die geſchätzte Sängerin liegen, da zur
Zeit ſowohl als von jeher die wenigſten Sänge⸗ rinnen dieſe Partie ſo zu ſingen im Stande waren, wie Mozart ſie ſchrieb und intendirte⸗ Nächſt der Lange ſelbſt war früher die Becker
Epoche machend; jetzt mögen nur die Lind und
die Zerr noch ſein, welche in vorgeſchriebener Weiſe, ohne zu tranſportiren, ſie zu Gehör bringen. Es iſt nicht allein die verzwickte Bra⸗
vour in ſolcher Höhe, ſondern es ſind die ge⸗
haltenen Töne vor Allem, welche Mozarts Arien überhaupt und dieſe beſonders ſo ſchwierig machen, und daran fehlt es Frau M., ihre Töne tremuliren mehr oder minder. Im Ganzengelang die erſte Arie beſſer als die zweite; der Optimismus indeß ſah den Himmel offen, erklärte beide für meiſterhaft, und wir wollen unter dieſen Umſtänden nichts dagegen haben. Die kleineren Partieen, wohin wir die drei Damen, die drei Genien und die Papagena, ſowie den erſten Sprecher rechnen, werden noch mehr Sorgfalt auf Ausbildung und Präciſion zu verwenden haben, was auch ſchon bei der zweiten Aufführung merklich beſſer ward. Als ganz vorzüglich aber müſſen wir die Execution der Duverture, namentlich am Sonntage, hervor⸗ heben; es war eine reine Luſt, ſie in dieſem Tempo, in ſolcher Genauigkeit und mit ſolcher Begeiſterung ausgeführt zu hören. Intereſſant war es auch, an beiden Abenden, beſonders aber des Sonntags, nicht nur das ganze Haus ſehr gut beſetzt, ſondern befonders die Gallerie ſo ge⸗ füllt, am Sonntage Kopf an Kopf gedrängt, zu ſehen, und wahrzunehmen, in welchem hohen An⸗ ſehen Vater Mozart und ſein deutſches Werk
noch bei unſerm Volke ſteht.— Das Drama
brachte uns am Mittwochen zum erſten Male; „Die Genfer,“ dramatiſches Gedicht in 5 Acten von Max Ring. Wir müſſen bekennen, daß wir in neueſter Zeit gegen die Bezeichnung: dramati⸗ ſches Gedicht, welche Leſſing ſeinem„Nathan“ giebt, etwas mißtrauiſch geworden ſind, denn ſie mußte aushelfen, wo das Werk, ſo zu ſagen, weder Fiſch noch Fleiſch, weder reines Drama noch reines Gedicht war. Um ſo mehr waren wir überraſcht, hier beides vereint zu finden; ein ächt dramatrſches Gedicht, ein ächt dichteriſches Drama. Es iſt unſtreitig das Gediegenſte, Ge⸗ haltreichſte und Beſte unter den Productionen der neuen dramatiſchen Literatur. Wir begegnen dem Autornamen zum erſten Male(den Dector kann er gern auslaſſen, da ſein Werk ihn mehr als der Boctortitel ehrt)z doch ſinden wir zugleich, daß derſelbe ſchon mehrfach, auch im Gebiete des Luſtſpiels, ſich verſucht hat. Gleichen die übrigen Stücke an Werth dieſem dramatiſchen Gedicht, ſo hat die Bühnenwelt zu dieſer neuen Acquiſition ſich nur Glück zu wünſchen. Das Sujet behandelt den nicht einmal allgemein dankbaren Glaubensſtreit zwiſchen Calvin und Michael Servet, von der Ankunſt des letztern in Genf bis zu deſſen Hinrichtung durch den Feuer⸗ tod. In dieſen beiden Glaubenshelden concen⸗ trirt ſich das ganze dramatiſche Intereſſe, und alles Uebrige iſt mit ſolcher Einheit, Einfachheit, mit ſo viel hiſtoriſcher Treue und doch ſo großer dichteriſcher Kraft gruppirt, daß es, ein wohlge⸗ ſchloſſenes Ganzes, unſere Theilnahme in hohem Grade in Anſpruch nimmt. Beide Gegenſätze,
1628
Calvlt charar geſche Prine anerke Confli zeigt Pihne beluft einſof ie ſe Gane ſen G Fom der D der 2 Gigi R V dazivi damal wie d blichn Dichti ein B der Ve um da itt zi lern, Ankkt der 2 dem Den verpf der ſchön Fehr Rivo der mach Fan und Herr durc vins geor nicht ſo 8 ſelbe wiſ gun was


