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bärtige Mann ſchreibt über Alles, heute über den Sigmund Engländerſchen Hülfsverein, morgen über die Fleiſchtaxe, übermorgen über die Schles⸗ wig⸗Holſteiner und demnächſt über die Conferenzen in Ollmütz; Alles iſt aber derſelbe Stiefel auf einem hinkenden Fuße, und das ſoll ein Volks⸗ blatt ſein! Das Volk her! ein Königreich oder den Klumpfuß des Hans⸗Jörgel für das Volk, das aus einem ſolchen Blatte belehrt werden ſoll. Da lob' ich mir den Volksboten von Schrittwiſſer, das iſt ein ſchlichter Kumpan, der ſeinen geraden Weg forttrottet, viel Neues und Gutes bringt, verſtändlich geſchrieben und vielleicht nur manch⸗ mal zu demüthig iſt; aber das iſt ſchon Boten⸗ Natur, er hat für Jeden ſeinen Gruß, ſeinen Händedruck, wenn er ſich auch oft dabei denkt: daß Dich z und dann die politiſche Rundſchau von L. R., das iſt auch mehr eine Krummſchau, deren Horizont nicht über die Grünangergaſſe, wo die kleine Börſe ſteckt, hinausgeht. Die Theaterzeitung und der Humoriſt vertreten die ſchöngeiſtige Richtung unſerer Reſidenz, es ſind beide die Dandys in der Journaliſtik. Nun noch die Theater⸗Zeitung, die eine Maſſe von Notizen enthält, wie kein anderes Blatt, manchmal auch nette Ueberſetzungen aus dem Franzöſiſchen und im Novellenfache das Beſte bringt; aber der Hu⸗ moriſt, da verliert der Leſer allen Humor und wird ſchamroth, wie der Wochenkrebs, den ſein Herausgeber allwöchentlich einmal ſteden läßt. Ja, Herr Saphhyr, dieſer Wochenkrebs iſt der ſchlagendſte Beleg, daß auch der Witz von Euer Gnaden rückwärts geht, und daß, wenn der Gaul alt und lendenlahm geworden, alles Ho! Hiſtoho! des Kutſchers nicht helfen will. Die„Wiener Blätter“ redigirt nominell Herr Letteris, der eigentliche Redacteur derſelben iſt aber Adolph Neuſtadt, der ehedem in Ungarn eine Zeitung herausgab, ſpäter eine Wochenſchrift in Prag begründete, die ſich durch kecken Angriff der öſter⸗ reichiſchen Staatsmänner hervorthat, als wenn der nächſte beſte hergelaufene Burſche berufen wäre, jene Männer zulbeurtheilen, deren Erläſſe er gar nicht begreift, viel weniger würdigen kann. Dieſe Literaten, beſſer Ratten, glauben, wenn ihnen par hazard mal ein Witz gelungen, in Alles mitreden zu dürfen. So ein Junge, der oft nicht mehr als die Quarte oder Quinte gehört, iſt ein geborner Staatsmannz da hat er ein Paar Phraſen aus einem demokratiſchen AB C⸗Buch auswendig gelernt, und flugs iſt der Diplomat, der Juriſt, der Politiker fertig. O ihr armen Sünder an der Geduld des Publikums, nehmt ein Kochbuch zur Hand und werdet Garköche, da iſt es doch möglich, daß ihr eine Speiſe zube⸗ reiten lernt, aber auf etwas Ernſteres laßt euch nicht ein. Bringt mich beſagter Herr Adolph Neuſtadt unwillkührlich zu dieſer Apoſtrophe auf unſere Literaten und Ratten, ſo will ich doch gerecht ſein und bekennen, daß ſein den jüdiſchen Intereſſen gewidmetes Blatt gut redigirt iſt und zur Orientirung in dieſer wichtigen Frage, die unbedachtſam iſt gelöſ't worden, weſentlich bei⸗ trägt. Aus jenen Provinzen der Monarchie, in denen Juden anſäſſig ſind, bringt es gut und klar geſchriebene Correſpondenzen, verficht geſchickt den lange genug geächteten Stamm, der aber
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eher befreit worden, als er ſich ſelbſt zu befreien wußte. Nun aber der„Zuſchauer“, den Vater Ebersberg redigirt und worin ſein Herr Sohn aus Troppau die glorreichen Artikel, die an den engliſchen Spectator mahnen, einſendet. O, das iſt ein ganz abſonderlicher Kauz! ein publiziſtiſches Ungethuͤm, Haupt: Bulldogg, der auf Hornvieh losgeht, Mitte: Dromedar, Ende: Bandwurm; ein Reaktionär ganz eigener Sorte. Glauben Sie nicht, daß ich verleumde; hier ſoll ein Pröbchen folgen, wie dieſer Mann des rothen Adlerordens ſchreibt. Es iſt Ihnen wohl bekannt, daß auf Herrn Ebersbergs Denunziation Saphyrs humoriſtiſcher Volkskalender iſt mit Beſchlag be⸗ legt worden. Mit Triumph zeigt Herr Ebersberg dieſes Faktum in ſeinem Blatte an. Gleich un⸗ mittelbar nach dieſem belagerungszuſtändlichen Erlaſſe läßt er unter der Rubrik:„Fragen und Antworten“, worin Herr Ebersberg die Blaſen ſeines Witzes ſammelt, nachſtehende folgen:„Was iſt der Adel? Er iſt der Vermittler zwiſchen Fürſt und Volk, ungefähr ſo, wie der Hund zwiſchen dem Jäger und dem Haſen.“ Das ſteht wörtlich im conſervativen Blatte des Herrn Ebersberg. Ich bin nicht berufen, über die Wahrheit oder Unwahrheit dieſer Gloſſe mich in eine Erörterung einzulaſſen; aber wie man auf Fürſt, Volk und Adel aus ſeinem ultramontanen, conſervativen Standpunkte einen ſolchen empö⸗ renden Inhalt hinſchleudern, wie man ſo etwas ungeſtraft dulden kann, iſt unerklärlich. Hätten „Wanderer“ oder„Oſtdeutſche“ etwa ſolches vor⸗ gebracht, was wäre mit beiden Blättern geſchehen, ſeit der rothe Adler-Orden wirklich gegen jeden Ael böswilligen Unverſtandes? Ich könnte Ihnen
noch mehre ergötzliche Stückchen dieſes ſeribelnden
Klopffechters für Unſinn und Reaktion mittheilen, aber ich unterlaſſe es, weil ich intereſſantere Dinge zu berichten habe. Dies wird genügen, um über eine Perſönlichkeit in's Klare zu kommen, die à tout prix einen Parteigänger ſpielen will, aber weder das Herz hat, redlich vorzugehen, noch die Fähigkeit, ſeine Taktloſigkeit zu verbergen. Solch unſauberes Gewebe wird uns unter dem falſchen Stempel des reinſten Patriotismus offe⸗ rirt; es iſt gut, daß dieſe Großſprecher des Pa⸗ triotismus dann und wann die Maske lüſten, man weiß doch, wie es mit der Vaterlandsliebe ſolcher rothen Reaktionäre ſieht.
Doch ich will mich von ſolchen Unlauterkeiten, welche die Albernheit geboren und der Wahnwitz großgeſäugt hat, nicht weiter anfechten laſſen; darum zu andern Dingen. Das Theatergeſet iſt erſchienen. Ein gutes, durch die Antecedentien der letzten Zeit mehr als zu Genüge begründetes Geſetz. Es wird durch daſſelbe den Mißgeburten, die im Genre des Volksſtücks von den Herren Elmar, Kaiſer, Hafner und Conſorten zu Tage gefördert wurden, vorgebeugt und die wahre Muſe wird ſich durch dieſes Geſetz nicht beirrt finden⸗ Die Oppoſition ſchlug wohl einigen Lärm, nun, das mußte ſie, aber ſie brachte Einwendungen vor, die ſie ſchlecht begründete, natürlich, denn gut begründen ließen ſie ſich doch nicht.——
Unſere Kalender⸗Literatur wächſt mit jedem Jahre.
Die reaktionäre Auſtria ſährt ſort, uns mit Anti⸗ guitäten zu füttern. Die Jurende iſt matt und
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