Jahrgang 
2 (1850)
Seite
915-916
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Buch Judith und zum Schwerte greifen. Lambertine. Wer hat dir meine Ge⸗ danken verrathen?

ſchlagen. Ich ſeh' in deine Seele hinein, Magdalenu ſieh' mich an und zucke nicht, wenn ich den Namen Manon Roland nennk. Ei, ei ich hab' genug geſehn die ſchönen Augenbraunen zogen ſich zuſammen wie Wettergewölk, und d'runten blitzt es ge⸗

waltig. Du haſſeſt Manon Roland! Lambertine. Du weißt es? 13

*

Camille. Nun, nun dazu braucht's keiner Sehergabe. Man braucht nicht Camille Desmoulins zu ſein, der Held des palais- royal, der Vater dieſer Revolution nm das zu wiſſen. wie der Marſeiller Held als ſchönſte Statue

wohnt; wie ſelbſt der ſelige Plato mit all ſeine Schülerin in Barbaroux's Armen ruht.

Lambertine. Halt' ein, halt' ein! Camille. Man braucht nicht zu wiſſen,

trommelt.

Camille. Sie waren bei der Rache? Lambertine. Sie ſind bei der Rache! Camille. Wohll Ihre Stunde hat ge⸗

Man braucht nicht zu ſehn,

den Salon der Miniſterin ſchmückt, als der jüngſte Heidengott in ihrer heidniſchen Seele

ſeiner vergötterten Weisheit dumm wird, wenn

daß dieſer Barbarvux einſt Lippen geküßt, trunkene, wilde Lippen, die jetzt faſten, wie geſchloſſene Blüthenkelche; daß er den Mar⸗ ſeiller Marſch auf dem ſchönſten Nacken ge⸗ Man braucht blos zu ſehn, wie der Ehrendegen der Theroigne von Mericourt 1 trauernd an der Wand hängt und die Stür⸗ merin der Baſtille, die Rednerin der Cor⸗

deliers, die Prophetin der Revolution, wie eine Sünderin Buße thut. 1 Lambertine. Genug, genug und weshalb haſſeſt du Manon Roland? Camille. Weil ich Frankreich liebe,

weil ich ein guter Patriot bin und Freund Robespierres; weil mir die Weiber zuwider ſind, welche mit ſtoiſcher Tugend prahlen, und noch mehr die, welche Staaten regieren wollen. Dieſe Roland trägt ihre Philoſophie, wie einen Gürtel, um den Leib, und möchte aus

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ganz Frankreich ein Tugendkloſter machen, wo ſie die Aebtiſſin iſt. Mit ihren parfümirten Phraſen durchräuchert ſie das Miniſterium, und ihr Mann ſoll Frankreich friſiren nach Rouſſeau und ihm einen platoniſchen Scheitel machen. Pfui über dieſe politiſche Putz⸗ macherin, welche die Republik wie ihren Haubenſtock behandelt!

Lambertine. Die Geſchicke der Welt

ſind an mir vorbeigegangen wie in dumpfer Ferne. Seit das Königthum am zehnten Auguſt zuſammenbrach, hört' ich nur den Leichenkarren, der Ludwig Capet zum Tode trug. Was macht Frankreich? Was macht die Republik?

Camille. Sie lebt zum Schrecken derer, die ſie einſt geprieſen. Ihre Heere ſind ſiegreich nach außen, doch im Herzen wohnt der Verrath. Gerade dieſe Roland iſt die Seele einer Partei, die jetzt gern den⸗ rollenden Rad in die Speichen ſiele. All dieſe ſchönen Talente der Gironde ſitzen bei ihr. Das ſind die Ariſtokraten des Geiſtes, die gefährlichſten Feinde der Freiheit. Sie präpariren ſich Tag für Tag auf die unſterblichkeit, ſie ſprechen und ganz Frankreich ſoll zuhören, und die Revolution iſt nur gemacht, damit ſie ſprechen können, urd das Volk iſt nur frei, um ſie zu be⸗ wundern, Sie machen auf's Feinſte ihre geiſtige Toilette und Manon Roland hält ihnen den Spiegel vor. Dabei ſcheuen ſie das Blut; ſie haben gegen die September⸗ tage proteſtirt, ſie wollten die Hinrichtung des Königs aufſchieben, ſie wollen die Revolution ſchwach machen, bis ſie gezähmt zu den Füßen der Miniſterin liegt; ſie ſchmähen auf Danton und Robespierre, auf uns, die wir's ehrlich meinen mit der Freiheit und ſie nicht ver⸗ kaufen wollen an die ſchönen Redner des Convents und die ſchönen Damen der Salons. Und weil ſie ſehen, daß hier in der Haupt⸗ ſtadt hinter uns die Maſſe des Volks ſteht

in wilder Begeiſterung; da verſchwören ſie ſich mit den Provinzen und wollen Frankreich zerreißen durch Bürgerkrieg. In tauſend⸗

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