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Farbenſchmelz, das Kolorit hinreißt,— ſoll uns bei Hübner etwa der geſchnitzelte Genius mit der Mohnblume einlullen? Ach nein, Herr Akademiedirector, ich habe viel Beſſeres von Ihnen geſehn, und es war nicht hübſch, daß ſie dem Vereine, der ein Bild von einem gefeierten vaterländiſchen Künſtler haben wollte, für ſeine 1000 Thaler dieſen Genius und dieſe mißgebornen Kinder ſchickten, über deren Beine ſie gewiß jedem ihrer Schüler geraten hätten eine recht gründliche Huflattig⸗ blätterſtudie zu decken!
Mit der Meuterei von Ebers jun. hat es einen andern Haken. Das iſt ein forcirtes Bild. Alles Einzelne recht brav gemalt, aber das Ganze doch ohne Kunſtwert. Der Fehler liegt in mangelnder Selbſtkritik, die zum Vergreifen des Gegenſtandes führte. Wir haben ſaubere Sachen von Ebers geſehn, aber
man muß Byron mit dem Pinſel ſein, um dieſen Stoff urkräftig darſtellen zu können. Ja, das iſt's, ein Byron mit dem YPinſel, dann wäre auch das obligate Zackenloch in dem fraglichen Brette weggeblieben, das nur da zu ſein ſcheint um die Peripherie der Dame zu zeigen. Auch die Stellungen der Perſonen ſind forcirt. Dieſe Meuterei auf einer Kriegsbrigg ſieht aus als wäre ſie ein ein⸗ ſtudirter Theatercoup; die Schauſpieler aber ſind Couliſſenreißer, die das Rechte nicht finden können, weil die Affekte gemacht ſind. Die Wahl des Gegenſtandes bekundet den Künſtler ebenſo wie die Ausführung. Ausartungen à la Ribeira und Brenghel ſind eben Ausartungen, die nur durch die größte Genialität erträglich werden. Ebers ſtrebt zu ehrlich und brav, als daß er nicht dieſen Weg verlaſſen ſollte. Dann malt er uns ein anderes Vereinsbild für die Gallerie. Dieſe Bilder hängen neben vielen anderen, zum Theil recht tüchtigen, worunter die lieb⸗
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lichen Elfen von Steinbrück, im Karſch'ſchen
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Muſeum. Kupferſtiche von Wert, Radirungen, Lithographien, Aquarellen und kleine plaſtiſche Arbeiten füllen Wände und Schränke; keine Stadt, die ohne öffentliche Gallerie iſt, hat ein ähnliches Inſtitut in dieſer Ausdehnung aufzuweiſen.
Aber— und das iſt der Spuk dabei— das Publikum unterſtützt dies gemeinnätzige, vielkoſtende Muſeum ſo ſchlecht, daß der Be⸗ ſitzer voriges Jahr genötigt war 36 Oel⸗ gemälde von bedeutendem Werte durch eine Verloſung fort zu ſchaffen, um ſein Kapital flüſſig zu machen.
Ich war allein, ſtundenlang allein in den geräumigen Zimmern, und auch wenn ich wiederkam, blieb ich allein.
Das Publikum ſtudirt Bier in den Kellern, dort bekommt man kaum einen Sitzplatz, im Muſeum aber, wo des Schönen und Guten ſo viel geboten iſt, ſteht der Cuſtode gähnend da und fängt aus langer Weile Fliegen.
Das iſt ſchleſiſcher Kunſtſinn! Und es müßte ſchlimm ſein, wenn der Verein nicht regeres Intereſſe in die Leute bringen könnte. Mit dem bloßen Aktienverkaufen iſt's nicht gethan. Man kauft ſie Honoris causa und läßt ſich's dann gefallen, wenn man ein Genrebild oder Stillleben; zum Aufhängen ins Entree tauglich, gewinnt.... Es läßt ſich ändern. Hier iſt indeß nicht der Ort, das Wie weiter auszuführen.
Herr Karſch hat die Lüderitzſche Sor⸗ timentskunſthandlung in Berlin erworben, das iſt ein Gewinn für Berlin und Breslau. Es iſt ſeiner Thätigkeit gelungen ihn zu halten, ſie wird nun, da neue Kräfte an⸗ geſtrengt werden und eine Reſormdes ſchleſiſchen Kunſtvereins nicht auf ſich warten laſſen kann, auch wirken können. Und der Wirkungs⸗ kreis iſt ein ſchöner, denn noch iſt in Schleſien Alles zu thun.
(Fortſetzung folgt.)
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