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Angegriffenen nur modifizirt aber nicht ent⸗ kräftet werden. Indeß iſt von den Tadlern eins überſehn worden, das nicht ohne Wert iſt. Der Vorſtand beſteht aus mehreren alten Herren, denen ganz unzweifelhaft der Ruhm bleibt den Verein ins Leben gerufen zu haben, und wenn wir ſie auch nicht für unantaſtbare Urteiler halten mögen und ihnen oft zu opponiren Gelegenheit haben, dürfen wir doch nie vergeſſen, daß es ihre Schöpfung iſt, auf der wir fortbauen können und wollen. Schleſien iſt den Herren Ebers und Heinke für ihre Bemühungen tief ver⸗ pflichtet. Wenn der ſchleſiſche Kunſtverein einmal wirklich wirkt— denn er thut jetzt in der That verzweifelt wenig Rechtes— ſo iſt es nur durch ſie möglich geworden. Den Veteranen zur Seite ſteht ein Kunſtliebhaber, ein milchiger Aeſthetiker und endlich der rühmlichſt bekannte Porträtmaler Reſch, deſſen Name auch außerhalb Preußens mit hoher Achtung genannt wird. Ein Porträt von Reſch iſt eine wahre Zauberei, aber eine liebenswürdige, man findet ſo geiſtreiche, trotz der ſprechendſten Aehnlichkeit idealiſirte Köpfe in neuerer Zeit nur ſelten. Bei der größten Leichtigkeit und der genialſten Pinſelführung ſcheint doch jedes Geſicht fleißig wie eine Studie behandelt zu ſein, keine„pſeudogenialen“ Klexe und wieder keine ängſtliche Honigpinſelei, keine oberflächliche Glaſur, Alles kernhaft und naturwüchſig. Reſch iſt ein Maler.— Karſch iſt Schatzmeiſter des Vereins und unzweifel⸗ haft ſind die beſten Bilder, die der Verein erworben durch ſeine Hand gegangen. Er hieß alſo vorhin nicht bloß der Kaſſe wegen der Nerv. Sein Fleiß, ſeine Emſigkeit, ſein rühriges Betreiben der Geſchäfte, die Umſicht mit der er im Stillen das ganze Getriebe leitet, Aktien verbreitet, den Verein unter⸗ ſtützt, ohne Anſprüche zu machen, Alldas muß man wiſſen, um meine Neigung für den kurzen Mann, der ganz wie ein echter bour- geois ausſieht, zu verſtehn.— Und doch iſt immer großes Geſchrei, wenn darauf ge⸗ drungen wird, daß zu den Verloſungen dies
oder jenes Bild, das in Karſch' Beſitze iſt, angekauft werden ſoll.— Dann heißt's immer: der Verein muß ſchleſiſche Künſtler unterſtützen!— Unſinn! Unterſtützt die Kunſt indem ihr gute Bilder kauft, ſie kommen wo⸗ her ſie wollen. Man leiſtet der Kunſt wahr⸗ haftig ſchlechte Dienſte, wenn man provinziellen und andern Nepotismus walten läßt und ſehr mittelmäßiges Zeug oder gar gepinſelten Unfug kauft, weil es ſchleſiſch iſt. Wählt von zwei gleich guten Bildern das ſchleſiſche, aber gibt es kein gutes aus der Provinz, ſo nehmt nur das Gute anders woher.
Ein einziges reizendes Bild beſitzt der Verein, ein Bild das wirklich über alle Be⸗ ſchreibung ſchön iſt: eine Morgenlandſchaft von Leſſing. Man kennt die Leſſingſchen Landſchaften. Da iſt Alles individualiſirt, jedem Dinge ein Charakter aufgeprägt, das Bild redet und ſingt, es iſt Pathos und Naivetät darin, eine Landſchaft von Leſſing iſt eine ganze Geſchichte, eine ganze Welt. Und hier iſt ſie eingehüllt in einen weichen, thauigen Schleier, durch den die edle präg⸗ nante Phyſiognomie ſieht... Es liegt ein Gedanke in Allem was Leſſing malt und der Gedanke hat etwas Dämoniſches. Darum feſſeln auch ſeine Landſchaften, wie kaum hiſtoriſche Gemälde Anderer, darum ſpinnt ſich von ihnen aus ein magiſches Netz um den Beſchauer, die Bäume ſcheinen beſeelt, unter den Wellen ſpielen Geiſter und hinter den Wolken lauſchen oſſianiſche Geſtalten, durch das Ganze aber ſchreitet ſichtbar und vernehmlich der Urgeiſt.
Gleiches läßt ſich leider nicht von zwei andern Gemälden, die ebenfalls der Stamm⸗ gallerie angehören, melden. J. Hübner in Dresden ſchickte eine Felicitas nach Tiek's Kaiſer Oktavian, bei der er wahrſcheinlich gedacht: man ſieht Titian ja ſeine mangel⸗ hafte Anatomie nach, warum nicht mir. Die armen beiden Kinder müßten ihrer Schenkel wegen ſofort in ein orthopädiſches Inſtitut geſchickt werden. Man vergißt bei den Venezianern oft die Zeichnung, weil uns der


