gräflichen Matrone, als die Schloßuhr eben ihre elf Schläge eintönig hatte erſchallen laſſen. Eduard folgte ſeinem Beiſpiele, indem er Fräulein Helene den Arm bot, und Alle eilten hin um ihre Schönen in den glänzend decorirten Eßſaal zu führen, deſſen Flügelthüren eben geöffnet wurden und die Ausſicht auf eine wahrhaft lurulliſche Tafel gewährten, als ein Diener ſchreckensbleich hineinſtürzte.
„Feuer! Herr Graf,“ ſchrie er athemlos, „die Fabrik ſteht in hellen Flammen!“ und Alle eilten hinab, der Beſitzer vorauf. Als ſie ins Freie traten, ſahen ſie einen Gluthſchein, der das Dunkel der Nacht gräßlich erhellte. Die Fabriken, welche kaum achtzig Schritt vvm Schloſſe entfernt lagen, lohten hell empor und eine klafterdicke Rauchſäule, die aus dem Hauptgebäude emporſtieg, wurde vom Sturme, der die Flammen glücklicherweiſe der entgegen⸗ geſetzten Seite, als der, wo das Schloß ſelbſt lag, zuwehte, in ſchwarzen Ballen nach Südoſt gewirbelt. Der ſchmelzende Schnee, der auf den Dächern lag, nährte das umſichgreifende Feuer noch mehr und wenn er daſſelbe für den Augenblick zu erſticken ſchien, brach es doch nach wenigen Minuten mit zehnfacher Wuth wieder hervor.
Die Fabrik mußte ſchon ſeit wenigſtens einer halben Stunde gebrannt haben; jedoch einerſeits der Haß, welchen Alle gegen den Grafen nährten, andererſeits die trotzigen Ge⸗ berden der Proletarier, welche mit ſchadenfrohen Blicken ihr Werk umſtanden und Jeden, der einen Verſuch gewagt hätte, am Löſchen ver⸗ hindert haben würden, bewirkten, daß der Brand eine Weile um ſich griff, ehe die Leute des Grafen, die überdieß mit den Zubereitungen zur Abendtafel vollauf beſchäftigt waren, ihn bemerkten und als ſie ihn endlich gewahr wurden, wäre ſchon jeder Rettungsverſuch unnütz ge⸗ weſen.
„Spritzen! Holt Spritzen!“ ſchrie der Graf laut, während vor Wuth und Entſetzen ſeine Wangen ſich entfärbten. Sogleich wollten einige Diener nach Heilbronn eilen, um die Feuer⸗ ſpritzen des Städtchens herauszuſchaffen, als
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die Pforten des Schloſſes aufgingen und ein ſeltſamer Anblick ſich dem Grafen und ſeinen Gäſten, die allmählig alle herunter gekommen waren, darbot. Vier zerlumpte Männer trugen eine Bahre von Reiſig, über die ein weißes Laken gebreitet war, dann folgte Paul mit über hundert trotzigen Männern aus der niedrigſten Volksklaſſe, deren großentheils ausgehungerte und hagere Geſtalten ſpärlich mit einigen Lumpen bedeckt waren und die mit den ſeltſamſten Waffen, die der Augen⸗ blick an die Hand gegeben hatte, ausgerüſtet erſchienen.
Einen Augenblick ſtanden Alle wie vor Schrecken verſteinert, als der Schwarm ſich durch die geöffneten Thore hineindrängte und einen Halbkreis um die Geſellſchaft bildete, während die Bahre in der Mitte zwiſchen beiden Partheien Platz fand und Paul ſich an dieſelbe lehnte, herausfordernde Blicke auf den Grafen werfend. Es war ein ſeltſamer Anblick: dieſe Kinder der Armuth zuſammen⸗ geſchaart neben den diamantenblitzenden bunt⸗ geputzten Herren und Damen, indeß die praſſelnden Flammen die Gruppe und das hohe Schloß, das der Feſtgeſellſchaft den Rücken deckte, beleuchteten. Hier die bevorzugten Schooßkinder des Glückes vor ihrem herrlichen Palaſte— dort die Kinder des Elends auf dem eiskalten beſchneiten Steinpflaſter des Hofes an der blutigen Todtenbahre Eines aus ihrer Mitte!
„Judas! ſiehe, das iſt Dein Werk!“ ſchrie Paul mit gellender Stimme, indem er das Tuch von der Bahre fortriß und den Blicken der laut Aufſchreienden den blutenden May zeigte, der mit mattem Röcheln den ſchwachen Lebensfunken kundgab, der noch in ſeinen Adern glomm.*
„Nieder mit dem Tyrannen! Nieder mit unſern Peinigern!“ ſchrie der erbitterte Haufe, der durch ſeine eigene That ſich bis zu einer Wuth herangetollt hatte, die alle Grenzen überſchritt.
„Schweigt! Ich will mit ihm reden!“ don⸗ nerte Paul und nachdem das Getöſe ſich etwas
gelegt hatte, trat er hei der Gluth des Feuers
kur auc bis hier
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