Jahrgang 
2 (1850)
Seite
865-866
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inde.

Zuſtä

Lebensbild aus der Jetztzeit. =S

(Fortſetzung.)

o umzingelte ein Kreis von Männern, die mit Knitteln, Stühlen, Bierkannen und Leuchtern bewaffnet waren, die herrſchaftlichen Jäger.

Platz da! Oder wir ſchießen! ſchrie einer der Letzteren, indem er auf den ihm zunächſt Stehenden anlegte. Aber kaum ſetzte er das Gewehr an, als Paul abdrückte und der Jäger ſich röchelnd in ſeinem Blute wälzte.Blut um Blut! rief er, und

zeigte auf den noch immer ohnmächtigen Mar hin.Und Ihr Schurken! hier wandte

er ſich an die beiden Spießgeſellen des Er⸗

ſchlagenenergebt Euch gutwillig oder, ſo

wahr ich lebe, Ihr theilt das Geſchick dieſes

Wichtes!

Einen Augenblick ſtanden die Beiden unſchlüſſig und ſahen einander mit ſcheuen Blicken an, doch fanden ſie es für gerathener, diesmal nachzugeben, ſetzten ihre Büchſen ab und wollten ſich entfernen. Schon zertrennte ſich der Kreis, um ihnen Platz zu machen, als Paul vorſprang, die Thüre verrammelte und ſchrie:Halt! ſo leichten Kaufes kommt Ihr nicht davon! Bindet die Memmen! fuhr er fort, indem er einigen ſeiner Kameraden

winkte,und werft ſie in den Keller! Nun,

wird's bald? ſetzte er heftig hinzu, als mit der Ausführung ſeines Befehls gezögert wurde. Jetzt feſſelte man die beiden Jäger und führte ſie hinab.Verſchließt die Thüre gut! l ihnen vorſichtig nach.

Aber was nun? fragten ihn Mehre

zweifelnd, indem ſie furchtſam den todten

Mann betrachteten.Wirſt Du nun nicht Jahreszeiten II.(Nro. 28. Den 10. Juli.)

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vielleicht morgen gehenkt und ſteckt man uns nicht Alle ins Zuchthaus?Elende Zag⸗ haftigkeit! ſchnaubte Panl ſie an,ſeid Ihr denn ganz mit Wahnſinn geſchlagen? Sollen wir jetzt auf haldem Wege ſtehen bleiben und uns aufs Neue von dieſen Barbaren miß⸗ handeln laſſen? Auf, ermannt Euch, ergreift die erſte beſte Waffe, die Ihr findet und folgt mir!

Was willſt Du? Wohin führſt Du uns fragten mehre Stimmen.

Auf's Schloß! Wir wollen dieſen reichen und mächtigen Hallunken einen Tanz auf⸗ ſpielen, den ſie ſobald nicht vergeſſen! Sind denn alle Gaben der Natur nur für ſie be⸗ ſtimmt? ſoll Unſereins betteln gehen und zehren von den Brocken, die uns die vornehme Brut aus Mitleiden zuwirft? Zum erſten Mal wollen auch wir unſer Beſitzthum ver⸗ langen, das Ihr uns geſtohlen habt! Zittert in Euren Paläſten, Ihr Reichen, die Stunde iſt gekommen, wo Ihr Rechenſchaft ablegen ſollt für Euren Raub und Wehe Euch, wenn das Maaß Eurer Schuld voll erfunden wird! Auf, Kameraden! Was ſäumt Ihr? Ungeduldig ſtampfte er bei dieſen Worten auf den Boden, da Keiner Anſtalt machte, ihm zu folgen.

Seht dieſen blutenden Knaben! nahm er wieder das Wort, als ſein Bruder eben zum erſten Male wieder die Augen aufſchlug, morgen iſt er vielleicht eine Leiche und ſein Blut ſchreit um Rache zum Himmel! Woll Ihr denn Alle geſchunden ſein gleich Dieſem, bis auch Ihr unter den Ruthenſtreichen der

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