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und man kann nach Vollendung des Kanals mit ziemlicher Gewißheit auf eine jährliche Einnahme von 1,700,000 Pfund Sterling rechnen.
Eine franzöſiſche Madame Pertrand machte jüngſt zu Liſſabon eine Luftreiſe. Nach Verlauf einiger Stunden wollte dieſelbe in der Nähe eines Dorfes niederſteigen, allein die Bewohner deſſelben bereiteten ihr einen ſo übeln Empfang, daß nur ſchleuniges Wiederauſſteigen ſie vor gröb⸗ lichen Mißhandlungen ſchützen tonnte. Die un⸗ wiſſenden Landleute hielten die Aeronautin für eine Zauberin und waren feſt entſchloſſen, dieſelbe zu maſſacriren.
Lablache, aufgefordert von Halevy, einige Zeilen in ſein Stammbuch zu ſchreiben, improviſirie folgenden Vers:
Quanto dalle attre varia
DAlevy la tempesta
Quelle fan piover grandina,
Ora fa piover questa! Auf deutſch: Halevy's Sturm(es iſt hiermit gemeint deſſen neueſte Oper) unterſcheidet ſich bedeutend von andern Stürmen. Während es Hagel regnet bei andern, regnet es Gold bei ihm.
Die Schönheit der Züdinnen. Als Chateaubriand von ſeiner öſtlichen Reiſe zurückkehrte, fragte man ihn, ob er den Grund angeben könne, warum die jüdiſchen Frauen ſchöner ſeien, als die jüdiſchen Männer.„Die Jüdinnen,“ entgegnete er,„entgingen dem Fluche, der auf ihren Vätern, Männern und Söhnen laſtet. Nicht eine Jüdin befand ſich unter dem Haufen, welcher den Sohn Gottes ſchmähte und verhöhnte, ihn geißelte, mit Dornen ktönte und dem Martertod am Kreuze Preis gab. Die Weiber Judäas glaubten an den Heiland und halfen und ſchützten ihn, wo ſie nur konnten. Eine Frau von Bethanien goß auf ſein Haupt köſtliche Salben, die in einer Alabaſtervaſe waren. Die Sünderin wuſch ſeine Füße mit wohlriechendem Oel und trocknete ſie mit ihren Hdaren. Chriſtus ſeinerſeits war den Jüdinnen ſiets freundlich zugethan. Er erweckte vom Tode den Sohn der Witiwe Nains, Marthas Bruder, Lazarus. Er heilte Simons Schwieger⸗ mutter und bie Frau, welche den Saum ſeines Kleides berührte. Der Samariterin reichte er den kühlenden Trank und die Ehebrecherin nahm er in ſeinen Schutz. Die Töchter Jeruſalems weinten über ihn und die heiligen Frauen folgten ihm auf ſeinem Wege zum Tode, brachten Balſam und Specereien und legten ihn in ſeine Grabſtätte. Er erſchien zuerſt nach ſeiner Auf⸗ erſtehung einem Weibe, Maria Magdalena.“ So weit Chateaubriand. Wir für unſern Theil, minder Schwärmer als der große Franzoſe, ſuchen die Gründe für dieſe Erſcheinung ganz wo anders.
Mericaniſch. Madame Anna Biſchof, die durch ihr ausgezeichnetes Harfenſpiel und ihren Geſang ganz Mexico in Extaſe verſetzt hatte, empfing aus einer kleinen Stadt im Innern Mexicos eine Einladung zu einem dort zu veranſtaltenden Concerte. Herr Bochſa, der Geſchäftsführer der Madame Biſchof, wandte ſich darauf an einen dortigen Einwohner mit der Bitte, ihm eine paſſende Localität zu miethen. Er empfing auch bald eine Antwort, der ein Contract wegen des zu miethenden Locals beigefügt war, in dem ihm namentlich die Stelle auffiel, daß die zu zahlende Summe in mepicaniſchen Piaſtern und nicht in Seife, Cigarren oder lebendem und todtem Feder⸗ vieh zu zahlen ſei. Trotzdem unterzeichnete Herr Bochſa den Contract, deſſen räthſelhafte Clauſel ihm erſt nach ſtattgehabtem Concert klar wurde. Denn anſtatt blanken Geldes brachte man ihm große Stücke Seife, Cigarren, Hühner, Tauben, Rebhühner und anderes Geflügel. Umſonſt ver⸗ bat ſich Heir Bochſa dieſe Zahlungsweiſe, die cobreradoras bedeuteten ihm, daß das ihre ge⸗ wöhnliche Zahlungsweiſe ſei und daß er durch deren Wiederverkauf ein gutes Sümnchen löſen könne. Ein Handelsmann erbot ſich, den Wieder⸗ verkauf zu beſorgen, und Madame Biſchof be⸗ zahlte ihr Nachtquartier mit vier Stücken Seife, einem Paket Cigarren und zwei Hähnen ſehr zu⸗ frieden mit dem Reſultat ihrer Kunſtreiſt
Anze ig2
Bei F. Kuhnt in Eisleben iſt K⸗ ſchienen und in allen Buchhandlungen und Leihbibliotheken zu haben:
König Jacobs letzte Tage. Eine Movelle von Eh. Mügge. Preis netto 1 Thlr.
Dieſe Novelle, zum größten Theil in der Nationalzeitung abgedruckt, wurde überall mit ſolchem Beifall aufgenommen, daß ein be⸗ ſonderer Abdruck für Privat- und Leihbiblio⸗ theken allgemein gewünſcht wurde. Der Ver⸗ faſſer iſt dieſen Anſprüchen gern nachgekommen und hat dieſe Novelle zu dieſem Zwecke beſonders ausgearbeitet und um Vieles vermehrt. Es iſt dieſes Product eine der vorzüglichſten Erſchei⸗ nungen des in der Belletriſtik rühmlichſt bekann⸗ ten Verſaſſers, und können wir nicht umhin, dieſe Novelle zu ganz beſonderer Beachtung zu empfehlen.
Inſerate in den Jahreszeiten werden per geſpaltene Petit⸗Zeile oder deren Raum mit 14 Ngr. berechnet. 1250 Beilagen
werden gegen 1 Rthlr. Pr. Cour. Gekühren beigelegt.
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