Jahrgang 
2 (1850)
Seite
855-856
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Aus Penedey's Feder iſt ſoeben in Berlin bei Franz Dunker der erſte Band eines um⸗ faſſenden ſtaatsphlophiſchen WerkesMachiavell, Montesquieu und Rouſſeau erſchienen. Venedey ſieht in dieſen drei Politikern die Krhſtalliſations⸗ punkte der verſchiedenen Regierungsweiſen: in Machiavell den Abſolutismus, in Montesquieu den monarchiſchen Conſtitutionalismus, in Rouſſeau den demokratiſchen Republikanismus. Der erſte Abſchnitt dieſes Werkes iſt Heinrich Simon, der zweite Max Simon und einer Dame gewidmet.

Die Demokraten iu London. Karl Marx, Friedrich Engels gind Auguſt Willich(letzterer betitelt ſichOberſt der badiſchen Inſurrections⸗ Armee) haben an denSpectator geſchrieben, daß Spione der preußiſchen Geſandtſchaft ihnen auf Schritt und Tritt folgen, ihre Wohnungen bewachen und alle Aus⸗ und Eingehenden auf⸗ ſchreiben. DerSpectator macht zu der langen Beſchwerdeſchrift eine kurze Gleſſe, welche lautet: Dieſe Klaſſe ven Leuten(nämlich politiſche Flüchtlinge) irrt ſich in ſolchen Angelegenheiten ſehr häufig, und zwar entſpringt ihr Irrthum aus zwei Quellen, Eitelkeit, welche ihnen vor⸗ ſpiegelt, daß ſie viel wichtiger ſeien als dies wirklich der Fall iſt, und zweitens dem Bewußt⸗ ſein eigner Schuld. Die von den Flüchtlingen gegen die freifinnige und gaſtfreie engliſche Re⸗ gierung ausgeſprochenen Verdächtigungen ſind nicht mehr und nicht weniger als eine Imper⸗ tinenz. Der ſpäter mannigfach verſolgte und in contumaciam gerichtlich verurtheilte, frühere Herausgeber derZeitungshalle, G. Julius, hat, eingetroffenen Nachrichten zufolge, jetzt in

London eine feſte Anſtellung gefunden, welche ihm ein gutes Auskommen gewährt. Dem gleichfalls dorthin geflüchteten Bucher ſoll es da⸗ gegen nicht gut ergehen und er mit Sorgen zu kämpfen haben.

Die Auklage der bedeutendſten Pariſer Plätter beläuft ſich einer angeblich officiellen Angabe nach, wie folgt: Conſtitutionell 38,000, Siecle 34,000, Preſſe 32,000, Debats 14,500. Assem- blée nationale 14,500, Patrie 14,000, National 9000, Fstafette 10,000, Union 7000, Univers 6000. Dieſe Angabe entnehmen wir dem moni- teur du soir, die in einer frühern Nummer mit⸗ getheilte war der patrie entlehnt.

Victor Maugin, einer der Veteranen der franzöſiſchen Republikaner, hat ein Drama Karl Sand geſchrieben, das in ziemlich unge⸗ bundener Weiſe das Leben des bekannten deutſchen Studenten behandelt.

Eingeſandt. Man hat, wie ich aus den Jah⸗ reszeiten No. 8 dieſes Jahres erſche, die Nach⸗ richt, daß ein Buch,die Conſtitution der erſten Republik in Menſchenhaut gebunden worden, be⸗ zweifelt. Das kann ich freilich ebenſo wenig be⸗ ſtätigen, als es beſtreiten; daß indeſſen ſchon frü⸗ her die menſchliche Haut gegerbt worden, daran erinnere ich mich aus meinen Jugendjahren fol gendes: Im Jahre 1781, kurz vor meinem Ab⸗ gang auf die Univerſität Halle, ſtand auf dem Weihnachtsmarkt, auf dem Schloßplatze, nahe bei der langen(Churfürſten) Brücke, eine Bude, an der ein Anſchlagzettel bekannt machte, daß dort

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für einen Eintrittspreis von 2gGr. eine gegerbte Menſchenhaut zu ſehen ſei. Ich ſelbſt habe ſie damals in Augenſchein genommen, und ich fand ſie, beim Befühlen, auffallend dick. Hiernach dürfte doch wohl ſchon früher ein ſpeculativer Kopf auf den Gedanken gekommen ſein, die Men⸗ ſchenhaut zu gerben, um daraus Gewinn zu ziehen. Berlin. Karl Müchter.

Theater und Muſik.

Hamburg. Vereinigte Theater. Indem wir dieſe Zeilen niederſchreiben, haben unſere italieniſchen Gäſte uns wohl bereits verlaſſen; unſere Hoff⸗ nung, recht viel Neues und Ungewöhnliches durch ſie zu hören, iſt demnach nicht in Erfüllung ge⸗ gangen, ja, die zwölf Vorſtellungen, die urſprüng⸗ lich, wie verlautete, feſtgeſtellt waren, haben ſich auf zehn reduzirt. Im Ganzen mögen ſie der Caſſe nur wenig Vortbeil gebracht haben, denn das Haus war nicht Einmal recht gefüllt; von der andern Seile kann aber die, wenn auch nur theilweiſe Erhöhung der Preiſe ein Mißgriff genannt werden, der gewiß mehr ſchadete als nützte. Ihre Leiſtungen betreffend, mögte ſich das Endurtheil dahin abgeben laſſen, daß dieſe Geſellſchaft meiſt ſehr ſchöne Stimmen zählt, daß ſie im Enſemble vortrefflich iſt, daß aber im Einzelnen, Sgr. Pardini ausgenemmen, Manches noch zu wünſchen übrig bleibe, nament⸗ lich was die Characteriſtik und den dramatiſchen Geſang betrifft. Die rein italieniſche Muſik gelingt ihnen daher beſſer als die antinationale, und in jener wieder die Opera bufla mehr als die Opera seria. Daher wir es keinedwegs be⸗ dauern, daß fie den Don Juan, Freiſchütz und andere deutſche Opern nicht gebracht haben; dafür aber hätten wir ſo manche italieniſche Oper, zumal von Roſſini, wie Cenerentola, Gazza ladra, Opern, die man ſonſt hier zu hören nicht Gele⸗ genheitehat, von ihnen hören mögen. Allerdings hätte dies wegen des Chors einige Schwierigkeiten gemacht, die aber wohl nicht unbeſiegbar geweſen wären. In der Hauptſache beſtätigt ſich hier die alte Wahrheit, daß der Menſch über die eigenen Schwächen und Vorzüge ſelten ſo im Klaren iſt, daß er die erſteren gänzlich zu vermeiden und nur die letzten geltend zu machen wüßte. In der Regel treten Gäſte und Debütanten in ſolchen Rollen auf, in denen ſie nicht bereits nach dem allgemeinen Urtheil glänzen, ſondern in denen ſie zu glänzen boffen, weil ſie wohl über den Werth der Rolle, doch nicht über ihre eigene Schwäche oder Stärke für dieſe Aufgabe ſich klar geworden ſind. Meyerbeer's Oper Roberto il

Piavolo, welche die Geſellſchaft Sonntags, den

23., zur ſiebenten Vorſtellung gab und Dienstags ſchon als die achte wiederbolte, zeigte dieſe Schwäche gar zu deutlich. Nur Sgr. Pardini war durchaus trefflich, er konnte den ſchweren Part des Roberto mit ſeiner prachtvollen und ſehr kunſigeübten Stimme ganz bewältigen, und ſo gut haben wir den Robert hier noch nicht, ſelbſt nicht von Tichat⸗ ſchek, gehört. Die Sizilienne im erſten Aete

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