Jahrgang 
2 (1850)
Seite
849-850
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Feuilleton.

Correſpondenz.

Aus dem Elſaß.

Die franzöſiſche Volksbildung. Die Revolution. Die Geſellſchaft und ihre Klaſſen. Die Rothen. Dieeuropäiſche Völkerlotterie und die franzöſiſche Polizei. Eine deutſche Flugſchrift.

Mit welchen Hoffnungen und Erwartungen betritt nicht oft der Reiſende den franzöſiſchen Boden? Welche Vorſtellungen macht er ſich nicht von der politiſchen Bildung und den Fähigkeiten dergroßen Nation? Und wie ſchrumpft denn dies Alles ſo zwerghaft zuſammen, wenn man ſich die Dinge in der Nähe beſieht? Wenn man das franzöſiſche Volk aufmerkſam betrachtet und ich rede hier nicht von dem Elſaße ſo iſt es eigentlich ſchwer zu begreifen, daß daſſelbe die ganze Welt zu Anfang dieſes und zu Ende des vorigen Jahrhunderts in Athem ſetzen konnte. Die politiſche Bildung iſt ſehr pertikolär, denn außer den Grenzen Frank⸗ reichs exiſtirt für den Franzoſen in der Regel nichts mehr, als ein dunkler, unentwirrter Chaos, welchen er zu erforſchen und zu kennen gar nicht für werth hält. Mit derBildung desVolkes ſoll man mir aber vom Leibe bleiben, denn die iſt hier noch weit kläglicher beſtellt als in dem wilden, barbariſchen Deutſchland. Man muß, um die Geiſtloſigkeit und den Stumpfſinn der franzöſiſchen Bauern kennen, um in einer Hin⸗ ſicht den jetzigen politiſchen Stillſtand, ja Rück⸗ ſchritt in Frankreich zu begreifen, man muß dieſe Pfaffenwirthſchaft und ekelhafte Bigotterie des Landvolkes perſönlich zu beſchauen Gelegenheit haben, um ſich den Verfall eines Volkes zu er⸗ klären, welches einſtens durch antike und gigantiſche Charaktere zur höchſten revolutionären Potenz hinaufgeriſſen wurde. Wir ſind feſt überzeugt, daß, wenn Frankreich nicht Paris, dieſen Brenn⸗ punkt, dieſe Hochſchule des politiſchen Lebens hätte, welcher auch für den Indifferenteſten eine gewiſſe Bedeutung erlangen muß, ſo würde ſo mancher Lorbeerkranz in ſeiner Geſchichte fehlen. Den beſten Beweis hiervon finden wir in dem gegenwärtigen Zuſtande. Alle monarchiſchen Blätter des Auslandes heulen und weheklagen über die reißenden Fortſchritte des Socialismus, über die drohenden Bewegungen der Rothen, über die gräulichen Umſturzpläne und Ideen, welche von Tag zu Tag, gleich einem ſchwächenden aber ſicher wirkenden Gifte weiter greifen und alle Schichten der Bevölkerung infisziren. Es iſt wahr, der Socialismus macht reißende Fort⸗ ſchritte, die Rothen mehren ſich von Tag zu Tage, aber was hilft dies Alles, Frankreich iſt

Jahreszeiten II.(Nro. 27. Den 3. Juli.)

doch ruhig! Das große Frankreich, diegroße Nation kann ohne Paris nichts thun! Es gleicht einer ſchlummernden Kraft, welche ohne die Wirkung jenes mächtigen Magnets zu keiner Aeußerung und Entfaltung gelangt. Wir ſind feſt überzeugt, würde Paris aus Frankreich ver⸗ ſchwinden, der Revolutionsfaktor wäre für immer vernichtet. Betrachten wir hiebei im Gegenſatze andere Revolutionen, z. B. die magyariſche und die polniſche vom Jahre 1831. In beiden äußerte und organiſirte ſich die revolutionäre Kraft im ganzen Lande, im eigentlichen Volke, die Er⸗ hebung der Hauptſtädte war dort nur ſekundär, gleichſam um eine Operationsbaſis zu gewinnen und die letzten Reſte der feindlichen Gewalt zu vernichten, mit einem Worte, die revolutionäre Kraft bewegte ſich conzentriſch gegen die Haupt⸗ ſtadt, um dieſe als letzten Punkt auf der vorge⸗ zeichneten Bahn zu gewinnen und dann erſt die großen eigentlichen Operationen beginnen zu laſſen. In Frankreich hingegen conzentriren ſich die Kräfte in Paris, um dann exzentriſch nach Außen auszuſtrahlen und die Stützpunkte außer⸗ halb aufzuſuchen. erden dieſe nicht gefunden, oder ſtoößt die Entwicklung nur auf einigen Widerſtand, ſo iſt die Bewegung gelähmt und vernichtet, wovon uns die Juniustage einen treffenden Beweis geben. Jene Operation iſt daher eine ſichere, denn ſie wurzelt in der eigent⸗ lichen Volkskraft und in dem Willen derſelben, welcher ſich ein einzelner Punkt nicht widerſetzen kann, dieſe hingegen iſt ſehr oſt riskant, und nur bedeutende Charaktere und eine genaue Kenntniß des außenliegenden Terrains vermögen ihr einige Garantieen zu geben. Und was ſoll man nun gar zu dem jetzigen Parteiweſen in Frank⸗ reich ſagen? Da ſieht es noch weit kläglicher aus, als in Deutſchland. Das franzöſiſche Bourgoisthum iſt an Indifferenz, Bornirtheit und Gelddurſt mit dem Deutſchlands in gar keinen Vergleich zu ſtellen, es überſchwemmt ganz Frank⸗ reich und verſumpft es in politiſcher Hinſicht täglich mehr und mehr. Die Franzoſen haben

wahrlich kein Recht, den Engländern ihren

Schachergeiſt, ihre Handelspolitik und jüdiſchen Spekulationen vorzuwerfen, denn alle dieſe Dinge ſind ja auch bei ihnen in Hülle und Fülle zu finden. Man kann die Bevölkerung Frankreichs ſeiner Beſchäftigung nach füglich in drei Klaſſen eintheilen. Militär, Beamten und Handelsſtand. Letzterer iſt ſo zahlreich wie der Sand am Meere und hat zu ſeinem Nachtrag einen immenſen Troß von Agenten, Mäcklern, Senſalen und Geſchäfts⸗ machern aller Art, welcher ſich um alles eher kümmert, als um Pelitik. Dieſen Leuten iſt, wie überall, jedes Regiment recht, wenn nur die Courſe ſteigen und der Schacher in voller Blüthe ſteht. Was den Beamtenſtand anbelangt, ſo 54