Bücherſchau.
Politiſche Lieder.
Da wir mit der Politik des vorigen Jahres fertig ſind, ſo wollen wir auch die garſtigen Ge⸗ noſſen deſſelben, die ſeinen Thaten und Unthaten, bald aufſtachelnd, bald zürnend und abmahnend, geweiht ſind, zuſammenſtellen, und da Einige mehr als unbedeutend ſind, von dieſen nur ihre Namen angeben.—
1) Karl Stein: Politiſche Oſterlieder. Waren. 1848. 8. 15 Seiten.
2) D. F. v. Fenneberg: Galgenlieder. Bingen.
1848. 8. 86 Seiten.
3) Chr. Wurm: Freiheitsgrüße. Hof. 1848. 8.
86 Seiten.
Iſt lesbar und hat ſogar einige recht gute, obgleich ephemere Gaben beigeſteuert, worunter die Lateiniſchen(aber nur gereimte) ſich durch Inhalt auszeichnen. Cenimina(Seite 60) iſt unver⸗ ſtändlich und vielleicht ein Druckfehler.
4) Th. Gülich und Ad. Nagel: Zeitgedichte.
Rendsburg. 1849. 8. 86 Seiten.
Gerade einige Gedichte der Herausgeber ſind die Glanzpunkte der Sammlung; z. B. Schwarz⸗ rothgold und die Proclamation der Statthalter⸗ ſchaft. Harring, von dem wir am meiſten er⸗ warteten, ſcheint ſchwach zu werden. Am beſien iſt er der Alte(vom Berge) in„Verflucht!“ wo nur einige Sprachhärten zu Gute zu halten ſind.
5) K. Heugel: Das kleine Lied von der Ver⸗ gangenheit, Gegenwart, Zukunft. Berlin. 1849. 12. 16 Seiten.
6) Albert Hafner: Zornesfunken. Zwanzig Lieder an Deutſchlands Männer. Winterthur. 1849. 8. 60 Seiten.
Enthalten manches kräftige Wort; doch iſt bei aller Kraft oft keine Sehne vorhanden, die dieſe Muskeln zur Aeußerung bringt, wie das beſonders auffallend iſt in„Noch ein Lied“.
7) Friedr. Wanderer: Streiflichter und Schlag⸗ ſchatten. Bremen. 1849. 8. 48 Seiten. Der Wanderer verfolgt die Wanderung der
deutſchen Revolution, und den Nachhall ſeiner
und ihrer Schritte läßt er uns in einigen pro⸗
phetiſchen Worten vernehmen.— Manchen Vor⸗ gängen ſind Dichtungen gewidmet, die ſie eben nicht verdienen.
Ed. v. Schönau: Magharenlieder. Berlin. 1849. 8. 15 Seiten.
Wenn auch in den ſechs Gedichten der rechte Begeiſterungston getroffen iſt, ſo iſt doch denſelben kein Vorzug oder bleibender Werth zuzuſprechen.
Halb höher iſt zu rechnen noch
Louiſe Otto: Weſtwärts! Meiſſen. 1849. 12. 39 Seiten.
Auch ſind die Verſe, wie die Phantaſie, nicht über das Merkmal hinausgeflogen, das die meiſten der obigen Gedichte im Allgemeinen bezeichnete.
Nicht ſo Europa ſatt iſt ein ſonſt ſchon be⸗ kanuter Dichter, zu deſſen Ruhme aber dieſe Leiſtung eben nicht viel beitragen wirdz wir meinen
Ad. Bube: Naturbilder. Gotha. 1848. 12. 49 Seiten.
Am gelungenſten ſind die vergleichenden Bildchen, unter denen wir dem„Schneegeſtöber“ die Palme zuerkennen. Der Kürze wegen führen wir Eins derſelben vor, überſchrieben:
Thatenſpur.
Ich ſchleudert' einen Stein
In's Meer hinein,
Davon entſtanden Kreiſe Und Kreiſe.
Und weiter ward ihr Raum,
Begrenzt von Schaum,
Bis ihre Spur ſich ſachte Verflachte.
Loos aller Menſchenthat!
Früh oder ſpat
Muß ſie im Weiterſchallen Verhallen.—
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