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An Rudolph Gottſchall. (Eingeſandt.)
W lauſchte nicht, wenn Deine Leier tönt,
Wer ward von Deinen Liedern nicht begeiſtert! Gott iſt's, der auch in Deinen Saiten meiſtert:
Der Gott der Liebe, der die Welt verſöhnt, Der Gott der Freiheit, der Thrannen richtet,
Der Gott der Wahrheit, der den Wahn vernichtet.
Du kamſt, der Prieſter einer neuen Zeit, Die uns erlöſen ſoll vom Fluch der Sünden, Ihr Evangelium uns zu verkünden....
Dich hat der Menſchheit Genius geweiht. Zertrümm're denn die ſtarren Götzenbilder, Dein Cultus klingt verſöhnender und milder.
Ja, Du— Du biſt„berufen und erwählt“,
Ob auch Philiſterſeelen Dich verdammen... Ihr ſchwankendes Gebäude ſtürzt zuſammen, Wenn Liebe mit der Freiheit ſich vermählt, Wenn wir Altäre nur der Wahrheit bauen
Und kühn dem Gott in unſ'rer Bruſt vertrauen.
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Verfolge Deine Bahn— ſchön iſt das Ziel, Denn Du haſt Recht,„ſo darf's nicht länger bleiben,“ Nur die Vernunft darf uns Geſetze ſchreiben Und enden muß das frevelhafte Spiel.
Dein Ideal, es wird verwirklicht werden, Denn Dichter ſind ja Seher hier auf Erden.
Ob das, was Dich durchglüht, die Welt verſteht, Das frage nicht.— Einſt wird ſie Dich begreifen, Der Zukunft Sonne wird die Saaten reifen, Die Du mit ſtolzen Hoffnungen geſäet.
Und wenn ein anderes Geſchlecht geboren, Dann wird Dein Gott zum Gott der Welt erkoren.
Dies Lied ſang Dir ein Weib, das Dich nicht kennt, Das von dem Geiſt der neuen Zeit durchdrungen, Nach langem Kampf die Freiheit ſich errungen, Und das mit Andacht Deinen Namen nennt,
Denn tiefer hat kein Mann das Weib ergründet, Als Du, der, was es litt, der Welt verkündet!
Blätter im Winde. on S. S Strodtmann.
Zne Jahre ſind's, da trug uns Beide Das ſtolze Schiff zum Heimathöſtrand;
Es ſtand der Wald im Frühlingskleide, Die Erde trug ein Feſtgewand.
Melodiſch klangen leis die Wogen
Des Meeres und der Menſchenbruſt, Und wunderbare Töne zogen
Durch unſer Herz von Lieb' und Luſt.
Wir gaben ſchweigend uns bie Hände, Du ſchauteſt lang' in's Auge mir; Das war ein Jubeln ohne Ende, Ein Blickewechſeln dort und hier!
Dann ſagteſt Du— noch hör' ich ſchallen Dein ernſtes Wort herüber leis—: „Kann dieſer Ton auch je verhallen, Von welchem unſre Seele weiß?“
„Der Frühling wird in's Grab geriſſen, Ob er auch tauſend Kränze bot:—
Doch, Freund, das Eine möcht' ich wiſſen, Ob ſelbſt die Liebe weiß von Tod?—.P
Zwei Jahre ſind es, kurze Jahre,
Da treff' ich Dich in fremder Stadt:— Ob dieſer Tag, der ſonnigklare,
Die Antwort wohl gegeben hat?
Zwei Jahre ſind's, ich ſeh' Dich wieder,
Mein Händedruck, wie ſonſt, ſo warm:— Du aber ſenkſt die Augen nieder,
Die Liebe ſelbſt iſt todt und arm;
So iſt denn Alles Traum geweſen, Den bald das welke Herz vergißt?!
In Deinem Auge ſteht's zu leſen, Daß ſelbſt die Liebe ſterblich iſt!
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