Jahrgang 
2 (1850)
Seite
841-842
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nicht das Brod, das von Euren Tiſchen fällt!

Eure Hunde ſind beneidenswerth gegen uns! Ihr wollt Krieg, Ihr ſelbſt beſchwört den Sturm über Euer Haupt herab, Ihr ſelbſt legt den Brand an, der Eure Paläſte ver⸗ ſchlingt! Nun, ſo ſoll auch die Gluth des Haſſes nimmer verlöſchen in unſerer Bruſt und das Schwert der Vergeltung ſoll Euch zermalmen! Ha, Du ſtolzer Graf! drohte er hinauf,ich ſchwöre Dir Rache, Rache, bis ich zur Hyäne werde und auf den rauchen⸗ den Trümmern Deines Schloſſes Dein Blut trinke! Du und Deine Brut ſollen vertilgt werden von der Erde, und nicht lange mehr ſoll Dein verhaßter Anblick uns armen Schluckern das Blut in den Adern erkochen machen!

Warum, murmelte er zwiſchen den Zähnen,ja, warum ſtürzeſt Du nicht hinauf in ihr Belialsfeſt in Deinen Lumpen und erſchießeſt den jungen Schwelger vor den Füßen des Alten und zerſchmetterſt hinterdrein dem Vater mit dem Kolben den Hirnſchädel? Doch nein, fügte er lauter hinzu,noch iſt die Stunde nicht gekommen,aber ſie kommt bald!

Darauf ſetzte er ſeinen Weg fort und eilte über den ſchneebedeckten Pfad weiter. Manchmal ſank er bis über die Knie in den friſchgefallenen Schnee und blieb endlich vor einer abgelegenen Bergſchenke ſtehen.

Guten Abend, Geſellen! rief er einer zahlreichen Verſammlung zu, die bei Spiel und Biertrinken ihr Weihnachtsfeſt feierte. Was ſchafft Dein Weib, Paul? fragte ihn der Wirth mit näſelnder Stimme.Was Chriſtine treibt? Nun, ſie flennt und greint wie ſonſt, verſetzte er,und glaubt, der liebe Herrgott da droben im Himmel hätt' nichts Beſſeres zu thun, als ihre verhungerten Rangen zu füttern. Ja, ein ſchöner Troſt: Wer dem lieben Gott vertraut und hier auf Erden fromm iſt und lieber vor Hunger krepirt, als daß er ſich ſeinen Theil von den Gütern der Erde nimmt! Her mit einer Stange Bier!Hat Er ſo'was Klingendes in

der Taſche?Was ſcheert das Ihn?

Bier her und damit Baſta! Morgen kriegt Er ſein Geld, alter Filz, ich hab' heut' einen feiſten Rehbock geſchoſſen.Da kann ich Ihm nicht helfen, erſt Geld! dann kann Er Bier haben, ſo viel er ſaufen mag! Keine Einrede, Menſch! Oder Dabei ſtampfte er mit ſeiner Flinte auf den Fuß⸗ boden.

Wenn Paul heftig ward, war es gefähr⸗ lich, ihm zuwider zu handeln. Beſonders heute ſah er ſehr aufgeregt aus; die Wärme des Zimmers färbte ſeine aufthauenden Wangen glühendroth und das Blut ſchoß ihm in's Geſicht.Keine Narrenspoſſen! legte ſich der Keſſelflicker Simon in's Mittel,Du weißt, Alter, Paul bezahlt immer richtig und kurz und gut, wir wolleu, daß Du ihm Bier bringſt!

Komm, Paul! ſetze Dich zu uns! rief ihm vertraulich ein Subjekt mit widerlich tückiſchen Zügen zu, das ſchon mehrmals im Zuchthauſe geſeſſen und von ſeinen Kameraden den SpitznamenDiebsmichel erhalten hatte. Knurrend brachte der Wirth das Verlangte und warf ſich auf einen Stuhl, während Paul düſter am einen Ende des langen hölzernen Tiſches Platz nahm und lange Zeit in den Bierkrug ſtarrte, ohne am Geſpräche Theil zu nehmen.

Habt Ihr's ſchon gehört, ſagte ein branntweinerhitzter Fabrikarbeiter,der Graf will unſern elenden Lohn noch herabſetzen. Hol' ihn der Teufel! ſchrieen viele Stimmen wirr durch einander,das ſoll nimmer ge⸗ ſchehen, eher kräht der rothe Hahn auf ſeinem Hauſe!Will der Stolze uns denn noch immer mehr quälen? rief der lange Schmied Peter,hat er uns nicht ſchon faſt den letzten Heller ausgeſogen und unſere mit ſaurem Schweiße erworbenen Pfenninge verſchlemmt? Hat er mich nicht in's Spinnhaus bringen laſſen, weil ich ſeinem Kettenhunde den Braten aufaß? ſagte der Diebsmichel.Ja, und mein Sepherl hat er mit Hunden vom Schloß⸗ hofe hetzen laſſen, weil er in ſeinen Lumpen bei dem Feſte des Uebermüthigen um ein