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kürzung erkennen und bedauern, deren man ſich bisher, und aus welchem Grunde? ſchuldig gemacht. Die kleineren Partieen des Conte Rudolfo (Sgr. Bianchi), der Lisa(Sgra. Dogliotti) und Teresa(Sgra. Bonini) waren befriedigend. Auch der Chor griff auf lobenswerthe Weiſe ein, und das Orcheſter ſcheint ſich dem fremden, tüchtigen Dirigenten mit ſichtlicher Liebe und lobenswerthem Feuer hinzugeben.—
Die vorzüglichſte unter den bisherigen Leiſtun⸗ gen dieſer Geſellſchaft iſt unſtreitig„Il matri- monio segreto«, welche am Freitage zuerſt wiederholt wurde. Die komiſche Oper ſcheint ihr Element, ſcheint das Feld zu ſein, auf welchem deutſche Sänger nicht mit ihnen werden rivaliſiren können; hier kommt ihnen die große Volubilität der Stimmen ſehr zu Statten, in welcher ſie nun wiederm von ihrer Sprache ſehr begünſtigt werden. Vielleicht war auch die Wirkung deßhalb ſo groß, weil der vergleichende Maaßſtab fehlte, da die Oper ſeit ſo langer Zeit nicht gegeben iſt, daß ſie als eine völlig neue gelten mußte. Welch eine Muſik iſt Cimaroſa's Oper! Welche der neueren Opern, nicht blos der italieniſchen, könnte ihr zur Seite geſtellt werden, die Mozart's Lieb⸗ lichkeit und Hahdn's Humor und beider Einfach⸗ heit und Klarheit vereinigt, ja, hie und da wohl noch übertrifft. Welche Fülle von Melodieen, eine reizender als die andere, welche Harmonie in der Führung und Bewegung der Stimmen einerſeits und in der Begleitung der Inſtrumente andrerſeits, welcher Ausdruck, welche vis comica, welche Unerſchöpflichkeit an heiterer Laune, an gemüthlichem Humor! Und dies Alles mit einem ſo geringen Aufwand an Mitteln, mit faſt halbem Orcheſter nur, ja, die Rezitative mit bloßen Klavieraccorden. Bei einem ſolchen Werke verſchwindet die Nationalität, die Landsmann⸗ ſchaft, die Schule, die Manier; ſolche Werke gehören zu den Urthpen der Kunſt, in denen der ſchöpferiſche Geiſt, der aus dem Urquell ge⸗ ſchöpft, ſich offenbarte; ſie reden eine Sprache, welche von allen Nationen und zu allen Zeiter mit Luſt gehört, mit freudigem Entzücken ver⸗ ſtanden wird. Wenn ſolche Werke, die ſo recht für die Nachwelt aller Zeiten zum ewigen Muſter dienen ſollen, der Mitwelt der Art vorenthalten werden, daß dieſe ſie kaum weiter als nur noch dem Namen nach kennen kann, ſo iſt dies eine Verfündigung an den geiſtigen Schätzen und Gütern der Menſchheit, welche die Vorzeit für uns errungen, welche wir eines Theils nicht zu begreifen, andern Theils nicht zu entſchuldigen vermögen bei unſerer ſich in ihrer Bildung ſo hoch ſtellenden Zeit. Und hier müſſen wir nicht das Publicum, ſondern unbedingt die Bühnenvot⸗ ſtände und muſikaliſchen Dirigenten anklagen. Vor mehren Jahren ward von Dittersdorf, den wir als Mozart's und Cimaroſa's Zeitgenoſſen, und in der komiſchen Oper ebenfalls als klaſſiſch zi⸗ tiren dürfen,„der Apotheker und der Doctor“ ge⸗ geben, und das Publicum hatte die Oper mit großem Wehlgefallen aufgenommen. Warum iſt ſie aber⸗ mals von den Brettern geſchwunden, um vielleicht nie wieder zu drſcheinen? Klaget nicht über Andere, ſondern über Euch ſelbſt, die ihr nicht blos Aehnliches nicht ſchaffen, ſondern durch
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Hintenanſetzung des gediegenen Gehaltes hinter Schaum und Flitterglanz an dem Untergange ewiger, unſterblicher Werke mit gifrigen Händen arbeitet, als ſollten die erhabenen Bichterwerke, die ewigen Ausſprüche und Offenbarungen der größten Geiſter, vor dem faden, oberflächlichen Geſchwätz der Tagesliteratur beſchämt verſtummen müſſen. Um aber wieder auf die Ausführung dieſer Prachtoper zu kommen, ſo war ſie in ihrer Totalität wie im Einzelnen der Art, daß fie Nichts zu wünſchen übrig ließ. Außer den oben ſchon genannten Hauptſängern war unter den Damen Sgra. Vigliardi und unter den Herren Sgr. Paltrinieri neu. Die Dame beſitzt nur eine kleine Stimme, ſingt aber ſehr correct und bringt Alles ſehr gelungen zu Gehör. Herr P. iſt ſchon von früher her in guter Renommée bei uns, und die Jahre, die indeß verfloſſen ſind, haben nur wenig ihm genommen. Es war ein allſeitiges köſtliches Zuſammenſpiel, ein ſchönes Sextett, das ohne allen Chor, was man jetzt für unmöglich halten würde, ſowie ohne Pauken und Blechinſtrumente, einzig durch die liebliche Macht des Geſanges einen Abend ausfüllte nund den Hörern genußreich machte; es war ein Luſiſpiel nicht mit Geſang, ſondern im Geſang, bei welchem die Darſieller auf den Breitern wie in ihrem Wohnzimmer, und im Rezitativ parlando, wie in ihrer Umgangsſprache ſich bewegten, ein vorzüg⸗ liches Spiel, das den Gebenden wie den Empfan⸗ genden zu gleichem Gewinne gereichte.
Schiller's Kabale und Ciebe auk der engliſchen Pühne. Im New⸗Strandtheater wurde am 10. Juni nach Schiller's Kabale und Liebe ein neues Drama unter dem Titel:»Power and Principles von M. Barnett gegeben. Der eng⸗ liſche Bearbeiter iſt aber arg mit dem Original⸗ ſtück umgeſprungen. Nicht nur fehlen Lady Milfort und die Frau des Muſikanten Miller gänzlich, nicht nur iſt in dem engliſchen Stücke Ferdinand der Neffe und nicht der Sohn des allmächtigen Miniſters, ſondern, was das Schiller⸗ ſche Trauerſpiel auf den Kopf ſtellt, das Stück endet nicht mit einer Sterbe-, ſondern mit einer Heirathsſcene. Ferdinand hat nämlich durch Drobungen dem Secretär Wurm das Geſtändniß entlockt, daß das angebliche Liebesverhältniß Luiſens zum Hofmarſchall ein fingirtes ſei. Wenn nun ſchon vadurch das Drama um ſeine ergrei⸗ fenbſten Partieen kommen muß, ſo iſt doch nicht zu leugnen, daß die Schlußwendung des engliſchen Stückes eine weit natürlichere iſt, indem die Verblendung Ferdinands, womit er an die von Wurm und dem Miniſter geſponnene plumpe Intrigue ohne Weiteres glaubt, ſelbſt nicht durch ſeine Liebesleidenſchaft entſchuldigt werden kann.
Uebrigens gefiel das Stück ſehr. Die Haupt⸗
darſteller und der Dichter, der ſich aber nicht im Hauſe befand, wurden geruſen. Das Stück machte ſomit bei weitem größeres Glück, als die vor einiger Zeit aufgeführte Bearbeitung des Fiesco, die faſt durchfiel und mit Noth und Mühe nur zwei Aufführungen erlebte.
Halevy's und Scribe's Oper„La Tempeſta“. Am 8. Juui ward im königl. Theater zu London
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