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und das klare Gemüth der Tochter bald von des Wahnſinns Schleier befreien.
V. Sin Märtyrer.
„Glück zum Eingange, Wohlehrſamen!“ ſchnarrte unter tiefem Bücklinge und teufliſcher Freundlichkeit Schwabau den Junker an, als dieſer durch die Thüre des Gefängniſſes ein⸗ trat, das jener eben verließ.„Ihr wollt ſicher Euer Bekehrungsamt beginnen und dazu bedarf man ja auch des Glücks. Habe eben wieder 15 der alten bärtigen Schurken ein⸗ gebracht und in ihre Kämmerchen geſperrt; hört nur, wie ſie ihr Abendlied pfeifen. Nun, nichts für ungut. Gute Verrichtung!“
Brtroffen über des Widrigen Anrede, ſchaute Lohmayr einen Augenblick dem in die Nacht Hinausſchreitenden nach, denn ein ganz eigenthümliches Feuer hatte aus ſeinen grauen Katzenaugen geleuchtet, wie Teufel des wenſch⸗ lichen Falls ſich freuen; doch vergaß er bald
über dem ernſten Geſchäfte den Böſen, da er
ſeine Anſtalten zur Flucht zu ſorgfältig ge⸗ troffen hatte, als daß ſie des Verräthers Blick hätte erkundſchaften können.
Gefaßter und ruhiger, als bei Lohmahr's letztem Beſuche, trat ihm in ſeiner engen Zelle der gefangene Rabbi Jakob Ben Aaron entgegen. Sein mildes Auge und ſein durch den langen Bart ehrwürdiges, bleiches Antlitz
leuchtete in dem Dunkel, da dem Gefangenen
kein Licht gegeben wurde, wie die Glorie eines Heiligen. Er küßte den mildlächelnden Jüng⸗ ling auf die Stirn, deſſen Unmuth beim An⸗ blick des gefaßten Greiſes brach. Indem er ihn auf den hölzernen Schemel neben ſich niederzog, b«
„Der Segen des Herrn ſei mit Dir, die Sonne ſeiner Barmherzigkeit leuchte Deinen Werken, denn Du biſt der Joſeph unter den Aegyptern.“
„Dank Euch, würdiger Vater,“ begann der gepreßte Helfer,„aber wollt Ihr wirklich des Allgütigen Sonne meinen Werken leuchten laſſen, o ſo fügt Euch meiner heißen Bitte
ann er:
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und gewährt, daß ich Euch heut' voch zur Flucht mit Eurer Tochter nach Krakau abhole; der Weg iſt ſicher und meine Anſtalten ſo gut getroffen, daß Ihr mir rückſichtslos ver⸗ trauen könnt.“
„Dringe nicht fürder in mich,“ fuhr darauf ernſt und gebieteriſch der Rabbi fort.„Ich muß bleiben bei der Heerde, zu deren Hirt ich erwählt worden bin. Alle Hoffnung auf einen Morgen der Rettung iſt zwar geſchwun⸗ den, und doch muß ich bleiben, wo ſie iſt. Des Herrn Wont iſt zu mir geſchehen. Wenn der Morgen kommt, ſo wird es Nacht ſein; drum muß ich bleiben, daß des Propheten Stimme erfüllt werde: dies iſt der Weg, den ich gehe, ſonſt weder zur Rechten noch zur Linken; das iſt aber nicht der Weg, den Du meinen Fuß führen willſt!“—
„Aber bei dem Leben Eurer Judith, er⸗ halten Euch ihr!“ bat flehentlich Lohmayr. Da umflorte ſich des Greiſes Auge— und wie ſtolz und langſam vorübergehende Wolken das Tagesgeſtirn auf Augenblicke verhüllen, ſo verdüſterte eine ſchmerzliche Erinnerung die heitere Stirn, aber bald hatte die eine Idee, die ſein ganzes Leben durchgeiſterte, wieder die Oberhand gewonnen und er ſprach:
„Ja, Jüngling, meine Seele ſeufzt nach ihr, aber noch mehr nach meinem Gotte. Der
„Herr beſchütze ſie durch Dich auch noch ferner:
Sein Wille und nicht der meine geſchehe. Geſchlechter erſtehen und legen ſich wieder in die Erde,“ fuhr er leiſer fort—„warum ſollte ich ſchwächer ſein wie Abraham?“ „Grauſamer Greis, ſo wollt Ihr der Strenge Eures Glaubens die fürchterlichſten Opfer bringen? Ich ſchwöre Euch, Ihr werdet
nicht mehr über dieſe Schwelle treten, denn
zum Blutgerichte über Euch und Eure Brüder.“ „Laß die Gewaltigen kommen! Iſt doch auch der Hauch Ihres Zorns vergänglich. Sie werden mich finden und nicht finden, ſie werden trauern und ich werde frohlocken, wie Jakob über den wiedergefundenen Sohn!“ Fragend ſchaute ihn ob dieſer räthſelhaften


