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Entſchloſſen ergriff ſie das weiße Gewand, ſchmückte mit ſanftem Himmelblau ihre ſei⸗ denen Locken und die einfache Kleidung, trat an der Hand ihres Bruders in den fröhlichen ſie längſt ſchon vermiſſenden Zirkel. Es war ſchon einmal grtanzt, allein Theonens Ver⸗ ehrer hatten der muntern Göttin heute noch nicht gehuldigt. Mit glühenden Augen nahte ſich ihr Philipp, doch ſie bemerkte ihn kaum, ſo hing ſie feſtgebannt an den Zügen eines jun⸗ gen Mannes, der bleich und zitternd wie es ſchien, an der Seite des jungen Grafen ſtand. „O, mein Gott!“ lallte Theone und ſank ohnmächtig in die Arme des Grafen, der ſie veobachtend, raſch zu ihrer Hilfe herbeiſprang. Sie erhielt indeſſen ihre Beſinnung augen⸗ blicklich zurück, und der ſchöne Jüngling, deſſen Bläſſe einer dunkeln Purpurröthe gewichen war, kniete an ihrer Seite, hatte ſanft ihre Hand ergriffen, und ſah ſie mit einem Blick an, der die Vergangenheit und Zukunft ſchnell vernichtete und nur die Gegenwart ſie fühlen ließ. Sie vergaß Alles um ſich her, ver⸗ mochte vor heftiger Bewegung nicht zu ſprechen und ſank, während abgebrochene Laute hörbar wurden, und der Name Felix herausgeziffert ward, in des Jünglings Arme.
An dem glänzendſten Hofe Europas lebte der Graf Anton von M. i im Rauſche jugendlichen Frohſinns die Freuden und Feſte des Tages, die der Hof und der Ton der damaligen Zeit ſo verſchwenderiſch ſpendeten, harmlos genießend. Als der plötzliche Tod ſeines Vaters ihn als den älteſten Nachkommen der Familie zum Erben ſeiner Güter und ſeines Ramens machte, und ſeine Gegenwart auf dem entlegenen heimathlichen Schloſſe forderte.
Er war gewiß eine der beſten Partieen im Lande, ein Ideal männlicher Schönheit; und das Entzücken der hochadligen Familien groß, als er das ſchöne Stammſchloß zum längern, wie es ſchien, bleibenden Aufenthalt nahm. Mit wichtiger Miene zählte die gnä⸗ dige Mama die lange Ahnenreihe ihres Hau⸗ ſes, während die Töchter, ihrer Schönheit vertrauend, jeden nur möglichen Glanz auf⸗
boten, ſie zu erhöhen, und der Vater ſeine Zeit und ſein Geld zu koſtbaren Feten ver⸗ ſchwenderiſch hergab.
Der Graf hatte ſehr bald gewählt. Julie von K. g, ein Mädchen ſanft und mild, wie man nur Engel denken kann. Erſt fünf⸗ zehn Mal hatte ihr des Frühlings Farben⸗ pracht gelächelt; und kaum entfaltelt war die zarte Blume, die ach! ſo jung, ſo zart, die Jungfrau kaum erreicht ihr Lebewohl ſchon wieder ſagte. Ein ſchöner Knabe war das Pfand der erſten Liebe, doch ſeiner Mutter Blick ſah nur von oben auf ihn nieder, und jammernd ſah der tiefbetrübte Gatte die theure Hülle ſcheiden.
Indeſſen Männer wiſſen ſich zu tröſten, und kaum war ein halbes Jahr hingeſchwun⸗ den, als eine andere üppig ſchöne Braut voll Stolz und Majeſtät dem Wittwer zum Altar folgte. Was Kunſt und Gold vermogt, er⸗ höhte ihrer Schönheit Glanz; von Gäſten ward ihr Hans nie leer und triumphirend ſah ſie Jung und Alt an ihren Siegeswagen ziehen. Indeſſen ſchwand des Hauſes ſtiller Friede bald nach wenig Flitterwochen. Ein Knabe, zart und ſchwach, von ſeiner Mutter kaum beachtet, ward fremder Pflege vom erſten Tage überlaſſen. Doch öfter ſuchte jetzt der gramerfüllte Gatte bei ſeinen Kindern Er⸗ heiterung und ſanfte Liebeslaute.
Beſonders zog ſein Herz ihn zu Antonio, das theure Pfand, das Einzige, das ſeine Julie ihm geſchenkt, und zärtlich ſchmiegte der lebhaft ſchöne Knabe ſich an den ernſten und doch ſo milden Vater.
Der Mutter war der Knabe, ſo wenig ſie ihn kannte, längſt verhaßt, denn ſeines Vaters größter Reichthum und bedeutenden Lehngüter fielen ihm dermaleinſt anheim, wäh⸗ rend ihr eigenes Söhnchen, als der Jüngere, nur eine ſpärliche Apanage bekam. Eine ſchlichte Frau von mittleren Jahren, die über Juliens zarte Jugend ſchon gewacht und ſie am Gängelbande ſchützend oft geleitet, nahm leitend und liebend auch jetzt des armen ver⸗ laſſenen Knaben ſich an.
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