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Miscellen.
Lalande ſchrieb im Jahre 1773 eine Abhand⸗ lung, in der er bewies, daß mehrere Kometen auf ihrem Laufe die Erde berühren und daß im Jahre 1788 jedenfalls ein Zuſammenſtoß ſtattfinden würde. Der Ausſpruch des berühmten Aſtrono⸗ men erregte in den untern Kreiſen ſolches Schrecken und ſo ungewöhnliche Furcht, daß die franzöſiſche Regierung Lalande zu ſich kommen ließ und ihn erſuchte, das Publikum durch weitere Aufſchlüſſe zu beruhigen. Lalande kam dieſem Verlangen auch im Journal de Paris nach und meinte, daß der Zuſammenſtoß ohne weſentliche Folgen ſein und ſich nur in einer ungewöhnlich hohen Fluth und einem wüthenden Orkan kund geben werde.
Statiſtiſches. Einem jüngſt erſchieneuen Werk zufolge giebt es im Ganzen 28,000,000 Web⸗ ſtühle auf der Welt. Davon kommen auf Groß⸗ britanien 17,500,000. Amerika hat in ſeinem ganzen Umfange nur 2,000,000, Rußland unge⸗ fähr dieſelbe Anzahl; Frankreich hat 3,000,000 und Belgien bedeutend weniger als einer der letzten drei. Und Deutſchland?
Der Probirſtein. Ungefähr 1811 wurde der Kaffee erſt allgemein in Amerika eingeführt. Chalmers, der berühmte 1825 geſtorbene Gelehrte und Staatsmann, widerſetzte ſich der Einführung
des neuen Getränkes und erfand ein aus ge⸗
branntem Roggen gefertigtes Pulver, welches er an ſeine Stelle empfahl, ſagend, es ſei eben ſo gut, ja noch beſſer als Mokka⸗Kaffee. Man kam auf Dr. Ramſey's Vorſchlag überein, in einer Geſellſchaft beide Getränke durch Kenner prüfen zu laſſen. Miſs Ramſeh wurde beauftragt, beide Getränke zuzubereiten und zu preſentiren und zwar zuerſt den echten Mokka und dann den Roggenkaffee. Man bediente ſich aber einer Liſt, die beſſer als alles andere die Probe entſchied. Dem Uebereinkommen gemäß preſentirte man zuerſt den echten Mokka, nur Herr Chalmers be⸗ kam von ſeinem eigenen Gebräu, natürlich ohne es zu wiſſen. Kaum hatte er das Viertel der Taſſe geleert, als er das Getränk ausſpie und ſchrie:„ein entſetzliches Getränk, Herr, Ratten⸗ gift, wie können Sie einem vernünftigen Menſchen ſolch Geſöff vorſetzen.“ Die ganze Geſellſchaft brach in Gelächter aus bei dieſem Ausruf des Herrn Chalmers und der von ihm ſelbſt ansge⸗ ſprochenen Verurtheilnng ſeiner Erfindung.
Der olla podrida iſt züdiſchen Urſprungs. Die Spanier haben denſelben uur nachgeahmt und entſtellt. Das Original iſt ein bemerkenswerthes Specimen menſchlichen Erfindungsgeiſtes, welches die Beſeitigung der Gewiſſensſerupel der Iſrae⸗
liten mit ihrer Leckerei trefflich vereinigte. Es iſt den Juden verboten, am Sonntag Feuer zu machen. Ein jüdiſcher Gourmand wünſchte aber warm zu frühſtücken und Mittags und Abends ebenfalls warm zu eſſen und er erreichte dieſen Zweck, ohne das Geſetz zu übertreten. Er erfand ein Feuer, welches, ohne genährt zu werden, vier⸗ undzwanzig Stunden brannte, und einen Topf, der vermöge ſeines Umfangs drei Mahlzeiten ent⸗ hielt, die, des Morgens gekocht, für einen ganzen Tag ausreichten. Dieſe Speiſe nannten die Juden Dafina und der Tag, an welchem man dieſelbe kochte, war ein Faſttag. So erzählt Urquhart, unſer Gewährsmann.
Jones, der berühmte engliſche Architekt, hatte einen eigenthümlichen Briefſtil; ſo ſchrieb er an den Maler Turner, der ſein Urtheil über eines ſeiner Gemälde zu wiſſen wünſchte:„Angeſehen! Tauben, Schweine und Faſan— recht gut. Die zwei letzten beſſer als das erſtere, ich meine, was das Eſſen betrifft. Danke aus dem Ingern meines Magens. Was ein Wetter! Gut allein für neu verheirathete Leute. Ich habe meine Frau in ein Schaffell genäht, die Wolle nach innen, und laſſe ſie nicht eher heraus, als bis die Bäume in Blüthe ſtehen. Machts mit eurer Frau ebenſo.“ Ein anderer Brief an denſelben, von Edingburg aus geſchrieben, beginnt:„Moder⸗ nes Athem! Lüge: Rauch, Dreck und Schnee.“ Ein anderer an Clarke, den königl. Leibarzt, be⸗ ginnt:„Ich bedaure, hören zu müſſen, daß Ihr die Gicht in der großen Zehe habt. Habt auf Euren Magen acht— haltet ihn bei guter Laune. Füllt ihn zwei Mal des Tages. Thut Ihr das nicht, ſo mag Gott wiſſen, wie es geht.“
Ein Erſatz für Peitungen. Bevor gedruckte Zeitungsblätter eingeſührt wurden, hielten ſich die größeren engliſchen Familien zu Londou Be⸗ richterſtatter, die ihnen alles irgend Bemerkens⸗ werthe brieflich mittheilen mußten. Dies geht aus einem memorandum hervor, welches ſich in den Archiven der Familie Clifford befindet.„An Capitain Robinſon, auf meines Lords Befehl, für Berichterſtattung von Neuigkeiten für ein halb Jahr fünf Pfund bezahlt.“
Ein königlicher Meerſchaumkopk. Vorige Woche verbrannte man eine Partie confiscirten Taback, und zwar in dem zu dieſem Zweck beſtimmten Raum in der Southſideſtreet. Der Rauch füllte die Luft der benachbarten Straßen. Es iſt das erſte Mal, daß dieſe Operation in Plymouth ſtattfand; in London iſt ſie keine Seltenheit und die Küche, wo ſie daſelbſt ſtattfindet, nennt man allgemein der Königin Pfeife.
Inſerate in den Jahreszeiten werden per geſpaltene Petit⸗Zeile oder deren Raum mit 14 Ngr. berechnet. 1250 Beilagen werden gegen 1 Rthlr. Pr. Cour. Gebühren beigelegt.


