Jahrgang 
1 (1850)
Seite
253-254
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was nicht mehr als recht wäre, eine Tare auf die Preiſe der nothwendigſten Lebensmittel, für Brot und Fleiſch, eingeführt werden? Wie ſollte es denn bei Luyus⸗Artikeln geſchehen, wenn wir auch ganz gegen unſere Ueberzeugung ſchon zugeben wollen, daß das Theater für unſere Bildungsſtufe nur ein Luxus, keinesweges ein Bedürfniß ſei. Alſo hinweg mit dieſer Inconſequenz, die dem Ver⸗ ſtande wie dem Herzen, der Weisheit wie der Gerechtigkeit, gleich widerſpricht; hinweg mit je⸗ der hemmenden Beſchränkung, jeder lähmenden Feſſei, wie für jeden Erwerb, alſo auch auf die⸗ ſem Gebiete der freien Kunſt. Mögen Andere in großartigem Maaßſtabe für den Freihandel ſtreben und wirken; wir ſind für die Freiheit unſerer vaterſtädtiſchen Muſe in die Schranken getreten, in dem freudigen Bewußtſein, daß wir vom Staate kein Opfer verlangen, das nur der Rede werth wäre, daß wir aber durch Löſung der Feſſeln und Hemmſchuhe dem Gedeihen der Kunſt in unſerer Mitte, dieſem ſo beglückenden Schaffen zum Frieden, einen großen Dienſt leiſten mögten. Soll dem Theater gründlich und dauernd auf⸗ geholfen werden, was Jeder wünſchen muß, der nicht allein als Idealiſt die Kunſt, ſondern als Patriot die Vaterſtadt liebt, ſo muß der Staat als der eine und erſte Factor, ſo weit es an ihm liegen kann, rettend hinzutreten; er erlaſſe jede Abgabe, entferne jede Beſchränkung, führe aber eine andere Aufſicht, eine beſſere Vormundſchaft deſto ſtrenger, es iſt die, daß das Inſtitut ſeinem Zwecke und ſeiner Beſtimmung entſpreche, daß es ein Tempel der Kunſt geweiht ſei und bleibe; daß er alſo, ſo lange die Abgabe von öffentlichen Vergnügungen und Schauſtellungen nach dem Ge⸗ ſetz beliebt bleibt, von denjenigen Vorſtellungen, welche nicht der Kunſt, ſondern der Afterkunſt zugerechnet werden müſſen, von Produktionen à la Kliſchnigg, Rappo, von Seiltänzereien und Ath⸗ letenkünſten die Abgabe ſich bezzahlen laſſe. Will die Direktion das Inſtitut auf dieſe Stufe er⸗ niedrigen, ſo möge ſie auch den übrigen Stufen gleich bezahlen: wir haben nur für die reine Kunſt und ihre geiſterhebende, ſittenmildernde Schöpf⸗ ungen, das menſchliche Leben wahrhaft veredelnde Gebilde uns erhoben. Dixi et salvavi animam. (Schluß folgt.)

Obſchon das Vorſtehende uns die Zeit und dieſen Spalten den Raum über die Gebühr ge⸗ koſtet, können wir dennoch, um unſerer Referen⸗ tenpflicht und der Ueberſchrift dieſer Rubrik zu genügen, uns nicht verſagen, der beiden muſika⸗ liſchen Genüſſe, welche die vergangene Woche uns darbot, wenn auch mit wenigen Worten nur, zu erwähnen. Das Gute bedarf ohnehin nur weni⸗ ger Worte zu ſeinem Lobe. Die dritte Quartett⸗ Unterhaltung der Herren Haffner und Lee am Mittwochen, ſowie das dritte diesjährige Phil⸗ harmoniſche Concert ſind, jedes natürlich in ſeiner Weiſe, durch Gediegenheit des Inhalts wie durch Trefflichkeit der Ausführung erwähnenswerth; letzteres dürfte ſogar epochemachend genannt werden durch Ferdinand Hiller, eine berühmte muſikaliſche Perſönlichkeit, und Frl. Johannſen, eine bedeu⸗ tende Geſangsvirtuoſin. Hiller produzirte und dirigirte ſelbſt ſeine neueſte Symphonie, noch Manu⸗ ſeript, und executirte ein Clavierconcert von Beet⸗

hoven; letztere ſang eine Arie aus Bellini's Puritaner und zwei Lieder von Reinike und Schubert. Wir werden, wenn nicht früher, bei Gelegenheit der vierten Wiederholung dieſer ge⸗ nußreichen muſikaliſchen Abende ausführlicher dar⸗ auf zurückkommen, det Nachſicht unſerer Leſer im Voraus gewiß, von denen wir überzeugt ſind, daß es ihnen weniger darum zu thun, einen ober⸗ flächlichen Bericht aus erſter Hand, als einen ge⸗ rechten und unparteiiſchen, wenn auch ſpäter zu erhalten. Parteiiſche Lobhudeleien müſſen ſchnell ſich hören laſſen, ehe ſie von der Wahrheit der Ueberzeugung Lügen geſtraft werden; Lob in Wahrheit kommt ſtets zur Zeit, denn es darf auf längere Dauer rechnen, als die des Augenblicks.

Leipzig. Ein neues Drama: Heinrich W. von Frankreich, hiſtoriſche Tragödie in 5 Akten von Georg Köberle, einem jungen talentvollen Dich⸗ ter, der ſeit einigen Jahren hier lebt, iſt in kurz auf einander folgender Zeit hier zweimal über die Bühne gegangen. Der Verfaſſer tritt mit demſelben von dem früheren Pfade ab, den die Dramatiker der letzten Jahre eingehalten haben, und iſt auf eine neue Bahn hinübergetreten. Wenn man bisher gewohnt war, in den Dramen bedeutende Charaktere in einer feſtbegrenzten Lage in einer beſonders intereſſanten und dramatiſch⸗ wirkſamen Lage vorzuführen, ſo darf man jetzt kühn von dieſer althergebrachten Auffaſſung ab⸗ ſtrahiren, denn das Wageſtück, welches Köberle unternommen hat, iſt gelungen. Sein Heinrich IV. iſt nicht der Feldherr in den Hugenottenkriegen allein, nicht nur der kühne Held, der auf dem Blutacker der Religionskriege einen neuen Thron erbaut, nicht nur der Liebesritter, der mit Wei⸗ bern ſo ſchön zu koſen, und ſeine Zeit zu ver⸗ tändeln weiß, ſondern er iſt vielmehr der große Held und Staatsmann, deſſen Blick von der Hoch⸗ wacht ſeiner Politik über ganz Europa ſchweift, der im eigenen Reiche durch das Edikt von Nan⸗ tes Frieden ſchließt zwiſchen Katholik und Hu⸗ genot, der von der edlen Größe ſeines Miniſters Sully getragen, ſich beſinnend und ermannend aus den ſüßen Umarmungen ſeiner Geliebten, Henriette von Entraques, ſpäteren Marquiſin von Verneuil losreißt, und kühn den verſammelten Geſandten europäiſcher Staaten und den Hof⸗ herrn ſeines eigenen Landes die Proklamation ſeines hohen Planes macht, einen europäiſchen Staatenbund aus 15 Provinzen zu bilden, der aber vor Ausführung ſeines Planes, vom düſtern Verhängniß ereilt, von der Erde ſcheidet, und einem unmündigen Sohne die Ideen vererbt, de⸗ ren Größe und Höhe dieſer nie zu erkennen ver⸗ ſtand. So groß nun auch die Aufgabe war, dieſes Stück Geſchichte dramatiſch zu behandeln, ſo ſehr fühlen wir uns durch die Löſung befriedigt. Laſſen wir einfach den Erfolg ſprechen, der das Stück begleitet hat. Schon bei der erſten Dar⸗ ſtellung wurde der Dichter vor gedrängt vollem Hauſe viermal, und bei der zweiten, eben ſo be⸗ ſuchten zweimal gerufen. Schon ſteht die Tra⸗ gödie wieder auf dem Repertoir der nächſten Woche, und dürfte noch oft über die hieſige Bühne gehen. Einſtudirt wird das Stück, wie wir hören, in Dresden, Frankfurt am Main und in Danzig.