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Die Träume. Zwei Märchen von Angelika Skepögardt. Berlin, bei J. Löwenherz. 1850.
Nur zwei Kinderträume, aber geweiht durch den lieblichſten Zauber der Poeſie und geeignet, das Gemüth, ſelbſt wo es erkaltete, mit der Friſche jugendlicher Empfindungen zu durchglühn. Unſere neuere Literatur iſt arm an ſolchen Erzeugniſſen und deshalb ſchon verdienten dieſe Märchen mehr als eine gewöhnliche Berückſichtigung. Das erſte derſelben,„der kleine conſtitutionelle König Hein⸗ rich“, iſt der anmuthigſte König, der je durch den Zauberſtab der Dichtkunſt geſchaffen worden iſt; er iſt klein, miniatur klein in ſeinen Verhält⸗ niſſen, aber rieſengroß in ſeinen Wünſchen und in der Liebe zu ſeinen bleiernen Unterthanen, unter denen er die politiſchen Diſſonanzen endlich, trotz der Iniriguen eines häßlichen Nußknackers, in eine ſchöne Harmonie aufzulöſen weiß. Das zweite Märchen:„Der Traum in der Shlveſter⸗ Nacht“, behandelt in ſchönen vergleichenden Bil⸗ dern die Bedeutung wahrer Fürſtenwürde und intereſſirt vorzugsweiſe durch die Naivität, mit der ein lieblich träumendes weibliches Gemüth den kalten, oft furchtbaren Ernſt des politiſchen Lebens in ſeiner Nothwendigkeit zu zFſ ſtüh
Gedichte von W. Wilibald. Hamburg, bei Meiſsner und Schirges. 1849.
Je ärmer unſere Zeit an wahrhaft poetiſchen Produkten iſt, mit um ſo mehr Freude begrüßen wir die wenigen Blümchen Wunderhold, welche in dem ganzen prächtigen und lieblichen Farben⸗ glanz vergangener Zeiten dem revolutionsdurch⸗ ſtürmten Boden unſerer deutſchen Literatur er⸗ blühen; zugleich daran mahnend, wie das ewig Schöne zugleich das einzig Wahre iſt, das ſich Bahn bricht durch alle blutgetränkten Barrikaden dieſer oder jener Partei und den müden Lebens⸗ wanderer lieblich geleitet in die Paradieſes⸗Gegend des ewigen Friedens. Im vorliegenden Werke haben wir ein ſolches Blümlein Wunderhold ge⸗ funden, und da es uns erfriſchte und erheiterte durch ſeinen lieblichen Farbenſchmelz und ſüßen poetiſchen Duft, ſo können wir nicht umhin, allen Denen, welche gern den herrlichen Garten deutſcher Poeſie betreten, die Gedichte Wilibalds zur beſondern Beachtung zu empfehlen. Wir fin⸗ den dort die Lieder ſußer Liebe, von denen wir hier nur auf:„Warum kann ich's nicht ſein“ und „Leidenſchaft“ ihres Feuers wegen, ſowie auf das ſchalkhafte„Männertreu am Wege“ beſonders aufmerkſam machen; aber auch des Scherzes muntere Kinder ſtrahlen uns im ſchönſten Farben⸗ ſchmuck entgegen, ſo namentlich das niedliche „Communismus“ und vor Allem den Pfeffer und das Salz der„Coursſchwankung“ nicht zu ver⸗ geſſen, die„Practiſchen Lebensregeln,“ welche den pſychologiſchen Studien unſeres Autors alle Ehre machen. Aber auch des Ernſtes Würde fehlt dem
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bunten Farbenſchimmer nicht; vor allen andern erwähnen wir die ſüße, liebe Thränenperle„Mein Grab“ und können uns die Freude nicht verfagen, die unſere Dichter ſo ſchön charakteriſirenden, zwei letzten Verſe hierher zu ſetzen, ſie lauten:
„Kein Epitaph voll Prunk und Stolz, Ein kleines Kreuz von ſchwarzem Holz, Das ſtellt an meinem Grabe auf
Und ſchreibt die Worte dann darauf:
„Er lebte ſtrenger Pflicht Gebot, „Die Feſſel drückte ihn zu Tod', „Doch glüht in ſeinem Innern klar „Der Freiheit Funke immerdar.“
Leider erlaubt uns der Raum nicht, weitere Reflexe des Strahlenſchimmers, der uns aus den Gedichten Wilibald'sentgegenſtrahlt, hier zu geben, doch hoffen wir, daß unſere Andeutungen nicht vergebens geweſen und daß unſere gemüthbegabten Leſer ſich die Freude des Anſchauens von dem ganzen Farbenſchmelze unſeres Blümlein Wun⸗ derhold nicht verſagen werden, zumal wir ſchließ⸗ lich noch hinzufügen, daß auch der friſche Duft deutſcher Freiheit und Geſinnungstüchtigkeit uns entgegenſtrömt; man leſe nur das„deutſche Fah⸗ nenlied“ und man wird erkennen, daß ein echtes deutſches Herz in unſerm Dichter ſchlägt.— Die äußere Ausſtattung iſt des Inhalts würdig.
Carl Heugel.
Romuald oder der Beruf. Von Marquis von Cüſtine, Verfaſſer von„Rußland im Jahre 1839“. Aus dem Franzöſiſchen von Dr. Ernſt Suſemihl. 3 Thle. Leipzig, Theodor Tho⸗ mas. 1848.
Es kann uns nicht beikommen, das Buch des berühmten Schriftſtellers kritiſiren zu wollen. Die europäiſche Kritik, kann man wohl ſagen, hat darüber ihr Urtheil geſprochen, ihm gebüh⸗ rendermaßen ſein Recht angedeihen laſſen. In Wahrheit kann man ſich kein zarteres, einfacheres und dabei doch ergreifenderes Seelengemälde den⸗ ken, als dieſen Romuald. Dem Ueberſetzer ge⸗ bührt das Verdienſt, ſeine Aufgabe in vortreffli⸗ cher Weiſe gelöſ't zu haben. Die Ueberſetzung iſt fließend, in den Geiſt des Verfaſſers eingehend und ab und an poetiſch ſchwungvoll. Die zweite Auflage, welche die geachtete Verlagshandlung bereits gebracht, zeigt am deutlichſten, daß das Werk des berühmten Schriftſtellers auch in Deutſch⸗ land verdientermaßen zahlreiche Leſer gefunden.
Aus dem Stillleben eines weiblichen Herzens. Taſchenbuch, den deutſchen Frauen gewidmet von Adele. Darmſtadt, Küchler. 1848. 12. 104 Seiten.
Dieſem Werke wäre es beſſer geweſen, in
der Stille geblieben und nicht in's Leben ge⸗ treten zu ſein.—
Jahreszeiten I.(Nro. 8. Den 20. Februar.)
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