Jahrgang 
1 (1850)
Seite
235-236
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Maria von Marra⸗Vollmer.

S hie Journsliſtik iſt die getreue Tra⸗ tan der großen Sonnen am Kunſthorizont, oder man könnte ſagen, die Journaliſtik iſt der Schweif, der dieſen gaſtſpielreiſenden Ko⸗ meten ihren eigentlichen Glanz verleiht. Sie iſt für den Künſtler die unſichtbare Macht, die ſeine Schickſalsfäden ſpinnt, deren Walten er, wenn auch noch ſo ungern, dennoch aner⸗ kennen muß. Durch die Zeitungspreſſe wer⸗ den die Künſtlernamen gemacht, ja wohl⸗ verſtanden, ſie werden gemacht. Wo wahres Talent und Fleiß und Verdienſt vorhanden, da wird dies durch die Journaltrompete wun⸗ derbar gefördert und der Ruhm mit Blitzes⸗ ſchnelle nach allen Himmelsgegenden hin ver⸗ breitet. Wo aber Nichts iſt, wo verblendete Vorliebe oder gar gemeine Beſtechung die Feder leitet, da hat der Kaiſer und noch viel mehr der Journaliſt ſein Recht verloren, da macht der Lobberäucherer und Beräucherte in gleichem Maaße ſich lächerlich. Trotz alles Mißbrauches, den keiner beſſer kennt als wir, die in alle Zauberkünſte Eingeweihten, iſt die Zeitungspreſſe ein unſichtbares Etwas, deſſen Einfluß der Diplomat und der Künſtler am meiſten empfindet. Ein Schauſpieler, der uns weis machen will, daß ihm die Kritik gleichgültig ſei, kommt mir daher vor, wie ein Kranker, der den Arzt verachtet, oder ein Theaterdirector, der behauptet, daß er keine Zeitungen lieſtt.

In neuerer Zeit hat nicht leicht eine Künſt⸗ lerin die Macht der öffentlichen Beſprechung mehr empfunden, wie die in ſo kurzer Zeit zu ſo bedeutendem Ruhme gelangte Frau von Marra; daß aber dieſer durch die Zeitungen längſt bekannte Ruhm der Sängerin ein wohl⸗

begründeter und wohlverdienter iſt, davon haben wir und das Hamburger Publikum uns jetzt durch eigenes Hören und Schauen über⸗ zeugt, und mit Freuden fügen wir ein Blätt⸗ chen aufrichtiger Anerkennung zu den ihr aller Orten ſo reichlich geſpendeten Kränzen.

Von befreundeter Seite ſind uns über die Künſtlerlaufbahn der Frau von M. einige Mittheilungen gemacht, deren Genauigkeit zwar nicht in Allem verbürgt werden kann, die aber unſern Leſern hoffentlich nicht unwillkommen ſein werden. Marie von Hacke(das iſt ihr eigentlicher Name) ſtammt aus einer altade⸗ ligen Familie in Oberöſterreich und iſt aus Linz gebürtig. Ihre Jugendzeit iſt für uns in romantiſches Dunkel gehüllt, ſie ſoll ur⸗ ſprünglich für's Kloſter beſtimmt geweſen ſein und ihre erſte Erziehung in dem adeligen Fräuleinſtift zu St. Pölten genoſſen haben. Sie ſprengte jedoch dieſe Bande und widmete ſich mit Leidenſchaft der Muſik. In Linz ſang ſie im Jahre 1843 zum erſten Male mit Tichatſchek, der das außerordentliche, in dieſem Mädchen verborgene Geſangstalent und ihre wunderbare Stimme zuerſt entdeckte. Marie von Hacke wurde nun unter tüchtiger Leitung in der Geſangskunſt ausgebildet und von der berühmten Angioletta Meyer unter⸗

richtet. Ihr Plan, ſich dem Theater zu wid⸗

men, ſtand mün einmal feſt. 1844 kam durch Tichatſchek's Empfehlung die junge Sängerin an das Hoſtheater zu Sondershauſen zu gleicher Zeit war unſer Starke damals dort angeſtellt und erwarb ſich ſchnell die Gunſt der fürſtlichen Familie und den Beifall des Publikums. Noch in demſelben Jahre ging ſie mit einem glänzenden Jahrgehalt als erſte

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