Jahrgang 
1 (1850)
Seite
233-234
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Mit herzlicher, wohlwollender Liebe ward Theone von allen Bewohnern des Hauſes und vielen Bekannten des Städtchens empfangen, bei denen ihr liebenswürdiger Charakter ein bleibendes Andenken für immer erworben. Indeſſen gab es Augenblicke, in denen Theone ſich doch einſam und verlaſſen fühlte, und nur die heilige Religion, die tief in ihrer Bruſt lag, ihr den ſchweren Kampf erleichterte, den ihr Inneres zu beſtehen hatte.

Mit heißer Liebe, mit Leidenſchaft warb Charlottens zweiter Bruder um Theonens Gunſt. Dankbarkeit und Liebe feſſelte ſie an ſeine Eltern, herzliche Freundſchaft an ſeine Schweſter, doch ihr Herz zitterte bange und eine trübe Angſt bemächtigte ſich ihrer, wenn der ſtürmiſche junge Mann ſich ihr nahte.

Theone, Charlotte mit bittendem Blick,in wenigen Tagen wird Deine freund⸗ liche Hand die hoffnungsvolle Myrthe zum Kranz mir winden; in Deiner Macht ſteht es, auch meinem Bruder den Tag zum ſchön⸗ ſten ſeines Lebens zu machen. Meine Eltern lieben Dich wie ihre zweite Tochter, Philipp kann ohne Dich nicht mehr leben und ich werde meine Schweſter, beglücke meinen Bru der durch Deine Hand. Doch, Du weinſt, Du erbleichſt, meine theure Theone, rief ſie laut.Ich will Dich nicht überreden, ſogte ſie ſanfter, umarmte heftig die Freundin, flüſterte ihr leiſe noch zu:Frage Dein Herz und verſchwand.

Mit zarter Achtung und Liebe kam ihr der junge Forſtbeamte entgegen, der ſchon vor einem Jahre ſich unwiderſtehlich zu dem liebenswürdigen Mädchen hingezogen fühlte. Eine feſte Anſtellung hatte er jetzt bekommen

doch unverhohlen,

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eine Neigung. Auch Theone war ihm ge⸗ wogen und ſeine ſanfte Neigung that ihrem Herzen, nach den zudringlichen Bewerbungen ihres andern Verehrers, oft recht wohl.

Doch ein zu theures Bild ſtand auf feſtem Grunde tief in ihrem Herzen, als daß Jahre vermogt hätten, es zu bleichen. Ach! Eine liebliche Erinnerung aus den Leidenstagen ihrer unſchuldvollen Kinderjahre ſchmückte jeden Morgen neu das vielgeliebte Bild.

Was ahnend nur die Bruſt des Kindes in der Abſchiedsſtunde fühlte, empfand der Jungfrau Herz jetzt klar. Und wenn ihr Muth und Glaube wich, hielt raſch die Hoffnung ſie empor. In einem für das kleine Städt⸗ chen recht hübſchen und ſorgfältig eingerich⸗ teten Gaſthauſe, nahe am Markte gelegen, logirten ſeit mehreren Tagen zwei Fremde, die ſich für die Merkwürdigkeiten der Gegend ſehr zu intereſſiren ſchienen und manche ge⸗ werbtreibende Einrichtung genau zu ſehen wünſchten und ſich deshalb an den umſichtigen, ſo manches Einzelne leitenden, mit vielen in Verbindung ſtehenden Bürger H. S. g, Charlottens Vater, wandten. Sie ſchienen faſt von gleichem Alter, den 20ger Jahren faſt noch näher zu ſtehen, als dem männlichen Alter.

Heiterkeit und Lebensluſt lag auf der Stirn des Grafen von M....i, während das offene dunkle Auge ſeines Freundes, des Malers Antonio, oft ernſt und ſchwermuths⸗ voll umherirrte. Eine große Aehnlichkeit bil⸗ dete ihre Figur, und wer nicht hörte, wie ver⸗ ſchieden ihr Rang war, hätte ſie auch ihrer Phiſiognomie nach ſicher für Blutsverwandte gehalten.

(Schluß folgt.)