Jahrgang 
1 (1850)
Seite
231-232
Einzelbild herunterladen

231 S 232

wollte ſie ihn ſelbſt zur Eile antreiben, um ihn deſto eher wieder zu ſehen, löſete Theone eine Locke von ihrem ſeidenen, ſchönen Haar, und reichte ſie Felix, während er ihr einen Ring auſſteckte, den ihm einſt in Lyon, nach beendigten Tanz eine freundliche Dame ge⸗ ſchenkt hatte, und den ihm weder durch Liſt noch Gewalt ſeine gierigen Hüter hatten rauben können. Noch eine lange, innige Um⸗ armung und der Jüngling war verſchwunden.

1V. Der WPolter⸗Abend.

Ein volles Jahr war ſeit dem Anfang unſrer Erzählung verfloſſen. Sehr verſchieden hatten manche unſerer kleinen befreundeten Geſellſchaft aus Pandoren's Zauberbüchſe, welche das enteilende Jahr ihnen ſchweigend gereicht, ihr Loos gezogen. Trauernd kniete Theone am Grabe ihrer theuren Mutter, lehnte ihr müdes Haupt an die troſtloſe Bruſt ihres einzigen, geliebten Bruders. Dunkel lag die Zukunft vor ihnen und kein Hoffnungsſtrahl blickte durch die ſchwarze Nacht.

Schlummre ſanft meine theure Mutter, ſagte Theone, und legte Blumen auf das friſche Grab, damit ſie das nicht mehr ſchla⸗ gende Herz freundlich deckten.Schlummere ſanft, und wenn es möglich iſt, von Oben niederzuſchweben, ſo umſäuſele liebend und ſchützend Deine verlaſſenen Kinder. Schlum⸗ mere wohl! rief ſie noch einmal, und ſank in die Arme ihres Bruders, der ſie weinend ihrer Wohnung wieder zuführte.

Fleiß und Sparſamkeit hatten es der Hauptmännin D.... bis jetzt möglich gemacht, Oscar's Wünſche nicht zu ſtören und ihn ein von ihm gewähltes, mit manchen Koſten verbundenes Fach ergreifen zu laſſen; manche ſpäte Mitternachtsſtunde hatte Theone freund⸗ lich geopfert und der Ertrag, den ihre ſorg⸗ ſame, kunſtgeübte Hand oft unvermuthet der leidenden, ſchwachen Mutter brachte, hatte ihr manche Ausgabe erleichtert, ihr manche Sorge genommen. Doch jetzt, Oscar ſtand

mitten in ſeiner akademiſchen Laufbahn und ſchwere Jahre lagen nöch vor ihm; wie konnte ſie, das einzeln ſtehende Mädchen, der unbedeutenden Penſion, die ſie bis jetzt er⸗ halten, nun auch beraubt, ſich ſelbſt erhalten und den geliebten Bruder auf dem gewählten Pfad weiter fortzuführen.

Doch der alte Gott lebt ja noch und breitet auch für euch ſchon wieder helfend ſeine Arme aus. Wohl dem, der ſtets ihm vertraut, denn keine Noth iſt ſo groß, der er nicht abhelfen kann. Und wer ein from⸗ mes Herz im Buſen trägt, wird überall bei Freude und bei Kummer an ihn den Allbe⸗ glücker, kindlich liebend denken.

Charlotten's und Arnold's Väter waren Geſchwiſterkinder. Doch mehr durch innige Freundſchaft, als durch Bande der Verwand⸗ ſchaft fühlten ſie ſich gegenſeitig zu einan⸗ der hingezogen. Ihr Lieblingswunſch war, daß ein feſtes, freundliches Band ihre Kinder einſt vereinen möge. Doppelt fühlte ſich der wackere Mann zu Arnold und ſeinen Ge⸗ ſchwiſtern hingezogen, als er in ſeinen ſchön⸗ ſten Jünglingsjahren ſeinen Vater, er den treuen Freund verlor.

Arnold war in der Lage ein Mädchen als Gattin in ſeine hübſche, große Wohnung zu führen, ihr eine glänzende Zukunft anzubieten.

Sein Herz hatte gewählt. Doch neckend und ſchelmiſch, vft kalt und trotzig, ſtand ihm das Mädchen ſeiner Wahl gegenüber. Dem Zufall allein verdankte er, was vielleicht noch Jahre verborgen geblieben wäre, daß ihr liebendes Herz ſich ihm öffnete. Laut tönte die Freude und ſprach aus Mienen und Worten, und oft wiederholt hörte jeder im Städtchen:Charlotte, mein einziges Töchter⸗ chen, iſt Braut, iſt Arnold's Verlobte.

Mehrere Monate ſchon war Theone im elterlichen Hauſe ihrer Freundin. Letztere

hatte kaum das Unglück erfahren, welches das

arme Mädchen erlitten, als ſie, alles Andere um ſich her vergeſſend, nur eilte, begleitet von ihrem Vater, der theuren Freundin und ihrem Bruder Troſt und Hilfe zu bringen.

233

ther viele bei bleil Ind ſc die lag, ihr

Cha Gun ſine Sch ine der

Bli lich Hr l6 ſen ieb fan wer der Du lo ſie ſu unb

der bo lie Ei un