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bliebe, denn obgleich er der beiden Alten Sohn ſollte ſein, wäre er überzeugt, daß auch er geſtohlen wäre, ja eine dunkle Er⸗ innerung braͤchte ihm zuweilen das Bild ſeiner Eltern und ſeiner früheſten Jahre zurück. Ein günſtiger Augenblick habe vor einem hal⸗ ben Jahre ihre beiderſeitige lange verabredete Flucht befördert, indeſſen ihr dunkles Geſchick habe ſie wieder zurückgebracht und die Auf⸗ merkſamkeit ihrer Hüter verdoppelt.
„Aber wo iſt Felix,“ rief Theone haſtig, indem ſie mit erſchrockener Eile den engen Kreis, der ſie umgab, durchbrach.
Doch keine Spur von Felix und vou den beiden Alten war zu finden.
Theonens ganze Fröhlichkeit war hin, nicht die Liebkoſungen der glücklichen Mutter, die lebhafte Freude ihres jüngern Bruders, die Verſichtvung aller Anweſenden, daß ſie keine Mühe ſcheuen würden, Felir wieder aufzu⸗ ſuchen, milderte ihren ſie faſt übermannenden Schmerz.
Mit ſorgenvollem Herzen ſah die Mutter das tiefe Leiden ihres Kindes und ihre Mutter⸗ angſt ſah ſie ſchon, unterliegend, zum zweiten Mal das theure Kind aus ihren Armen in die dunkle unterirdiſche Wohnung ſinken.— Vier Tage waren ſchon verfloſſen und noch immer kein Zeichen von der Spur der Flücht⸗ linge, die man mit thätiger Aufmerkſamkeit aufſuchte.
Die Nachricht, daß die einzige Tochter des zwei Jahre ſpäter verſtorbenen Stifters des lieblichen Badeorts, des leutſeligen, innig beliebten Herzog zu Anhalt⸗Bernburg, Alexius Fridrich Chriſtian, die liebenswürdige Prin⸗ zeſſin Wilhelmine Luiſe, den Lieblingsplatz ihrer Jugend durch ihre Gegenwart beehren würde, beglückte alle Gäſte, und rege freund⸗ liche Hände ſah man überall ſinnreich und liebend verſchiedene das Auge angenehm an⸗ ſprechende Vorkehrungen zum froher Empfang derhochgefeierten fürſtlichen Herrſchaften treffen. Auch Theone ſchien heiterer, und ihre Ge⸗ danken nahmen die ahnende Hoffnung willig auf, und während die Mutter im anſtoßenden
Zimmer einer leichten Ruhe ſich hingegeben, ſchmückte ſie mit zarten Kindern der Natur in feſtliche Bogen geſchlungen ihr Fenſter.
Noch ſtand ſie am Fenſter, als ſie den ängſtlich erſehnten Gegenſtand erblickte. Ja, es war Felix, der im Fluge über den freien Platz queer durch die kühlende junge Linden⸗ Allee ihrer Wohnung zuſtürzte, ſich leicht und kräftig in das offenſtehende Fenſter ſchwang, und die zitternde Theone feſt in ſeinen Ar⸗ men hielt. Leiſe trat die Hauptmännin her⸗ ein und umfing die Kinder mit mütterlichen Armen.
„Jetzt bleibſt Du bei uns, Felix,“ rief Theone,„und die Mutter, Oscar und ich wollen Dir vergelten, was Du für mich ge⸗ than. Aber Du armer Junge, wie beſtäubt und beſchmutzt ſiehſt Du aus, ſage uns, wie biſt Du Deinen Peinigern entkommen?“
„Gebt mir etwas zu eſſen und zu trin⸗ ken und ich will Alles erzählen,““ bat Felir mit trockner, matter Stimme.„Unſere beiden Hüter hatten kaum den Grund der allgemei⸗ nen Bewegung am Sonntag im Salon ver⸗ nommen, als ſie mich auf eine Weiſe, die die mir noch heute ein Räthſel iſt, zum Saal hinausbrachten, mich dann, Du kennſt ihre Art, meine kleine Mani, gefeſſelt auf unbe⸗ tretenen Wegen ohne Raſt weiterführten. Ihre gerechte Strafe ſchien ihnen ſchon nahe und ihre Gewiſſensangſt gönnte ihnen Keine Ruhe.
Ich folgte ihnen ſtill, meine innere Wuth bekämpfend, allein ſie trauten mir nicht, und als die Alte mir erlaubte, mich ſchlafen zu legen, und ihren Mann fortſchickte, um Nah⸗ rung zu holen, blieb ſie als Wache zurück. Ich hatte feſt geſchlafen, fühlte meine Bande ge⸗ löſet, als ich erwachte, und durfte meinen Hunger genügend ſtillen.
Der Morgen dämmerte kaum, ich ſollte meine Kleider, die ich ſchon einmal vertauſcht hatte, auf's Neue wechſeln und die Alte trieb ſcheltend zur größten Eile, hielt meine Feſſeln und wollte mich fluchend wieder hinein zwän⸗ gen; der Alte knieke wenige Schritte ſeitwärts
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