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erſten Ranges, die überall im Norden und Sü⸗ den Europa's kam, ſang und— ſiegte und aller Orten Furore machte, und unſere Erwartungen ſind vollkommen erfüllt. Frau von M. iſt eine epochemachende Erſcheinung, eine der wenigen Auserwählten, die mit dem göttlichen Funken des Genius begabt, durch den Zauber ihres Ge⸗ ſanges den Kenner wie den Nichtkenner zur Be⸗ wunderung hinreißt. Die Stimme, in der tiefen Lage und in den Mitteltönen nicht eben ſtark und ausgiebig, iſt in der Höhe(irren wir nicht bis zum F) von außerordentlicher Friſche, Kraft und Volubilität, ſie iſt nach trefflicher Methode und gewiß mit ungeheurem Fleiße gebildet und geſchult, ſo daß ſie, ihrer Gebieterin vollkommen unterthänig, mit ſpielender Leichtigkeit die pyra⸗ midalſien Schwierigkeiten überwindet. Ein mu⸗ ſikaliſcher Freund erzählte uns früher einmal, daß Maeſtro Donizetti die Marra vor allen übri⸗ gen Sängerinnen geſchätzt und bevorzugt, daß ſie allein die Partieen ihm zu Dank geſungen und daß er ſie nicht anders als ſeine„piccola Marra“ genannt habe. Sie iſt die Coloratur⸗ ſängerin par excellence. Und zu ſolchen Vor⸗ zügen kommt als der dritte hinzu: Mimik, Pla⸗ ſtik, dramatiſche Geſtaltungsgabe.„Keine Sän⸗ gerin, wurde anderswo bemerkt, vermag der in⸗ haltsloſen, italieniſchen Muſik einen ſolchen In⸗ halt zu geben, als Frau Marra. Sie ſetzt ein Stück ihres eigenſten tiefinnerſten Lebens ein, um den italieniſchen Melodieen und Recitativen Charakter zu verleihen; es iſt die Unmittelbarkeit der aus reichem Künſtlergemüth in ihren Geſang überſtrömenden Empfindung, welche uns in ihrem Geſange ſo mächtig ergreift und unwiderſtehlich hinreißt. Da wo die Idee des Komponiſten nicht ausreicht, kommt ſie ihm mit ihren eigenen zu Hilfe; da wo eine Nummer in gedankenloſer Melodie hinfröſtelt, belebt und erwärmt ſie die⸗ ſelbe mit den Empfindungen ihres eigenen Her⸗ zens. Hierauf gründet ſich die Größe und der wohlverdiente Ruhm der Frau Marra⸗Vollmer. Sie ſchafft während ſie ſingt, und ſie ſingt wäh⸗ rend ſie ſchafft.“— Wenn man den zweiten Act der„Nachtwandlerin“ und die„Regimentstochter“ von der Marra geſehen, iſt es ſchwer zu ent⸗ ſcheiden, ob ihre dramatiſche oder muſikaliſche Leiſtung mehr zu bewundern ſei. Der Ausdruck der erſten Liebeſeligkeit, der Abſchied von Elvino, das Erwachen im fremden Zimmer, waren von ergreifender Wirkung und die mit der perlenden Coloratur und höchſten Trillern verbrämte Schluß⸗ arie:„Glück und Freude, ſie kehren wieder,“ erregten einen wahren Beifallsſturm und Blumen und Kränze wurden der lieblichen Amina ge⸗ ſpendet. Das Orcheſter, die Chöre und übri⸗ gen Mitwirkenden thaten, einige kleine Verſehen des erſtern abgerechnet, nach Kräften das Ihrige. Am Donnerstag ſahen wir Frau von Marra als Regimentstochter voll köſtlicher Laune und friſchen Humors. Der Text ſchien uns etwas verändert und der Dialog gekürzt; Geſang und Spiel aber erntete ſtürmiſchen Beifall, der ſich im zweiten Akte bei den eingelegten Liedern zum höchſten Gipfelpunkt ſteigerte. Herr Büſſer als „Tonio“ ein klangvoller Tenor, verdient neben dem Gaſte rühmliche Erwähnung, ebenſo Herr
Kellmann als Sulpiz. Und das Haus war bei dieſem ſeltenen Kunſigenuſſe doch nicht in allen Räumen beſetzt, weil an dieſem Abend einige Bälle ſtatthaben ſollten! Unglaublich, aber wahr!
Herr Conrertmeiſter Pallin gab am Freitage den S. im Saale des Streitſchen Hotels eine Abendunterhaltung, welche gewiß zu den genuß⸗ reichſten in dieſem Winter gezählt werden darf. Der Unternehmer genießt als Menſch wie als Künſtler gleich ungetheilte Achtung, und ſein ſchö⸗ nes Talent, gepaart mit einer in unſeren Tagen ſeltenen Beſcheidenheit, iſt ganz geeignet, ihm zahlreiche Freunde nicht blos unter ſeinen Kunſi⸗ genoſſen und Bekannten, ſondern auch in fremden Kreiſen zu gewinnen. Deſſen war wiederum der vollbeſetzte Saal ein neuer Beweis. Ballin iſt ein Jünger der ältern Schule, die ihr Inſtrument mehr zum Seelengenuß als zum Ohrenkitzel gebraucht, mehr durch ſeelenvollen Geſang wirken, als durch frappante und brillante Effecte ange⸗ ſtaunt ſein will. Was ihm an Kraft abgeht, erſetzt er reichlich durch Weichheit des Tones, durch einen wahrhaft rührenden, elegiſchen Aus⸗ druck. Er ſpielte drei Mal. Zuerſt eine Fan⸗ taſie von Allard, zwar nicht von klaſſiſcher, aber doch ſehr gefälliger Compoſition, die, abgerechnet den erſten hohen Einſatz, welcher nicht ganz ſicher war, tadellos executirt wurde; namentlich kam die Schlummerarie aus der„Stummen“ hinreißend ſchön zu Gehör. Die anderen beiden Piecen waren von eigener Compoſition, ein Andante Meſto, ganz geeignet für des Künſtlers eigen⸗ thümliche Spielweiſe, und eine Fantaſie brillante über Donizettiſche Motive, die ſehr gut zu einem Ganzen vereinigt waren. Sämmtliche Stücke waren mit Clavierbegleitung und erhielten rau⸗ ſchenden, wohlverdienten Beifall. Das übrige Programm erlitt ſchon von vorn herein weſent⸗ liche Abänderungen. Statt des angekündigten Quintetts von Beethoven(C Dur), welches den Anfang machen ſollte, ward durch den Rücktritt des Herrn Löwenberg Beethovens Cmoll⸗Quartett von Herrn Haffner und ſeinen Kunſtgenoſſen Lee, Jverſen und Polack mit derſelben Virtuo⸗ ſität und Präciſion ausgeführt, die wir ſchon in voriger Nummer zu rühmen Gelegenheit hatten. Um ſo mehr war es zu bedauern, daß das Scherzo ausgelaſſen wurde; von Beethoven auch den klein⸗ ſten Satz nur vorenthalten, iſt eine Sünde gegen den heiligen Geiſt. Ebenſo mußte die angezeigte Declamalion wegen Unwohlſeins des Frl. Fuhr ausfallen; dafür ſang Frau Marra⸗Vollmer die bekannte Arie aus Linda de Chamouny; ihre Stimme iſt ziemlich paſſirt, ſeitdem wir ſie nicht gehört, und ihr Geſchmack hat ſich ebenfalls nicht veredelt. Das Forte wurde in dem übrigens ſehr gut anklingenden Saal Fortiſſimo, und der Uebergang zum Piano gar nicht vermittelt, ſon⸗ dern bildete ſchroffe und harte Gegenſätze. Doch mag Unkenntniß der Aknſtik des Saales viel⸗ leicht die meiſte Schuld tragen. Immer bleibt Frau Marra⸗Vollmer noch eine ſehr bedeutende Coloraturſängerin.— Auch Frau Hewitz⸗Stei⸗ nau blieb ihrer Ankündigung nicht treu; ſtatt des verſprochenen„Erlkönig“ von Schubert und einer Romanze von Maſſini, ſang ſie eine
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