Jahrgang 
1 (1850)
Seite
217-218
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ſie überbietet an Aufwand alles bisher Geſehene: wird ſie den Aufwand lohnen, die dem Altar des Kunſttempels dargebrachten Opfer vergüten, wird ſie nur ihre Koſten, ſowie die der übrigen leeren Tage decken? Wie viele volle Häuſer wird ſie ſchaffen müſſen, ehe ſie nur ihre Schuld an ſich ſeibſi bezahlt; und je mehr dieſe Vorſtellung be⸗ fucht werden ſollte, was ſelbſt noch nicht außer allem Zweifel, je weniger werden es die übrigen ſein; nach Einem Feſttage ſtets öftere Feſttage: iſt dies gedeihlich, oder muß es auf die Länge ſchädlich und verderblich werden? Und da ſobald nicht ein ähnliches oder gar ſtärkeres Zug⸗ und Reizmittel in Ausſicht ſteht, wie wird bei der Abſpannung und Apathie der meiſten Theater⸗ beſucher, die nur noch das Ungewöhnliche lockt, das Abonnement ſich geſtalten, das mit dem 1. April ſich erneuern ſoll? Die Theilnahme am Theater⸗ beſuch, dies müſſen wir eingeſtehen, iſt leider nur gering im Verhältniß zur hieſigen Bevölkerung, ſie iſt erſichtlich rückgängig. Wir würden, wenn wir eine Abhandlung zu ſchreiben hätten, gewiſſen⸗ haſt und unparteiiſch den Urſachen nachfragen müſſen, doch wäre damit nicht ſchon ſicher auch die Heilung des Uebels nachgewieſen. Bei der Aufgabe, die wir uns freiwillig im reinen Kunſt⸗ intereſſe, das uns aber von dem materiellen In⸗ tereſſe unzertrennlich ſcheint, ſobald es die Er⸗ haltung nach innen und nach außen gilt, hier geſtellt haben, laſſen wir die Urſachen unerörtert und gehen allſogleich zur Beantwortung der Frage über: Wie iſt dem hieſigen Theater auch äußer⸗ lich, d. h. finanziell, auf eine ſichere und gründliche Weiſe zu dauerndem Beſtande zu helfen? Wir ſetzen hierbei voraus, daß die innere artiſti⸗ ſche Seite jedem unbefangenen und gerechten Be⸗ urtheiler als völlig genügend erſcheinen muß, daß die jetzige Direction in ihrem bisherigen Streben und Wirken alles Mögliche, was billigerweiſe gefordert werden kann, geleiſtet hat, um den An⸗ ſprüchen eines kunſtſinnigen uud gebildeten Pu⸗ blikums zu genügen, ſei es in der Acquiſition der Künſtler oder in Vorführung älterer und neuerer Bühnenſtücke, daß ſie daher nach allgemeinem Urtheile nicht die Schuld der verringerten Theil⸗ nahme tragen könne, daß alſo auch, wenn es den⸗ noch wahr iſt, daß trotz der innern Genüge die äußeren Umſtände ungenügend und unzureichend ſind, Jeder, dem an Erhaltung der Anſtall gele⸗ gen iſt, ſich verpflichtet halten muß, ſo weit an ihm liegt, dazu redlich das Seine beizutragen. Auch haben wir, obgleich, was wir ſagen wollen, allgemein gehalten iſt, doch hauptſächtich das Stadttheater, das Schröderſche Inſtitut, im Auge, weil uns hier das ſo nothwendige Gleichgewicht zwiſchen den materiellen und idealen Intereſſen mehr als bei dem Thaliatheater geſtört zu ſein ſcheint, indem dieſes in ſeiner mehr beſchränkten Localität, in dem geringern Perſonale, in der Kunſtgattung ſeiner Stücke, ſowie in manchen anderen Dingen weniger den Wechſelfällen, die zwiſchen Einnahme und Ausgabe liegen können, unterwerfen iſt.

Für eine gründliche und dauernde Abhilfe oder vielmehr Aufhilfe, wie wir ſie im Sinne haben, und von der wir uns ſichern Erfolg ver⸗

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ſprechen, müßten folgende drei Factoren ſich ver⸗ einigen; der Staat, die Direction, das Publikum. (Fortſetzung folgt.)

Altonaer Theater. Gaſtſpiel der Frau Marra⸗ Vollmer. Den erſten Eindruck nicht verwiſchen zu laſſen, eile ich, Ihnen über einen Genuß zu berichten, der uns wahrſcheinlich nie wieder in unſerer Stadt verſchafft werden wird; ich meine die Gaſtdarſtellung der berühmten Marra⸗Vollmer. Nur zweimal hatten wir das Glück, uns von dem Geſange der Dame bezaubert zu fühlen, aber die Töne werden lange in uns nachklingen und das Bedauern zurücklaſſen, daß das hieſige Publikum, ſelbſt wenn ihm Vollkommenes geboten wird, nicht zur Begeiſterung der Unterſtützung des wahren Talents gehoben werden kann. Erlaubte der Ge⸗ genſtand etwas anderes als Spott und Verhöh⸗ nung, ſo würden wir ſagen, daß der ſchlechteſte Zug, den man an den hieſigen reichen und wohl⸗ habenden Einwohnern bemerkt, der des Geldbeu⸗ iels iſt. Doch hören Sie und wünſchen Sie mit mir, daß auch Ihnen bald Gelegenheit ge⸗ geben werde, die ſeltene Gabe anzuſtaunen, wie wir es hei derNachtwandlerin undRegiments⸗ tochter gethan. Meiſterin der Coloratur, weiß die Sängerin uns bald mit unnachahmlichen hohen Trillern, die Alles übertönen, bald durch feſte Alttöne hinzureißen und den Wahn zu erre⸗ gen, als ob es die Stimmen verſchiedener Perſo⸗ nen ſein müßten, die aber bei jedem Wechſel die Gleichförmigkeit der Vollkommenheit beſitzen. Wie dieNachtwandlerin die Hörer zu Thränen zu rühren und an das Weiche der Lind zu erin⸗ nern wußte, ſo wirbelten zum Trommelſchlag die begeiſterten Töne des Krieges und der Freiheit empor. Höchſt anſprechend war ein eingelegtes Ruſſiſches Lied, welches die Nationalmuſik ſo wahr und gut zu Gehör brachte, wie das gleich⸗ falls beigegebene Jodlios.

Sollte die Künſtlerin in Hamburg auftreten, ſo verſäumen Sie nicht, die Wahrheit meiner Ausſage ſelbſt zu prüfen. Wahrſcheinlich werden dann auch die Altonaer Geldleute lieber ihr Geld (Sperre oder Wagen ungerechnet) nach Hamburg tragen, als die Mühen des jetzigen Theaterdirek⸗ tors, der ſchon längſt mehr geleiſtet, als alle ſeine Vorgänger, und mehr, als man den Kräften des Einzelnen zumuthen dürfte. Einem Fremden, ſelbſt den fremden Künſtlern, muß es gar auffal⸗ lend ſein, in einer Stadt von ſolcher Größe(der Hannover, Caſſel, Lübeck ꝛc. nachſtehen) nur dann Theilnahme für höhere Kunſtleiſtungen zu finden, wenn Letztere in nicht höherem(2) Grade eine halbe Stunde weiter hergeholt werden müſſen.

Altonaer Stadttheater.*) Gaſtſpiel der Frau von Marra⸗Vollmer. Das Publikum iſt Herrn Direktor Blattner zu Dank verpflichtet, daß er dieſe ausgezeichnete Künſtlerin, noch ehe ſie in Hamburg die Bühne betrat, zu einer Reihe Gaſt⸗ vorſtellungen gewonnen hat. Wir kannten Frau von Marra, die in kurzer Zeit zu ſo glänzendem Künſtlerruhm gelangte, nach mündlichen und ge⸗ druckten Berichten als eine Coloraturſängerin

*) Nicht von unſerm permanenten Herrn Referenten.

D. R.