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wird von Dorn(dem bekannten Vertheidiger Waldecks) bearbeitet werden. Herr Dorn ver⸗ heirigt in dieſem Prozeſſe 15 Angeklagte
Theater und Muſik.
Hamburg. Vereinigte Cheater. Indem wir bei unſeren Leſern ein gleiches aufrichtiges Intereſſe wie bei uns ſelbſt an dem Gedeihen der drama⸗ tiſchen Kunſt unter uns und folgeweiſe auch des betreffenden Kunſtinſtitutes vorausſetzen, dürfte es nicht unangemeſſen erſcheinen, wenn wir, ſtatt wie gewöhnlich in einem Referate mit unſerm Blick nur auf dem Innern zu verweilen, einmal ausnahmsweiſe unſer Augenmerk auch auf die äußere Seite der Kunſtanſtalt hinwenden, um ei⸗ nige in uns rege gewordene Bedenken, gut ge⸗ meinte Wünſche und unmaßgebliche Vorſchläge an unſere Betrachtung zu knüpfen und ſie der Erwägung anheim zu geben. Bei einer Kunſt⸗ anſtalt, die, wie die Hamburger Bühne, Privat⸗ unternehmen iſt, hängt mehr noch als anderwärts das Gedeihen der Kunſt von der Gunſt der äuße⸗ ren Verhältniſſe, ab und nur, wenn dieſe in blü⸗ hendem Zuſtande ſind, wird ſich auch im Innern des Tempels die Blüthe und Frucht in gedeihlichem Flor entfalten. Wie ſteht es um den Fortſchritt der Kunſt im Schauſpiele, in der Dper, im Ballet, wie um den Gewinn an darzuſtellenden Stücken und darſtellenden Künſtlern? Schreiten wir vor⸗ wärts oder zurück im PVerhältniß zu früher? Dieſe Fragen ſind ſeit dem letzten Directions⸗ wechſel gar oft ausgeſprochen und öffentlich durch die Preſſe, wie in größeren und kleineren Privat⸗ kreiſen, abgehandelt worden; und dabei fehlte es nicht an den kühnſten Wünſchen, an den über⸗ ſpannteſten Forderungen, die ſich geltend zu machen ſuchten. Und von dem artiſtiſchen Standpunkte aus betrachtet, wer tönnte dies tadeln, wer ſollte weniger kühn in ſeinen Wünſchen, weniger ſtreng in ſeinen Forderungen ſich zeigen wollen? Doch wie ſteht es um Fortſchritt, Wachsthum und Ge⸗ deihen der äußeren, eben ſo nothwendigen, ja unentbehrlichen Kräfte, wie um die reale Baſis, auf der ſich die ideale Bau, wenner mehr als ein Luft⸗ ſchloß ſein ſoll, erheben muß; wie ſteht es, um es mit Einem Worte zu nennen, um die finan⸗ ziellen Mittel, durch welche jenen Wünſchen nur zu genügen iſt, jenen Forderungen nur ent⸗ ſprochen werden kann? Dieſe Fragen ſind unſeres Wiſſens niemals öffentlich erhoben noch erwogen,
dieſe Seite der Kunſtanſtalt ward noch nie recht ins Auge gefaßt; die berufene Kritik hielt es ſelbſtverſtändlich unter ihrer Würde, dieſe Frage (wir dürfen ſie als die kaufmänniſche bezeichnen) in ihren Ideenkreis zu ziehen, und die unberufe⸗ nen Stimmgeber, die ſonſt über Alles ſich ver⸗ nehmen laſſen, was ſie verſtehen und auch nicht verſtehen, müſſen ſie wahrſcheinlich nicht der Be⸗ ſprechung werth gehalten haben, weil ſie das Staathintereſſe überhaupt, das politiſche insbe⸗ ſondere, nicht berührte. Und ſo überließ man dieſen Gegenſtand ſtillſchweigend den Unterneh⸗ mern, wie ſie die beiden Seiten deſſelben in's
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nothwendige Gleichgewicht zu bringen haben, wie ſie ihre Kräfte mit den Wünſchen, Forderungen und Anſprüchen in's richtige Verhältniß ſetzen, wie ſie, ſo zu ſagen, ſich durchſchlagen mögen nach dem bekannten Ausſpruche: Aide-toi et Dieu baidera. Nur manchem ſtillen und aufrichtig ergebenen Freunde der Kunſt, der dramatiſchen inſonders, welchem das Nibil humani a se alie- num putare hier beſondere Anwendung zu finden ſchien, mogten dieſe Fragen ernſtlich am Herzen lie⸗ gen, und der Gedanke ſein Nachdenken beſchäftigen: Wie ſoll dies gehen? wohin ſoll dies führen, wie wird dies enden? Auch Schreiber dieſes gehört zu denen, welche ihrer Stellung und ihrem Be⸗ tufe nach dieſen Kunſtanſtalten und ihren Leitern wahrſcheinlich am fernſten ſtehen, der aber nichts deſto weniger an warmer Theilnahme, an wohl⸗ meinender Geſinnung, an aufrichtigen Wünſchen für die fortwährende und ſteigende Blüthe einer Anſtalt, welche Hamburgs Namen in den Annalen vaterländiſcher Kunſt berühmt und unſterblich machte, ſelbſt den nächſten dabei Betheiligten nicht nachzuſtehen glaubt. Solche Fragen, wie die obigen, drängten ſich vielfach in unſern Sinn, namenilich ſo oft die Direction erſichtlich die un⸗ geheuerſten Anſtrengungen machte, und wie es uns ſcheinen mußte, über ihre Kräfte, um den Forde⸗ rungen der Zeit überhaupt, des hieſigen Publikums inöbeſondere, entgegen zu kommen, um das In⸗ ſtitut auf der Höhe der Zeit und ſeines alten Ruhmes, in oder gar über dem Niveau mit an⸗ deren gleichnamigen zu halten. Schon unmit⸗ telbar nach dem Direetionswechſel Baiſon⸗Mau⸗ rice, als die Oper wie das Schauſpiel für jedes Fach faſt eine dreifache Beſetzung hatte, als na⸗ mentlich die erſtere eine PVollſtändigkeit und Voll⸗ kommenheit zeigte, wie vielleicht nicht Eine wieder in Deutſchland, ward uns oft mitten in der Freude und im Genuſſe hange, und wir mußten unwill⸗ kührlich ſeuſzen: ach, daß ſie ewig grünen bliebenc. Später, ſo oft außergewöhnliche und in der That ungewöhnliche, im Sinne der Kunſt ausgezeich⸗ nete Vorſtellungen, Erſcheinungen wie die Elsler, Cerito, Grahn, Jenny Lind, Viardot⸗Garcia, Roger u. a. m., das Haus in allen ſeinen Räu⸗ men ſelbſt bei erhöheten Preiſen übervoll machten, ergriff uns ein Wehe mitten in der allgemeinen Freude, und während das Herz mit den Meiſten lachte, umflorte ſich der Blick, wenn er in die Zukunft ſchaute, in die Zeit, da die ſchönen Tage in Aranjuez vorüber ſein werden, wenn der über⸗ großen, ungewöhnlichen Flut natur emäß gleich ſtarke Ebbe folgen müßte. Sollte der ewinn, den eine oder zwei ſolcher Fluten herbeigeführt, das decken, erſetzen, entſchädigen können, was die Ebbe mehrer Tage, Wochen, Monate bloßgelegt hatte als Schaden und Einbuße? Um dies nur nach dem Wehrſcheinlichkeitscalcul gegenüber zu halten, muß man natürlich auch die leeren Häuſer geſchen und gezählt haben, die ſolchen vollen, wie in Pharao's Traume die Aehren, ſtets folgten⸗ Die jüngſte außerordentliche Erſcheinung, wir meinen Meyer⸗ beers Propheten, hat dieſe ſorgenvollen Gedanken abermals in uns hervorgerufen. Dieſe Oper hat wiederum die Direction zu der außerordentlichſten Anſtrengung ihrer Kräfte ve anlaßt, in pecuniä⸗
rer Hinſicht die ſchwerſten Opfer ihr auferlegt
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