Jahrgang 
1 (1850)
Seite
213-214
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haus aus ſeinen pecunlären Calamitäten zu er⸗ retten, um den gefährdeten Ruf ſeiner Liberalität zu ſtützen, andere wollen von einem Gelübde wiſſen, welches der Spender während einer hef⸗ tigen eigenen oder ſeiner Frau Krankheit ge⸗ than haben ſollte, nach alter Römer Sitte, und nun bei beiderſeitiger uen erfülle, andere ſagen, es habe in den Büchern des Spendgebers jedes ſeiner Kinder bereits ſeinen Vermögens⸗ Antheil zugeſchrieben erhalten und das jetzige Opfer der Liebe ſei der Antheil eines verſtorbenen Kindes, manche endlich meinen, es habe der Spend⸗ geber die erſte Million, welche er nach einer ge⸗ wiſſen Anzahl Millionen Vermögens erwerben werde, milden Zwecken zugeſagt gehabt alles Mutmaßungen und Erfindungen müſſiger Köpfe, deren eigene Beſchränktheit keine Großartigkeit begreifen kann. Uns genügt die Thatſache und deren Patriotismus und der Ruhm hamburgiſcher Ehrenhaftigkeit. Der Herr prüft Herzen und Nieren! So viel haben wir mit Beſtimmtheit gehört, daß der edle Mann ſchon länger mit dem Plan dieſer Stiftung umgegangen iſt, daß Herr Sin⸗ dikus Amſink der Verfaſſer der Stiftungs-Ur⸗ kunde iſt, die ſchon länger berathen worden, und daß nur die Wirren der letzten Zeit eine Ver⸗ zögerung der Uebergabe der Schenkung und der Anordnung der Verwalter derſelben herbeigeführt aben. 3 Wir wünſchen Hamburg Glück zu dem Be⸗ ſitze ſolchen Ehrenmannes, und der bedrängten Menſchheit wünſchen wir ähnliche Gönner, durch deren Thaten Communismus und Socialismus eher beſeitiget werden können, als durch alle Ti⸗ raden in den vaterſtädtiſchen Blättern.

Literatur.

An unſere Nachdrucker. Bereits zu wieder⸗ holten Malen richteten wir an mehrere unſer Blatt benutzende Redaktionen die Bitte, doch ſo ehr⸗ lich ſein zu wollen, die Quelle, aus der ſie ſchöpf⸗ ten, anzugeben; trotzdem fahren einige derſelben fort, unſer Blatt ohne Angabe zu excerpiren. Wir eitiren hier nur ein Factum. Die Blätter für literariſche Unterhaltung drucken in No. 32(vom 6. Februar) zwei unſrer Notizen ohne Quellen⸗ angabe nach. Die Eine, der ſie die Vorſchrift: Ein entſprechendes Honorar fuͤr Homöopathen gegeben, ſteht in unſerer No. 1 vom 2. Januar. Die zwelte, ebenfalls in No. 32 genannten Blates abgedruckt undStatiſtik der deutſchen Zeitungen betitelt, ſteht in unſerer No. 50 vom vorigen Jahre.

Ein ſeltenes Werk. Die königliche Bibliothek zu Brüſſel hat aus dem Nachlaß eines zu Gent verſtorbenen Herrn Briſart ein höchſt merkwürdi⸗ ges und intereſſantes Werkchen erſtanden. Es iſt

dies ein auf Atlas gedrucktes Exemplar der zwei⸗

ten Ausgabe des Werkes, betitelt: maximes mo- rales et politiques, tirées de Telemaque, sur la science des rois et le bonheur des peuples,

imprimses en 1766 par Louis-Auguste, dauphin (ſpäter Ludwig XVI.). Das Werk wurde allein für den Hof gedruckt. Eine auf dem Umſchlag befindliche Note erzählt folgende Anekdote: Sobald der Dauphin den Druck dieſes kleinen Bandes vollendet hatte, ließ er mehrere Exemplare ein⸗ binden, um ſie zu verſchenken. Das erſte Exem⸗ plar überreichte er Ludwig XV. Der König öff⸗ nete das Buch und ſagte, nachdem er den Ar⸗ tikel 9 geleſen zum Dauphin:Herr Dauphin, Ihr Werk iſt vollendet, zerbrechen Sie die Platten. Der Artikel 9 lautet aber wie folgt: Wenn die Könige ein Mal Treu und Glauben gebrochen, können ſie weder das Vertrauen, deſſen ſie ſo ſehr bedürfen, wieder herſtellen, noch weniger die Menſchen, denen ſie gelehrt haben, ſie zu ver⸗ achten, zu den Principien der Tugend und Ge⸗ rechtigkeit zurückführen, ſie werden Thrannen, ihre Unterthanen Rebellen und nur eine ſchleu⸗ nige Revolution kann ihre aus den natürlichen Grenzen gedrängte Macht wieder herſtellen. Die Originalausgabe des vorliegenden Bändchens wurde in den Gemächern des Dauphin, der da⸗ mals 12 Jahr alt war, hergeſtellt. Der Graf der Provence(Ludwig XVII.) und der Graf von Artois(Karl X.) wohnten dem Drucke bei. Der Dauphin zog mit eignen Händen alle Exemplare, es waren nur 25, ab.

Unter dem Titel[Ambaſſatrice iſt in Paris ein kleines Heftchen erſchienen, welches eine pi⸗ kant geſchriebene Biographie der Gräfin Roſſi (Madame Sonntag) enthält.

Pie Madrider Peitungspreſſe beſteht aus drei⸗ zehn jeden Tag erſcheinenden Journalen, näm⸗ lich: El Heraldo(miniſteriell), el Clamor(Fort⸗ ſchrittsparthei) und la esperanza(Farliſtiſch) haben jedes eine Auflage von 4 5000 Exem⸗ plaren. El observador hat faſt dieſelbe Auflage, la nacion und la reforma ziehen 2 3000 ab; la epoca 2000, el popular und el pueblo 1500, el catolico beinahe eben ſo viel, el pais und la patria 4000. Das älteſte dieſer Journale iſt el catolica, 1840 gegründet. Dieſem folgt el He- raldo(1842), el clamor 1844, la Esperanza 1845, el observadore, la reforma et la espana 1848, la patria, la nacion, el pais und la epoca 1849 und el pueblo 1850; el Heraldo, el clamor und la esperanza ſind in den Pro⸗ vinzen am meiſten verbreitet.

Den bekannten und von Allen Seiten als vortrefflich gerühmten RomanAnna Hammer hat Temme im Kerker geſchrieben. Der berühmte Volksmann ſoll durch Sternberg's rohaliſtiſche Romane zu der Abfaſſung dieſes Buches veran⸗ laßt worden ſein. Binnen Kurzem erſcheint von demſelben Verfaſſer ein neuer RomanJoſeph Münſterberg, der gleich vortrefflich und charak⸗ teriſtiſch ſein ſoll.

nötſcher's Zahrbücher für dramatiſche Kunſt und Literatur ſind mit 1. Januar eingegangen. Herr Rötſcher ſcheint mit denſelben ſehr ſchlechte Geſchäfte zu machen. Nachdem er drei Verleger gehabt, muß das Blatt zu erſcheinen aufhören.

Der Prozeſz der 42ſteuerverweigernden Abge⸗ ordneten der Preußiſchen National⸗Verſammlung