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ſondern nur weit in der Verzerrung, in der grellen, aufgeputzten, aber gedankenarmen Phraſe, in der Verletzung jedes Schönheitsgefühls, welche letztere ſich im„Genius und die Geſellſchaft“ in mehreren Scenen zu ſo bedenklicher Höhe ſteigert, daß ich immer noch hoffen möchte, nicht eine Frau führe dieſe dreiſte Feder. Die Scene auf der Straße, in welcher Bhron die ohnmächtige Schauſpielerin an die Bruſt des betrunkenen Sheridan legt, iſt von der empörendſten Wider⸗ lichkeit; die Scene zwiſchen Ladh Arabella und der Schauſpielerin vermag ſich kanm über der Gemeinheit zu erhalten. Der neben ſeiner Leicht⸗ fertigkeit philiſterhafte und in albernen Sentenzen ſich ergehende Held des Stückes trägt von dem genialen Lord Bhrou nur den Namen, er hat nichts von deſſen eigenthümlichem Charakter, von deſſen Dichternatur. Er ſchießt Piſtolen ab, er hält lächerliche Monologe— ein Genius iſt er nicht. Aber die Schilderung der Geſellſchaft iſt nicht beſſer gelungen. Die Verfaſſerin verräth ſogleich, daß ſie die Geſellſchaft nicht kennt; Lady Arabella, die ſie mehrmals ausrufen läßt: Bin ich nicht eine Dame der großen Welt, verſtehe ich mich nicht auf guten Ton! benimmt ſich auf eine Weiſe, die in der ſogenannten guten Ge⸗ ſellſchaft unmöglich iſt. Die Schauſpielerin iſt eine gewöhnliche Couliſſenheldin mit etwas Ophe⸗ lienwahnſinn zum Schluß, Brummel eine Carri⸗ katur, die weder Intereſſe erregen noch unterhal⸗ ten kann; den berühmten Schriftſteller Sheridan nur als gemeinen Trunkenbold mit lallender Zunge und ſchwankenden Schritten erſcheinen zu ſehen, hat auch etwas Verletzendes. Alle mühſamen Theatercombinationen, alle Knalleffekte und über⸗ ladenen Phraſen können für den Mangel an Gedanken, Poeſie Charakterzeichnung und äſthe⸗ tiſchem Gefühl nicht entſchädigen. Die Kritik verwarf das Stück ziemlich einſtimmig, bis auf Profeſſer Rötſcher, der natürlich ſeinem Schütz⸗ ling ein langes Loblied ſang; das Komiſchſte aber iſt, daß er, trotz der mißfälligen Aufnahme, in ſeltſamer Verblendung zu behaupten wagt, das Stück habe ſich„ſiegreich“ erhalten und„dem Publikum diejenige Achtung abgenöthigt, welche es verdient.“ Wundern aber werden Sie ſich,
wenn ich Ihnen erzähle, daß, während man oft
in letzter Zeit neue Stücke, welche gefielen, erſt nach acht Tagen wiederholte,„der Genius und die Geſellſchaft“ ganz raſch hinter einander vier⸗ mal gegeben worden iſt. Das ſcheint mir eine Nichtachtung des Publikums, welche, wie ich glaube, in Frankreich nicht möglich wäre. Auch kann dieſe Gewaltmaßregel, dieſe Oktroyirung wenig genug fruchten; wenn ſie ſich das blaſirte Publikum auch gefallen läßt, der Ruf des Stückes wird dadurch nicht gehoben.— Nuulich iſt auch einmal Gutzkows„Ottfried“ hier wieder erſchienen und hatte ein zahlreiches Publikum herbeigelockt, welches dem intereſſanten Stücke mit lebhaſter Aufmerkſamkeit folgte und oft ſeinen Beifall zu erkennen gab. Wie verlantet, ſoll endlich Hebbel's„Maria Magdalene“ aufgeführt werden und ein Drama„Mirabeau“ eingereicht ſein, deſſen Verfaſſer ſich noch nicht genannt. Auch das hübſche Luſtſpiel von Putlitz,„Das Herz vergeſſen“, iſt jetzt angenommen. Unterdeſſen
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hat Putlitz wieder ein neues Stückchen,„Eine Frau, die zu ſich ſelbſt kommt“, in zwei Akten geſchrieben. Ein neues Stück der fleißigen und gewandten Charlotte Birch⸗Pfeiffer,„Die Roſe von Avignon“, ſoll ſehr wirkſam und gelungen ſein. Im Friedrich⸗Wilhelmſtädtiſchen Theater iſt einmal wieder ein Stück:„Zwei alte Solda⸗ ten“ verboten worden.
Hamburg. Den 11. Februar. Ein königlicher Kaufmann.
Der hamburgiſche Bürger und Kaufmann J. H. Schröder hat eine ganze Million Mark Banco zu einem großartigen Werke der Huma⸗ nität hergeſchenkt. Derſelbe hat ſeinen Schwager den Syndikus Amſink und ſeinen Bruder, den Oberalten A. D. Schröder mit dem Insleben⸗ treten der Stiftung beauftragt, und zu dieſem Zwecke bereits am 2. Januar dieſes Jahres eine Summe von einer halben Million Mark Banco (230,000 preuß. Thir.) dieſen Herren zur Dis⸗ poſition geſtellt. Sie Sache iſt bemerkenswerth und liefert auf der einen Seite Material zu einer Parallele für das was Könige und Fürſten thun, wovon in die Welt hineinpoſaunt wird, und demjenigen was ein einzelner Hamburger patriotiſchen Sinnes zu thun im Stande iſt. Auf der anderen Seite werden unſere Demo⸗ kraten, welche den Beſitz und die Kaufmannſchaft hinſichtlich deren Geſinnungen verdächtigen mög⸗ ten, darauf hingewleſen, ihre Darſtellungen, ſol⸗ chen Thatſachen gegenüber, weniger zu ſchwärzen. Die Stiftung bezweckt 50 Familien freie Woh⸗ nung, ſomit Entlaſtung der Familienväter von der bei uns ſo drückenden Mietheangſt,— die wahrlich keine Furcht dor Geſpenſtern iſt, wenn man an die Strenge unſeres Gerichtsverfahrens in Miethſachen und an die entehrende Maßregel der Nachtwächterpoſtirung denkt, ſo wie an die herzbrechenden Ausſetzungen— zu verſchaffen und ſetzt außerdem noch eine Spende von 500 Mark jährlich an 100 Familien in Ausſicht. Freilich iſt ſchon oft bei begüterten Hamburgern der Wohl⸗ thätigreitsſinn bethätigt worden, wovon die groß⸗ müthigen Verfügungen des Averhofſſchen Teſta⸗ mentes und von bei Lebzeiten gemachten Stif⸗ tungen die wohlthätigen Werke Salomo Heine's und Hartwig Heſſe's ſprechendes Zeugniß ablegten, bedeutend wie dieſe Stiftung war aber unſeres Wiſſens keine. Sie verdient um ſo größere An⸗ erkennung, als ſie von einem Familienvater her⸗ rührt, der 9 Kinder hat. Freilich wird ſein vetiſis auf eine Million Pfund Sterling geſchätzt.
Natürlich guält man ſich im Publikum um die näheren Motive dieſer wahrhaft kaiſerlichen Munificenz und ſucht nach ſpeciellen Gründen für dieſelbe. Einige meinen, der Spendgeber habe damit eine Sühne bezweckt, für ſeine aus commerclellen Principien oder etwa aus Unmuth oder Uebereilung entſtandene vor kurzem verlaut⸗ barte Weigerung ein nahe verwandtes Handlungs⸗
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