Jahrgang 
1 (1850)
Seite
221-222
Einzelbild herunterladen

221

franzöſiſche Romanze:Si lu savais⸗, ſowie ein deuiſches Lied, wenn wir nicht irren, denn von Schubert, deſſen Text wir aber weniger verſtan⸗ den, als den franzöſiſchen. Die Ausführung beider Geſangſtücke war trefflich, wie von dieſer excellenten Sängerin nicht anders zu erwarten iſt; nur hätten wir auch bei ihr mehr Mäßigung der Stimme gewünſcht, die das Lied mehr noch als die Arie fordert. Endlich ſang Hr. Schüttky zwei Lieder:Auf hoher Alp von Uhland, und Poſthornruf von Vogl, beide nach eigner Com⸗ poſition, und eine Arie aus der Oper:der Zigeuner, wenn wir recht gehört haben, eben⸗ falls von ihm componitt. Ber wackere und ge⸗ ſchätzte Sänger hat bei dieſer Gelegenheit ſehr erfreuliche und achtungswerthe Proben ſeines ſchaffenden Talentes abgelegt, denn ſie bekunden durchweg den gründlich gebildeten Muſiker; hin⸗ ſichtlich der Compoſition hat uns das zweite Stück mit Hornbegleitung am meiſten gefallen, hinſicht⸗ lich des Vortrags aber das dritte. Er war der dritte, der von ſeiner in der That imponirenden Stimme einen zu unbeſchränkten Gebrauch machte, eine Bemerkung, die wir oft ſchon in ſeinem dramatiſchen Vortrage zu machen Gelegenheit fanden. Es befremdet uns dies um ſo mehr, da es im Vortrage der eignen Compoſition geſchah, und der Componiſt den Sänger am richtigſten leiten, der Sänger die Intention des Componiſten am ſicherſten erkennen mußte, da uuch von ander⸗ weit her uns bekannt iſt, daß der Sänger ſeine Stimme in voller Gewalt haben und zur Freude, ja zum Entzücken jaller Kenner vortragen kann. Doch mag es für heut, wie ſchon erwähnt, auf Rechnung des Saales kommen. Freudiger Ap⸗ plaus foigte allen Mitwirkenden zum Danke für ihre ſchönen Leiſtungen, ein Dank, den wir auf⸗ richtig und mit ganzem Herzen ihnen wie dem Concertgeber öffentlich hier wiederholen.

Miscellen.

Kadame Ratalani und Zenny Lind. Unter denen, die Madame Catalani durch ihren Ge⸗ ſang entzückte, befand ſich auch der Kaiſer Na⸗ oleon. Obgleich nicht eben ein Enthuſiaſt für

uſik und Sänger, wünſchte er doch die be⸗ rühmie Sängerin an ſeine Hauptſtadt gefeſſelt zu ſehen, ein Mal, weil er ſeinen Pariſern durch ihren Geſang andere Gedanken beizubringen ge⸗ dachte, ein ander Mal, um ſeinen Ehrgeiz zu fröhnen, der ſich mit allen Celebritäten umgeben zu ſehen wünſchte. Er ließ daher der Katalani den Befehl zukommen, in den Tuilerien zu er⸗ ſcheinen. Die Sängerin war nie mit dem be⸗ rühmten Kriegsvirtuoſen in Berührung gekommen und zitterte wie ein Eſpenlaub als ſie ihm gegen⸗ über ſtand.Wohin wollen Sie gehen, Ma⸗ dame, fragte der Kaiſer in ſeiner lakoniſchen Weiſe.Nach London, Sir.Sie müſſen in Paris bleiben, Madame, wo man ſie beſſer be⸗ zahlen kann und Ihr Talent beſſer gewürdigt wird. Sie ſollen jährlich 100,000 Franes und zwei Monat Urlaub haben. Die Sache iſt ab⸗ gemacht! Adien Madame. Die Sängerin zo8

222

ſich verwirrt zurück, ohne den Muth und die Zeit zu haben, auf dieſe brusque Anrede zu entgegnen, daß es ihr unmöglich ſei, zu bleiben, da ſie durch Vermittlung des engliſchen Geſandten zu Liſſa⸗ bon einen Contrakt abgeſchloſſen habe, welchen ſie bei hoher Strafe einzuhalten gezwungen ſei. Hätte Napoleon dies gewußt, ſo hätte er ſicher⸗ lich auf die ſchöne Sängerin Beſchlag gelegt, um ihr Entweichen zu hintertreiben. So unter⸗ ließ er es und Madame Katalani beſchloß, ohne Paß Frankreich zu verlaſſen, trotz Napoleon und feines Befehls. Sie gelangte auch glücklich nach Merlaix an Bord eines engliſchen Schiffes, wel⸗ ches dort Anker geworfen hatte, um ausgewech⸗ ſelte Kriegsgefangene einzuſchiffen, und der Ca⸗ pitain erklärte ſich für 150 Pfund bereit, ſie auf⸗ zunehmen. Madame Katalani erklärte ſpäter oft, daß die Unterredung mit dem gefürchteten Mann der angſtvollſte Moment ihres Lebens geweſen ſei. Wenige Tage vor ihrem Tode, als ſie, nicht ahnend ihr ſo plötzliches Ende, in ihrem Salon ſaß, empfing ſie den Beſuch einer unbekannten Dame, welche ſich weigerte der Dienerin ihren Ramen zu nennen. Vorgelaſſen, verbeugte ſich die Unbekannte tief und ehrfurchtsvoll vor der Sängerin, ſagend:Ich bin gekommen, um meine Huldigung der berühmteſten Sängerin und dem edeln Welbe darzubringen. Segnen Sie mich, Madame, ich bin Jenni Lindl Madame Katalani, zu Thränen gerührt, drückte die ſchwe⸗ diſche Nachtigall bewegt an ihr Herz⸗ Nach einer langen herzlichen Unterredung trennte man ſich. Die eine Berühmtheit ſchloß kurz darauf die müden Augen, die andere eilte zu neuen Triumphen, Triumphe, die um ſo ſchöner ſind, da nicht allein ihr Talent, ſondern auch ihr Herz ſie feiert.

Amerikaniſche Peredtſamkeit. Folgende An⸗ rede ſeltener Art hielt vor dem Gerichtshof zu Pennſylvanien ein Advokat:Ew. Gnaden ſitzen erhaben auf den anbetungswürdigen Sitz der Gerechtigkeit, wie der aſiatiſche Felſen Gibral⸗ tars, während der ewige Stern der Gerechtigkeit wie die leichenhafte Wolke des Thales, flieht win⸗ dend ſich wieder zu Euren Füßen. Etwas dun⸗ kel, aber doch ſchön!

Uelſon's Signal. Als Beweis welche Ver⸗ traulichkeit zwiſchen Nelſon und ſeinem Liebling dem Capitain Hardy beſtand, diene folgende Anekdote.Bevor die Schlacht von Trafalgar eröffnet wurde, ſchrieb Nelſon auf ein Stück Papier die Worte:Nelſon erwartet, daß jeder ſeine Schuldigkeit thut und überreichte daſſelbe Hardy, der, es leſend, entgegnete, erlauben Sie Admiral, daß ich eine kleine Aenderung vornehme. Wie Du willſt Hardy, entgegnete Nelſon. Hardy ſtrich nun den Namen des Admirals aus und ſetzte an ſeine StelleEngland.Du haſt Recht Hardy, vollkommen Recht! und ſo entſtand das berühmte Signal.

Ein pick-nick eigenthümlicher Art, der in den Annalen unſerer modernen Lucullas Epoche machen wird und dem ſelbſt Brillat⸗Savarin ſeine Be⸗ wunderung nicht verſagt haben würde, fand jüngſt