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Nimmermehr, denn wer weiß, welchen Flecken eine zweite Erhebung uns in der Ge⸗ ſchichte machen könnte, da jetzt die Berliner die abſcheuliche Wirkſamkeit der Kartätſchen haben kennen lernen; indeß glorreich für Welt und Zeit die Nacht des 18. zum 19. März 1848 in den ehernen Tafeln der Geſchichte verzeichnet ſteht— Mann! nicht eine Welt um dieſe Errungenſchaft.“— Mein liebes Jöhnchen, nach Allem, was ich heute von Ber⸗ liner Errungenſchaft gehört hatte, ging es mir ſo wirr, ſo düſter im Kopfe herum, daß ich mit Wellington zu mir ſprach: Ich wollt'⸗, es wäre Nacht und Alles wäre vorüber!— Aber der kühne Marat der Geſchichte war noch nicht vorüber, wir waren auch noch nicht in Meinhardts Hotel,— wir ſtanden erſt vor dem Palais des Prinzen von Preußen.— „Hier iſt unſer National⸗Eigenthnm,“ ſprach der Jüngling mit Emphaſe, diktatoriſch auf das mit zwei Schildwachen beſetzte Palais zeigend. Ich konnte mich eines ſchmerzlichen Lächelns nicht erwehren, denn, mein John, mir war aller Humor rein ausgegangen und die Wehmuth hatte gewaltig in mir überhand genommen, nur noch der Sarkasmus war ge⸗ blieben und ich antwortete demnach etwas ſpitz:„Iſt? Sie wollen wohl ſagen: war National⸗Eigenthum!“— Der Jüngling ſchaute mich ſtreng an, indem er faſt ſchwer⸗ müthig ſprach:„Ach, Sie Kleinlauter, den ein Paar Dutzend Freiheitsvernichtungen, et⸗ liche widerrechtliche Beſitznahmen, ein Paar Schildwachen ſo außer Faſſung bringen können; ich ſage Ihnen, dieſes Haus iſt National⸗ Eigenthum!““—„Und der Prinz von Preußen, der gegenwärtig darin wohnt?“ fragte ich mit bitterſter Ironie. Der junge Mann lächelte, wie etwa der Vater lächelt, der ein Kind belehrt:„Nun, mein Herr, Se. königl. Ho⸗ heit der Prinz von Preußen— der bewohnt nur das National⸗Eigenthum; denn das Haus iſt hiſtoriſch Unſer, wie Sie in jedem Geſchichtsbuche der Berliner Revolution leſen können, das iſt unſere Errungenſchaft, die kein Menſch zu nehmen vermag. Alſo der Prinz von Preußen bewohnt es
nur.“—„Zur Miethe?“ fragte ich, ange⸗ ſteckt von der koloſſalen Dummheit Jenes.— „Nicht zur Miethe, nein! ſondern— oh, ein Dummer kann tauſendmal mehr fragen, als tauſend Kluge einmal beantworten können,“ ſtieß der junge Grobian hervor, indem er zugleich mit großen Schritten von mir der entgegengeſetzten Seite zueilte.— Ich aber — ich muß Dir's geſtehn, lieber John, blieb verblüfft ſtehn und ſah den jungen Errungen⸗ ſchafter verſchwinden, ſo natürlich, wie die Berliner ihre Errungenſchaften verſchwinden ſehen, nur mil dem Unterſchiede, daß ich an das Verſchwinden glaubte, indeß jene echt berlineriſch nicht glauben, was ſie ſehen, um ſich nicht ſagen zu müſſen, daß ſie Narren geweſen ſind.—
Als ich ſo noch mit offenem Munde das Palais anglotzte, kam ein Straßenjunge und ſchrie:„Juteſter, ſehen Sie ſich das Gebäude nicht ſo großmäulig an; jetzt ſind die freien Logis von da nach der Stadtvogtei verlegt und dieſeienigte iſt unſer National⸗Ei⸗ genthum geworden als Hinkeldey⸗Wrangel⸗ Brandenburg⸗Manteuffelſche Errungenſchaft.“ „Blitzjunge, da haſt Du vier Groſchen,“ rief ich entzückt dem Jungen zu, denn der Straßen⸗ bube hatte mir alle gute Laune plötzlich wie⸗ dergegeben, ohne welche es mir nimmer möglich geweſen wäre, Dir auch nur oberflächlich die Naturgeſchichte der Errungenſchaften in drei Species vorzuführen.—„Danke Ihnen,“ ſprach der Junge, dann aber ſetzte er, als ob er meine Gedanken errathen hätte, hinzu: „Wiſſen Sie was? ich bin auch ein Er⸗ rungenſchafter, aber einer vor die Zukunft, wo wir aus unſerer ganzen März⸗ Revolution gelernt haben werden, nicht mehr Böcke zu ſchießen. Adje!“— Liebes Jöhnchen, wie war mir da auf einmal wieder ſo leicht geworden; als ich bei Meinbard an⸗ kam und mir nach einem tüchtigen Beafſteak der Kellner„gute Nacht“ ſagte, da ſchlief ich prächtig, indem ich von den zukünftigen Errungenſchaften des wackern Straßen⸗ jungen träumte.
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