Jahrgang 
1 (1850)
Seite
47-48
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war es, der der Kunſt eine neue Bahn eröff⸗ nele, mit ſeinen harmoniſchen Tönen brach er dem Geſang eine Gaſſe. Duprez, der begriff, daß er unmöglich einen Nourrit erſetzen könne, ſann auf ein Mittel, ihn vergeſſen zu machen. Er erfand dengymnaſtiſchen Geſang. Es wird die Grenzen dieſes Aufſatzes überſchrei⸗ ten, wollte man die Erfindung Duprez ana⸗ lyſiren; nur ſoviel ſei geſagt, daß ſeine Nach⸗ ahmer jenem Froſch der Fabel gleichen, der ſich aufblähte, bis er platzte. Duprez wurde das Vorbilb einer Menge Tenore, denen nichts fehlte als ſein Talent. Die verſchleierte Stimme, die ſo vielen Tenoren eigen, hat nur zu oft Schiffbruch gelitten. Niemals war Duprez bewunderungswürdiger, als von dem Augenblick an, wo ſeine Stimme abnahm. Die ans Unglaubliche grenzenden Anſtrengun⸗ gen, die er in den letzten Jahren machte, um einen Ton vorzubringen, waren traurig und merkwürdig zugleich. Traurig für den Zu⸗ ſchauer, der dieſe erfolgloſen Bemühungen ſah, gegen die Zeit und ihre Verwüſtungen anzukämpfen, merkwürdig wegen des Indiffe⸗ rentismus, der einer Art Duell aſſiſtirte, gegen eine Natur, die mehr und mehr wie vurch zuckende Blitze galvaniſirt wurde. Seit fünf bis ſechs Jahren war Duprez durch ſeine mehr und mehr abnehmende Stimme gezwungen, alle ſeine Parts auf das Ent ſetzlichſte zu verſtümmeln. Er konnte die Töne nur durch ein kunſtreiches Kehlkopfma⸗ növre verbinden und wenn er einmal einen Bruſtton von irgend einiger Höhe herausſtieß, ſo ſah man ihm an, wie ſauer es ihm wurde, welche Anſtrengungen er machen mußte. Un⸗ begreiflich, daß das Publikum ſich ſolchen Geſang gefallen ließ, unerklärlich, daß nament⸗ lich ein ſo verwöhntes Publikum wie das Pa⸗ riſer Duprez tolerirte. Duprez ſelbſt hat den

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Eindruck ſeiner großen Erfolge total daburch verwiſcht, daß er es nicht verſtand, zur rechten Zeit zurückzutreten. Wir ſprachen ſchon oben davon, wie gefährlich für andere Tenore, die nicht Duprez Mittel und deſſen Organiſation beſitzen, ſein Vorbild ſei und wir eitiren als Beleg für dieſe Behauptung einen Sänger der großen Oper, Roger. Alle competenten Kenner ſind ſich darüber einig, daß Roger, in ſeinem verzeihlichen, aber jedenfalls ge⸗ fährlichen Ehrgeiz, auf den Brettern der großen Oper zweifelhafte Lorbeeren erndtet, die ihm in der komiſchen Oper mit vollem Recht hätten zuertheilt werden müſſen. Roger geht mit großen Schritten ſeinem Untergang entgegen. Liebenswürdiger Schauſpieler, rei⸗ zender Sänger, war er von der Natur und durch ſeine Mittel dazu beſtimmt, der Held der komiſchen Oper zu ſein. Schon ſeine letzte Rolle Haydée bewies, daß er auch im Komiſchen an den Grenzſtein ſeines Ruhms gekommen und daß ſein Stern mit Rieſen⸗ ſchritten dem Verlöſchen nahe. Kurz, wenn Roger ſich nicht eines Beſſern beſinnt und zur opera comique zurückkehrt, wo er bis jetzt noch nicht erſetzt werden konnte, wird er ſicherlich bald verdrängt und der Vergeſſenheit übergeben ſein. Jede neue Vorſtellung des Propheten bekundet eine Abnahme ſeiner Stimmmittel. Das Factum iſt conſtatirt, alle ſagen es, keiner ſchreibt es; die Jour⸗ nale, die er faſt ſämmtlich in ſeinem Geld⸗ beutel hat, fürchten ihr Jahrgehalt zu ver⸗ lieren und ſchweigen. Wir, die wir ſchon ein ähnliches Urtheil fällten, als Herr Roger ſeine deutſche Gaſtrollenreiſe antrat, zeigen uns weniger rückſichtsvoll als ſeine Schmeichler und rechnen auf die Dankbarkeit des ver⸗ dienſtvollen Sängers.