Jahrgang 
1 (1850)
Seite
45-46
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kärte den Sealiger für ſeinen lieben Ver⸗ wandten, legte dem Truchſes ein ewiges Stillſchweigen auf und ließ ſogar dem Sea⸗ liger ein Patent ausfertigen, welches an alle Kirchthüren der Hauptſtadt angeſchlagen wurde, durch welches ihm die Freiheit gegeben wurde, ſich an ſeinen Feinden, ſo gut er wüßte und könnte, auch eigenmächtig zu rächen. Triumphirend ſtand der ehrgeizige Mann nun da, alle ſeine Widerſacher waren über⸗ wunden; die ſtolze Hoffnung, bald am Ziele ſeines Strebens zu ſein, erfüllte ihm mit Hochgefühl die Bruſt; ein fürſtliches Diadem, Reichthum, Macht und Ehre umſtrahlten ihn ſchon im Geiſte. Und Anna? ſo höre ich den geneigten Leſer fragen Anna, welche wir beim Beginne dieſer Erzählung kennen lernten, was iſt aus ihr geworden?

Anna hatte Jahr auf Jahr bei dem Ge⸗ liebten ihres Herzens ausgeharrt in treuer, inniger Liebe. Bald nach ihrer Ankunft in Königsberg war durch eine Krankheit ihr Geſchlecht verrathen, und ſie nahm nun keinen Anſtand, ihre weibliche Kleidung wieder vor⸗ zuſuchen. Obgleich es Scaliger zum Vorwurf gemacht wurde, daß er als ein geiſtlicher Rath ein junges Mädchen bei ſich im Hauſe habe, und dieſes auch von ſeinen Feinden dem Her⸗ zoge hinterbracht wurde, ſo konnte er es doch nicht über ſich gewinnen, ein Weſen von ſich zu entfernen, das ihm mit ſo inniger Treue ergeben war, ihn wie ein holder Schutzengel umſchwebte und die ſo bittern Wunden ſeines Lebens durch ihre Anhänglichkeit verſüßte.

(Schluß folgt.)

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Duprez und Roger,

die beiden erſten Tenore der großen Oper zu Paris.

hem freundlichen Leſer iſt vielleicht be⸗ kannt, daß Duprez, der berühmte franzöſiſche Tenoriſt, bei Gelegenheit ſeiner Benefiz⸗ und Rücktrittsvorſtellung eine jener coloſſalen Re⸗ preſentationen gegeben, die von Abend 8 bis Nachts 2 Uhr währte; minder bekannt dürfte es ſein, daß die Einnahme, die man ähnli⸗ chen Soireen gemäß, auf 30 bis 35,000 Fr. veranſchlagt hatte, weit unter den Erwartun⸗ gen blieb. Duprez hatte die Einnahme an einen Speculanten für 25,000 Franes ver⸗ kauft, es gingen indeß, trotz erhöhter Preiſe, nur 18,000 Francs ein und der Unternehmer machte ſomit 7000 Fr. Schaden. Duprez hat ſich zwar erboten, dieſen ungeheuren Aus⸗ fall dadurch zu decken, daß er unentgeltlich

in einem Concert mitwirken will; der Spe⸗ culant ſoll indeß trotz dieſer Zuſage ein ſehr ſaures Geſicht machen. Es wäre eine inte⸗ reſſante Aufgabe, wenn ein Muſikkenner Duprez zum Gegenſtand einer Abhandlung machen wollte. Dieſer kleine leidenſchaftliche Mann, der von jenſeit der Berge nach Paris kam und dem es gelang, den berühmten Nourrit vergeſſen zu machen, iſt eine in mehr als einer Beziehung intereſſante Perſönlichkeit. Ein eiſerner Wille, eine unzerſtörbare Kaltblütig⸗ keit und eine ſeltene Geſchicklichkeit, dem Ge⸗ ſchmack des Publikums Conceſſionen zu machen, haben einen großen Theil zu ſeinem unge⸗ wöhnlichen Succes beigetragen, wobei ſein Talent natürlich auch das ſeinige that. Duprez

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