Jahrgang 
1 (1850)
Seite
49-50
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Feuilleton.

Berlin. Den 4. Januar.

unzufriedenheit unter den Conſtablern. Theater⸗ notizen. Die Sonnabends⸗Vorleſungen des wiſſenſchaftlichen Vereins. Die Kammern. Profeſſor Gneiſt.

Wenn ich Ihnen gegenwärtig von hier aus berichten ſoll, ſo weiß ich Ihnen beinahe nur von Auflöſungen und Spaltungen zu melden; täglich taucht das Gerücht von einem neuen Mi⸗ niſterium auf, der Treubund hat ſich in zwei Hälften geſpalten, die ſich gegenſeitig anfeinden, die Polizei löſt die Bezirksvereine auf und fährt fort, ihre Willkür dabei ſo weit zu treiben, daß ſie neulich ſogar einen Verein auflöſte, als ein Redner die Bemerkung machte, derjenige, der das vom König ſanktionirte Geſetz nicht achte, der achte auch den König nicht. Während ſich die Konſtabler bei ſolchen Gelegenheiteu auszeichnen, um ihren Vorgeſetzten zu gefallen, hat ſich doch auch in dieſer Schaar, wie die demokratiſche Zei⸗ tung berichtet, einige Mtßſtimmung gezeigt. Zum 1. Januar erhielten nämlich die Schutz⸗ mannſchaften, nach Maaßgabe ihres Eifers im Greifen und Denunziren, Belohnungen von 25 bis 30 Thaler,(einer hat es bis auf 581 ſolcher Dienſie gebracht) wohingegen wer nichts anzeigte, unberückſichtigt blieb. Da es nun von dieſen Letzteren eine ziemlich große Anzahl gab, ſo fehlte es nicht an Unzufriedenheit. Noch unzu⸗ friedener als dieſe ſollen ſich aber die früher ent⸗ laſſenen Conſtabler bezeigen, die während ihres Dienſtes monatliche Zahlungen für ihre Kleidung zu leiſten hatten, dieſe aber, als man ſie verab⸗ ſchiedete, zurücklaſſen mußten, obwohl ihnen aus⸗ drücklich verſprochen war, daß ſie ihnen zugehören ſollte, ſobald ſie bezahlt ſei. Wie man ſagt, ſind ſie entſchloſſen, ihr Recht auf dem Wege des Civilprozeſſes gegen das Polizeipräſidium geltend zu machen.

Gegenwärtig macht hier die Schrift von Karl Vogt über die künftige Stellung der Oppoſition viel von ſich reden. Die Entſchiedenheit, mit der er ſich für das Nichtwählen aus ſpricht, dürfte manchen Schwankenden von den Erfurter Wahlen zurückhalten.

Vom Theater iſt wenig Neues zu berichten. Herr von Küſtner iſt in Begleitung eines Ma⸗ ſchiniſten nach Paris gereiſt, um ſich den Meher⸗ beer'ſchen Propheten anzuſehen, den wir in ei⸗ niger Zeit zu erwarten haben. In der König⸗ ſtadt hatdie Teufels⸗Welte oder:Roſen im Norden, von Wollheim, bei der erſten Auffüh⸗ rung nicht gefallen, iſt aber dennoch wiederholt

Jahreszeiten I.(Nro. 2. Den 9. Januar.)

worden. Auf dem königlichen Theater ſpielt wieder, auf Verwenden des alten Tieck Fräulein Viereck als Anna von Oeſierreich u. ſ. w. Während die kleinen Theater, beſonders das Friedrich⸗Wilhelmſtädtiſche immer unermüdlich neue Stücke bringen, iſt das Repertoir des kö⸗ niglichen Theaters ſehr arm daran. Jetzt wird ein Dramader Genius und die Geſellſchaft einſtudirt, deſſen Verfaſſer ſich nicht nennt, und zu dem Herr Profeſſor Rötſcher ein außerordent⸗ lich anpreiſendes Vorwort geliefert hat. Einige enthuſiaſtiſche Empfehlungen in den Blättern ver⸗ mögen leicht das Intereſſe des Publikums ſchon im Voraus zu erregen, doch wenn das Stück den ſo geſteigerten Anſprüchen nachher nicht ge⸗ nügen kann, ſo möchte der Gewinn davon nicht eben ſehr erheblich ſein. Wir werden nach der Aufführung auf denGenius und die Geſell⸗ ſchaft zurückkommen.

Die Sonnabensvorleſungen des wiſſenſchaft⸗ lichen Vereins in der Singakademie, die ſeit den Märztagen eingeſchlafen waren, werden mit dem neuen Jahr wieder wie ehemals ihren An⸗ fang nehmen. Der Beſuch dieſer Vorleſungen war ſchon bisher mehr eine Modeſache der ſchö⸗ nen Welt, als daß er durch ein lebhaftes Inte⸗ reſſe, den ihr Inhalt hätte gewähren können, veranlaßt worden wäre. Oft ſchienen diejenigen, die dort ihr regelmäßiges Nachmittagsſchläfchen zu halten pflegten, die am Beſten Befriedigten zu ſein. In der That fehlte auch in den mei⸗ ſten dieſer Vorträge ein jugendfriſcher, lebendiger Geiſt; mit wahrer Kunſt vermied man alles Zeit⸗ gemäße und brillant Feſſelnde, gewöhnlich ſuchten ſich alte ergraute Profeſſoren mit ſteifen, weißen Halsbinden und eben ſo ſteifen, pedantiſchen An⸗ ſchauungen irgend ein vergeſſenes Bruchſtück aus ihrer gelehrten Rumpelkammer hervor, das ſelten die Zuſchauer klüger machte, dafür aber deſto häufiger an Langeweile bereicherte. Dieſe Herren zählten ſich nach dem März ſchon ſelbſt unter die Geſpenſter der Vergangenheit, aber wie es ſcheint, wollen ſie doch noch einen Umgang wagen.

Beide Kammern haben heute ihre durch die Feſttage unterbrochenen Sitzungen wieder aufge⸗ nommen. Die öffentliche Meinung legt ihnen nicht das geringſte Intereſſe bei. Aus den Ver⸗ handlungen der erſten Kammer iſt erwähnens⸗ werth, daß Temme's Verzichtleiſtung auf einen Sitz in dieſer Verſammlung angezeigt wurde. Auch dürfte eine Bemerkung des Juſtizminiſters auf eine Aeußerung des Herrn von Gerlach von Intereſſe ſein. Dieſer nämlich behauptete, daß die Provinziallandtage noch rechtlich beſtänden, worauf der Juſtizminiſter erwiederte, daß, wenn nur die Kammern Geſetze geben könnten, es doch der Regierung noch verfaſſungsmäßig ſrei⸗

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