Jahrgang 
1 (1850)
Seite
41-42
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fehl des Ordens, deſſen Mitglieder alle zum ſtrengſten Gehorſam verpflichtet waren, mußte er daher ſeine Stellung am Hofe in Wien aufgeben und ſich nach Tübingen zurückziehen; ja, um die Menge noch mehr zu täuſchen und mehr ihr Vertrauen zu gewinnen, zerfiel er vor der Welt gänzlich mit dem Orden, und ſchrieb ſogar in den erbittertſten Aus⸗ drücken Aufſätze gegen den Pabſt und die heiligen Väter.

Nach dieſen Vorbereitungen waren die Jeſuiten, die allenthalben ihre heimlichen An⸗ hänger hatten, ſchon beim alten Herzoge Albrecht thätig geweſen und hatten bewirkt, daß ihr Werkzeug durch ein eigenhändiges Schreiben des Herzogs, deſſen wir beim Be⸗ ginne dieſer Erzählung gedachten, nach Kö⸗ nigsberg eingeladen war. Am preußiſchen Hofe erſchien Scaliger nun als ein Verfolgter und Verbannter, welcher aus Liebe zum Lutherthum ſeine glänzende Stellung in Wien und die Hoffnung auf alle zu erwartenden Würden und Ehren aufgegeben hatte. In Danzig hatte er die Bekanntſchaft mit Anna gemacht; und nun können wir nach dieſen Erörterungen fortfahren, ſeine Wirkſamkeit und ſein Thun in Preußen weiter zu ver⸗ folgen.

Staliger ſollte verſuchen, die katholiſche Religionsverfaſſung in Preußen wieder ein⸗ zuführen. Dies war die gefährliche Aufgabe, welche ſeiner Thatkraft anvertraut war, und bei erfolgter Löſung derſelben ſollten die fälſchlich angemaßten fürſtlichen Ehren und Güter, mit denen er vor den Augen der Welt groß that, ihn wirklich belohnen; ein Preis, wohl des angeſtrengten Kampfes werth!

In Preußen, wo Fürſt und Volk mit ſo inniger Liebe Luthers neuer Lehre zugethan waren, mußte er aber äußerſt vorſichtig zu Werke gehen. Daher ſuchte er denn vor Allem erſt ſich in ſeiner nächſten Umgebung einen größern Anhang zu verſchaffen, und bald hatte er ſeine Freunde herausgefunden. Zu ſeinen vorzüglichſten Gehülfen, von denen man aher wohl annehmen kann, daß ſie in

ſeinen eigentlichen Plan nicht eingeweiht wa⸗ ren, ſondern ihm nur um ihres vermeintlichen Vortheils willen dienten, gehörten hauptſäch⸗ lich folgende Männer: Magiſter Funk aus Rürnberg, ſeit 1547 Pfarrer der Altſtadt; er war ein Schwiegerſohn Oſianders, welcher ſo bedeutende kirchliche Unruhen in Preußen hervorrief, und hatte als Beichtiger des Her⸗ zogs großen Einfluß auf deſſen Entſchlie⸗ ßungen; ſodann Schnell aus Pommern, fürſt⸗ licher Rath und ein recht geſchickter Mann, aber von grenzenloſem Leichtſinn, weswegen der alte Herzog mit ihm auch weniger zu⸗ frieden war; endlich Horſt aus Mecklenburg, ebenfalls fürſtlicher Rath, und Johann Stein⸗ bach, Bibliothekar des Fürſten. Dieſe fand Scaliger ſchon vor und wußte ſie ſo für ſich zu gewinnen, daß ſie dem Herzoge nichts riethen, was gegen ſeine jeſuitiſchen Beſtre⸗ bungen geweſen wäre. Außer dieſen hatte er aber noch einige andere Perſonen nach Königsberg und in des Herzogs Nähe gezo⸗ gen, die ſeine geheimen Zwecke unterſtützen ſollten. Und damit der Leſer dieſer Erzäh⸗ lung ſich einen Begriff mache, mit welcher Treue dieſe Leute dem Herzoge ergeben waren, diene nur folgendes Beiſpiel. Als von den Staͤnden im Jahre 1565 dem Herzoge 10,000 Thlr. geliehen wurden, ſo erhielt von dieſer Summe Scaliger 7000 Thlr., der Stallmeiſter 2000 Thlr, ein Hofkammerdiener ſammt dem Zwerge Caſimir 1000 Fl. und der Herzog ſelbſt 2000 Fl.

Scaliger war mit den erwähnten Räthen täglich um den Herzog und ſuchte mit ihnen ſein Mißtrauen gegen die Vornehmen des Landes mehr und mehr zu verſtärken. Unter ſeinem Vorſitze wurde eine geheime Kanzlei errichtet, in der mancherlei Beſchlüſſe gefaßt wurden, die dem Lande zum größten Schaden gereichten. Alle wahren Voterlandsfreunde wurden verfolgt und ſelbſt beim Hofgericht mehre treue Räthe abgeſetzt, weil ſie Scali⸗ gers Beſchlüſſe gemißbilligt hatten. Doch nicht allein in den höhern Verwaltungszwei⸗ gen herrſchte dieſe Willkühr, ſondern ſie er⸗