Jahrgang 
1 (1850)
Seite
39-40
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ſeinem Geiſt und Herzen mauchen Genuß bo⸗ ten, kam er nach Bologna, einer der berühm⸗ teſten Univerſitäten des Mittelolters, wo er ſich das Diplom als Doktor der Gottes⸗ gelahrtheit erwarb. Von dort aus begab er ſich nach dem eigentlichen Zielpunkt ſeiner Reiſe, nach dem alten Rom, der Hauptſtadt der Welt.

Er hatte von ſeinem Vater, dem Biſchofe, und den Jeſuiten angelegentliche Empfehlun⸗ gen an verſchiedene Große der römiſchen Kirche, wie auch an den heiligen Vater ſelbſt und wurde mit vieler Auszeichnung aufge⸗ nommen. Schon damals zeigte ſich ſein grenenloſer Ehrgeiz, indem er, ohne auf die Winke und Ermahnungen der Ordensobern zu achten, einen eigenen Weg einzuſchlagen verſuchte Er gab 12000 Sätze aus den verſchiedenartigſten Wiſſenſchaften heraus, die er öffentlich vertheidigen wollte; aber die Je⸗ ſuiten ließen ihn dazu nicht kommen und ſuchten durch dieſe Demüthigung ſeinen un⸗ ruhigen Geiſt in die ihnen angemeſſenen Schranken zurückzuweiſen.

Hiedurch bekam nun ſein Streben eine andere Richtung. War bis dahin ſein gan zer Ehrgeiz darauf gerichtet geweſen, ſich als Gelehrter einen berühmten Namen zu erwer⸗ ben, ſo verließ er dieſe Richtung nunmehr, um mit demſelben Eifer auf äußere Ehre und eine glänzende Stellung in der Welt ſein Augenmerk zu lenken. Er hatte es am päbſtlichen Hofe kennen gelernt, wie ſchnell man durch Verbindungen zu Reichthum, Eh⸗ renſtellen und Einfluß kommen konnte. Warum ſollte ihm mißlingen, was ſchon ſo vielen andern gegläckt war? Waren doch bei ihm äußere Vorzüge mit Geiſtesbildung vereint und ſtanden ihm Biſchof Urbanus und der mächtige Jeſuitenorden hülfreich zur Seite.

Um dieſe Zeit war es, als er, durch die Gleichheit ſeines Namens mit der fürſtlichen Familie de la Scale oder Scaliger zu Ve⸗ rona verleitet, ſich ein Familiendiplom aus den Zeiten des Ungarnkönigs Bela und einen Stammbaum anfertigte, welches beides vom

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Biſchof Urbanus als richtig beglaubigt wurde.

Rüſtig betrat er nun die Laufbahn, welche er ſich vorgeſchrieben hatte, und wenn er auch frei zu handeln wähnte, ſo waren es doch die Jeſuiten, welche ſeine Schritte lenkten. So glaubt das Vöglein, welches ein Knabe an einen langen Faden gebunden hat, ſich frei in die Luft zu ſchwingen, bis es enbdlich, wenn es die ihm zugemeſſene Bahn durchflogen, inne wird, daß es um ſeine Freiheit gethan iſt. Schon in ſeinem einundzwanzigſten Jahre (1555) wurde er auf Empfehlung des Pab⸗ ſtes Julius UMI. Hofprediger des Kaiſer Fer⸗ dinand l. und kehrte aus Italien nach Wien zurück.

Durch ſeine angeborne Zuverſichtlichkeit und glänzende Ueberredungsgabe brachte es Scaliger dahin, daß ihm vom Kaiſer nicht nur ſeine vom Urbanus beglaubigten Diplome beſtätigt wurden, ſondern derſelbe vermehrte auch noch das ihm vorgezeigte Wappen und ermächtigte ihn, in alle Güter und Würden einzutreten, welche die Fürſten de la Scala in Ungarn und andern Ländern gehabt hätten. Kaum war der glückliche Abenteurer zwei Jahre in Wien geweſen, als er von dort aus verſchwand, weil die Jeſuiten einen an⸗ dern Plan mit ihm hatten. Anfangs ſtand er noch mit dem jungen Thronfolger Maxi⸗ milian in freundſchaftlichen Beziehungen, wel⸗ ches drei Briefe von demſelben an ihn beur⸗ kunden, doch iſt der dritte ſchon viel kälter als die beiden andern. Wahrſcheinlich erkannte Maximilian ihn als Werkzeug der Jeſuiten, von denen er ſich nicht, wie ſein Vater Fer⸗ dinand, leiten ließ und brach mit ihm jede Verbindung ab.

Der Jeſuitenorden hatte ſein Augenmerk auf Preußen geworfen, wo das Lutherthum in unglaublich kurzer Zeit Landesreligion ge⸗

worden war, und wollte nun noch durch Sca⸗

liger den Verſuch machen, dieſes Land unter den Gehorſam des Pabſtes zurückzubringen. Als Jeſuit durſte nun Scaliger in Preußen nicht auſtreten, weil ſonſt ſein Werk noch vor dem Beginn ſcheitern mußte. Auf Be⸗

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