Jahrgang 
1 (1850)
Seite
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auf der Reiſe nach Paris wird daſelbſt einige Male auftreten und dann Deutſchland bereiſen. Unſere Bühne zeichnet ſich alſo vor allen andern aus durch Gäſte wie z. B. Jenni Lind, Rogerzr., dann durch das frühe Vorführen neuer großartiger Werke wie z. B.den Propheten(wird hier in Deutſchlandzerſt gegeben); ferner ſtehen in Aus⸗ ſicht: Grä oſſi Sonntag, Madame La Borde, das woller einige Schreier welche niemals zu befriedigen ſind, ad notam nehmen.

Die Philharmoniſchen Concerte ſind für dieſe Saiſon wieder in's Leben getreten. Der Di⸗ rektor derſelben iſt W. Grund, ein durchgebildeter Muſiker, dem eine techniſche Comittee zur Seite ſteht, nämlich welche das merkantiliſche beſorgt und Garantieen leiſtet. Dieſe Committee beſteht aus wirklichen Muſikfreunden, die ſich Nichts dar⸗ aus machen, jährlich ein hübſches Sümmchen zu⸗ zuſchießen, wenn Orcheſter und die von auswärtig eingeladenen Künſtlern mehr Koſten verurſachen, als durch Subſeription gedeckt worden. Alſo Achtung vor ſolcher Comittes. Wie verlautet, wird ſie uns im Laufe dieſes Winters noch mit dem berühmten Violin-Virtuoſen David von Leip⸗ zig und Pr. Schumann mit ſeiner Frau(geb. Clara Wieck) erfreuen.

Die Trio⸗Soireen des Herrn Otte Goldſchmidt finden eine ſehr rege Theilnahme, ja ſie ſind glänzend beſucht. Concertmeiſter Hafner(Violin) und L. Lee(Violoncell) wirken in Vereinigung mit dem höchſt talentbollen jungen Pianiſten wettkämpfend. Die Compoſitionen werden tech⸗ niſch vollendet und im Geiſte der Componiſten ausgeführt; ſelten kann man ſagen, daß etwas mangelhaft ausgeführt worden. In gleicher Weiſe dürfen die Haffnerſchen Quartett⸗Soireen rühmlichſt genannt werden. Haffurr iſt wirklich ein genialer Künſtler, ein vortrefflicher Violin⸗ Virtuos, welcher mit Geſchmack und Gediegen⸗ heit ſeine Aufgaben zu löſen verſteht. Zweite Violine Herr Jwerſen, Viola Herr Polack, Vio⸗ loncell Herr Lee, iſt eine Beſetzung, wie ſolche nicht beſſer zu wünſchen iſt. In einer der näch⸗ ſten Quartett⸗Soireen ſoll das Doppel⸗Quartett (Oetett) von Carl Schuberth zur Aufführung kommen, welches in Caſſel, von Spohr executirt, Furore gemacht hat Was die übrigen Leiſtungen und Concertan⸗ gelegenheiten hieſelbſt betrifft, ſo kann davon eben nichts Beſonderes berichtet werden, denn ſie ſind mit wenigen Ausnahmen untergeordneter Art und finden deshalb auch nur wenig Anklang und Theilnahme im Publikum.

(Fortſetzung folgt.)

SER M 3 Fomöopathiſche Jahlung. Einer der beden⸗

tendſten Pariſer Homöopathen iſt jüngſt auf geiſt⸗ reiche Weiſe dupirt worden. Man erzählt, daß

ein bekannter General, nachdem er ein langjäh⸗ riges Leiden vergeblich mit Hülfe der Allopathie zu heben geſucht, ſich einem Homöopathen anver⸗ traute, der bei Beginn der Kur Wunderdinge verſprach, die alle nicht in Erfüllung gingen. Nachdem er drei Monate Pillen geſchluckt, dem General die Geduld und er machte dem Arzt deßhalb bittere Vorwürfe. Der Homöopath ves⸗ langt noch einen Monat Friſt, allein nach Ablan deſſelben hatte das Uebel ſich eher verſchlimmer als gebeſſert. Da läuft dem General die Gole über und er ſchreibt dem Arzt folgendes orii⸗ nelle Billet: Doctor! Geit vier Monaten uer⸗ ſchlucke ich Ihre Pillen, ahne daß ſie etwas ge⸗ nützt. Behalten Sie die andern für ſich, ich danke für Ihre Mixturen Sie haben mich ho⸗ möopathiſch behandelt, S verblenen, homöoha⸗ thiſch bezahlt zu werden. ende Ihnen dahet hierbei die geringſte Doſis auſeres Münzſyſtems. Sie ſehen, ich habe von Ihnen etwas proſitirt. Dem Brief lag ein Centime

Ein hoſtbares Piner. Ein Hert Osgord be⸗ ſchreibt in New-Vork Herald ein Diner, welches ein Herr Ramſah in Californien zum Beſten gab. Ein umgeſchlagener Baum, über den ein Zelt geſpannt war, bildete den Tiſch, um welchen herum 50 Gäſie ſich gelagert hatten⸗ Jeder hatte eine dünne Platte und eine Art Tepf zu ſeinem Getränke. An Schüſſeln ſehlte es, man bediente ſich dazu der Waſchbecken, in denen der Sand gewaſchen wird, und einer Suppenterine⸗ Unter andern Delikateſſen gab es friſche Brombeeren und Bonbons; letztere, ſehr zähe, hatten wahr⸗ ſcheinlich eine lange Reiſe gemacht. Jeder hatte eine eiſerne Gabel und ein Taſchenmeſſer. Die Koſten dieſes Mahls, mit Ausnahme des Weins und der Liquenre, betrugen 1000 Dollars.

Gutzlaft, der chineſiſche Dollmetſcher, kehrt, nach einer Abweſenheit von 28 Jahren, nach Europa zurück. Er hat dieſe ganze Zeit in China oder unter Chineſen zugebracht, und gewiß hat ſich niemals ein Europäer mit dem Volke dieſes Reiches ſo identiſticirt als er. Ihre Religion, Literatur, Regierung, Geſchichte, ſociale und häusliche Gewohnheiten ſind der Gegenſtand ſei⸗ ner ernſteſten Studien geweſen; ſelbſt ſeiner äu⸗ ßern Erſcheinung nach iſt Gutzlaff Chineſe ge⸗

worde Wir hörten, daß Europäer, welche eine unter den amerikaniſchen Indianern lebte ch die Sitten, Gebräuche und ſelbſt die

Geſichkszüge derſelben ſo angewöhnten, daß ſie z. B. ganz das ſcharfe, ſtechende Auge hatten, welches den Söhnen der Wildniß eigen iſt. Sir Henrh Pottinger verbrachte lange Jahre unter den Indianerſtämmen Amerikas in Miſſionen der Regierung, und als er nach England zurück⸗ kehrte, war er gar nicht wieder zu erkennen. Auch mit Gutzlaff iſt eine ſolche Metamorphoſe vor ſich gegangen.

Inſerate in den Jahreszeiten werden per geſpaltene Petit⸗Zeile oder deren Raum mit 14 Ngr. berechnet. 1250 Beilagen

werden gegen 1 Rthlr. Pr. Cour. Gebühren beigelegt.