Jahrgang 
1 (1850)
Seite
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nicht. Im Schauſpielhauſe haben bereits drei Bälle und eine Maskerade ſtattgefunden, denen der Hof beiwohnte. Wie überall, ſo bezeichnet auch hier das Weilen des Fürſten ſeine liebens⸗ würdige Perſönlichkeit und ſeine Ungezwungen⸗ heit während ſeiner Unterhaltung mit ſeinen Bürgern. Er iſt ſtets der Stern, zu dem Alle vertrauungsvoll emporblicken und frohen Muthes in die Zukunft ſchauen. An Konzerten und Abendunterhaltungen iſt auch kein Mangel. Im Theater hatten wirdie Jüdin unddie Huge⸗ notten mit einem Gaſt Dem. Garrigues, die, was Geſang und Spiel anbetrifft, namentlich mit der zweiten Rolle vollkommen ſcheiterte. Wir bedauerten den Herrn Reer, der gerade an dieſem Abend ſeine ſchönen Stimmmittel ſo reich entfaltete, aber trotz ſeines guten Spiels und ſchönen Geſanges war es ihm doch nicht möglich, ſeine Valentine mit ſich fortzureißen. Die Novität: das Schauſpiel Deborah, das Verſöhnungsfeſt zwiſchen Juden und Chriſten, überlaſſen wir willig einer andern kritiſchen Feder. Das plötzliche Thauwetter, vou ſtarken Regengüſſen und heftigem Sturm begleitet, hat einen Theil der Stadt in Angſt verſetzt. Die Itz, weiche die Stadt berührt, führte eine ſo furchtbare Waſſermaſſe herbei, daß die angrenzenden Häuſer ſchon davon berührt wurden und die Einwohner eine bange Nacht verlebten. Der ganze Iögrund mit ſeinen Wie⸗ ſen wurde zum See; glücklicher Weiſe hatte das Waſſer ſeinen Höhepunkt erreicht, ohne erheblichen Schaden anzurichten, und verlief ſich bald wieder. Der lieblichen Itz, wenn ſie durch das üppige Thal ſich ſchlängelt, ſieht man es nicht an, daß ſie ſolche Schrecken in ihrem Schooße birgt. Sie iſt ein ſchmaler Fluß von ca. 40 Fuß an ſeinen breiteſten Stellen. Wenn aber im Früh⸗ jahre die Waſſer im Gebirge ſich löſen, ſchwillt er zum reißenden Strome an und hat alsdann ſchon manchmal viel Unheil angerichtet.

Die moderne deutſche Philoſophie zählt in Frank⸗ reich viele Bewunderer und Freunde; der Doe⸗ tor Ewerbeck wird demnächſt Auszüge aus den Schriften der Gebrüder Feuerbach, Daumerze. ins Franzöſiſche überſetzen und mit Noten ver⸗ ſehen herausgeben. Das Buch wird unter An⸗ dern: das Weſen des Chriſtenthums, die Reli⸗ gion der Zukunft und die Betrachtungen über den Tod enthalten.

Luiſe Aſton iſt in Paris angekommen und will dort hiſtoriſche Studien machen. Bei dieſer Gelegenheit erfahren wir, daß Madame Aſton aus der Familie des Generals Hoche ſtammt, welcher bekanntlich ein Deutſcher war.

Ebenczur Elliot, Verfaſſer dercorn-laws ryhmes und beigenannt der Schmied von Shef⸗ field, iſt in der Nähe jener Stadt auf ſeinem kleinen Beſitzthum geſtorben. Tr war der ener⸗

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giſchſte und populärſie der engliſchen Volksdichter. Sohn eines Arbeiters, der in einer Eiſengießerei beſchäftigt war, wurde er frühzeitig in ein Eiſen⸗ werk gebracht; er bildete ſich ganz von ſelbſt und empfing keinerlei Erziehung. Er trat zuerſt mit einem höchſt energiſchen und charakteriſtiſchen Ge⸗ dichte auf, in dem er gegen die alerhouses (Bierhäuſer) und die Brodtaxe zu Felde zog. Der berühmte Bulwer erkannte zuerſt das Ta⸗ lent Elliots und machte darauf aufmerkſam. Von dieſem Augenblick an war ſein Glück be⸗ gründet. Er etablirte ſich, heirathete, kaufte ein kleines Haus mit Länderei, und ſtarb geachtet und geehrt, glücklich vor ſeinem Tode noch die Korngeſetze abgeſchafft zu ſehen.

Göthe's Fauſt iſt von Henri Blaze ins Fran⸗ zöſiſche übertragen und mit herrlichen Illuſtra⸗ tionen verſehen worden. Das Buch zeichnet ſich mehr durch ſeine Eleganz als ſeine Correktheit aus.

Firoslawski's Vericht über den Feldzug in Baden iſt bei Jenni Sohn in Bern erſchienen. Der Ballen, welcher das Büchlein enthielt, wurde an der badiſchen Grenze mit Beſchlag belegt und iſt trotz der Reclamationen des Verlegers und ſelbſt des Bundesrathes, nicht frei gegeben worden. Der Verleger hat einen zweiten unveränderten Abdruck veranſtaltet.

Die ſtenographiſchen Prozeß ſind1 zu haben.

Guſtav von Struße hat einen Volkskalender, die neue Zeit auf das Jahr I. herausgegeben. Dieſe neue Zeitrechnung des Putſchhelden, eine fade Nachäfferei der erſten franzöſiſchen Revolu⸗ tion, datirt von 20. März 1850. Herr von Struve ſcheint beſtimmt zu ſein, ſeiner Partei in doppelter Beziehung, durch ſein politiſches Handeln und ſeine literariſche Thätigkeit, den Todesſtoß zu verſetzen. AA Eenmn.

Barl Leugel hat im Selbſtverlagedas kleine Lied, von der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erſcheinen laſſen, das ſich die Aufgabe geſtellt hat, die neueſte preußiſche Geſchichte zu beſingen. Wir achten die Meinung des Herrn Verfaſſers, müſſen aber bekennen, daß wir die⸗ ſelbe entſchieden mißbilligen, um ſo mehr, wenn dieſelbe in ſolch excentriſcher Weiſe, wie in dem vorliegenden Heftchen ausgeſprochen wird. Wenn Ihr Herren Demokraten ſo auftretet, werdet ihr nie die gemäßigten Liberalen zu euch hinüber ziehen.

A. Föttcher hat ein kleines GedichtDämon und Engel erſcheinen laſſen, welches ſich ſeinem Frühlingsmährchen würdig anreihen ſoll. Wir hoffen durch die Zuſendung des Heftes in den Stand geſetzt zu werden, uns ausführlicher aus⸗ ſprechen zu können.

erichte über Waldeck's Bogen ſtark für 6 Silbergroſchen