Jahrgang 
1 (1850)
Seite
21-22
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nicht mehr findet; der geiſt⸗ und witzloſe, aber hochrothe Brennglas'ſche Volkskalender die rothe Liſte der Habsburger die Jellachichiade Violands Enthüllungen und hundert andere Schandſchriften werden ganz ungenirt verkauft. Unſere Vorſtadttheater, namentlich jenes an der Wien, bringen die radikalſten Comödien zur Aufführung und das Alles während des Be⸗ lagerungszuſtandes. Entweder oder! Erachtet man den Belagerungszuſtand für nothwendig und glaubt man in demſelben das Heil zu finden, ſo übe man die mit demſelben verbundene Strenge; eine ſchale Comödienſpielerei, bei welcher man ein koloſſales Nichts, oder eine jämmerliche Halb⸗ heit hinter einen abſchreckenden Namen verſteckt, wird verlacht. Dieſer Halbheit der Maßregeln, dieſer Zerfahrenheit im Adminiſtrationsweſen werden wir den nächſten Aufſtand in Wien und vielleicht die traurige Nothwendigkeit verdanken, daß Koſaken in den Straßen Wiens werden campiren müſſen, um denn doch auch den Wie⸗ nern zu zeigen, wie der bittere Ernſt ausſieht. Eine wirklich merkwürdige Rolle ſpielt in unſerrr Zeit das literariſche Rieſengenie Herr Saphir. Dieſe ſechs Fuß hohe Wetterfahne wie ihn Wienbarg nannte dreht ſich nach allen Seiten, wie er eben ſeinen Vortheil zu erlangen ſtrebt. Im Oktober 1848 war er der Erſte, der davonlief; in Baden veranſtaltete er Sammlungen von alten Kleidern für die Croa⸗ ten und weinte über die Uebergriffe der Demo⸗ kratie; jetzt iſt er bald hochrother Republikaner, bald ſervil, je nachdem etwas dabei herausſieht, im Ganzen aber eine höchſt klägliche, durch und durch charakterloſe Erſcheinung. Dieſer Cyniker erſter Gattung bewarb ſich um die Dramaturgen⸗ ſtelle beim hieſigen Hoftheater, und wedelte eine gute Weile wie ein abgeſtrafter Jagdhund, ſo lange ihm die Hoffnung auf eine gute Gage, wohlfeile Liebſchften und den Hochgenuß winkte, die Herren Turteltaub und Moſenthal und noch meh⸗ rere andere ſeiner Creaturen bei der erſten Kunſt⸗ anſtalt Deutſchlands placiren zu können. Als dieſe Hoffnung zu Waſſer wurde, begann er ſchen den Demokraten zu ſpielen, verfiel aber total in die Rolle des Pasquillanten. Seine Ausfälle auf Holbein ſind bis zum Ekel bekannt und werden vom Publikum mit Indignation zurück⸗ gewieſen. Die Erörterungen, die Director Carl drucken ließ und die der große, notoriſch käufliche Kritiker mit keinem Worte widerlegen konnte, haben das gehörige Licht über den Charakter die⸗ ſes literariſchen juif errant verbreitet. Man ſprach von ihm an öffentlichen Orten, wie von einem Sträfling, den die Volksjuſtiz an den Pranger geſiellt hatte. Die Hofmodiſtin Geiger, eine wohlhabende Frau, die nebſtbei im Beſitze einer muſikaliſchen Tochter iſt, verſtand es nicht, ſich die Gunſt des großen Kritikers zu erkaufen, und wird nun von demſelben ſhyſtematiſch mit Koth beworfen. Aus Verzweiflung, oder vielleicht aus gelindem Wahnſinn, denn bei geſundem Menſchenverſtande wäre dies wohl nicht möglich, ſoll ſich dieſe Frau entſchloſſen haben, die nicht kleinen Schulden des großen Kritikers durch Ein⸗ leitung einer Sammlungz zu zahlen, was wohl ſeinen ſchmutzigen Geifer auf eine Weile ſtillen

wird, ungeführ ſo lange, bis die Paſſiva wieder eine erkleckliche Höhe erreicht haben werden. Wie im Privatleben, iſt auch das politiſche Glaubens⸗ bekenntniß des Herrn Saphir den Umſtänden und Verhältniſſen angemeſſen eingerichtet. Der große Mann bettelte bei Kaiſer Ferdinand um eine Penſion, und der Kaiſer war wirklich ſo gütig, ihm 1000 Gulden zu bewilligen. Graf Sedl⸗ nitzky ſollte ihm dieſe Penſion in beliebigen Raten, die Herr Saphir ſelbſt beſtimmen konnte, auszahlen. Die Eitelkeit und die Sehn⸗ ſucht, einem damals gefürchteten Manne unge⸗ ſtraft eine Sottiſe ſagen zu können, verleitete ihn zu der Aeußerung:es könnte ein zweideutiges Licht auf ſeinen Charakter werfen, wenn er eine kaiſerliche Penſion aus den Händen des Polizei⸗ miniſters bezöge. In Folge dieſer Aeußerung, die er auch ſchriftlich abgab, erhielt er nichts. Seither ſind vier Jahre verfloſſen, und Saphirchen möchte jetzt die Penſion jährlicher 1000 Gulden dankbar annehmen. Er macht auch alle erdenk⸗ lichen Verſuche und ſpeculirt nebſtbei auf einen Nachtrag von vier Jahren, in Summa von 4000 Gulden, womit ſich wieder ungefähr drei Monate recht comfortable leben ließe, ohne Thea⸗ terdirektoren, Schauſpieler, Virtuoſen u. ſ. w. brandſchatzen zu dürfen. Herr Saphir iſt in ſei⸗ nem Greiſenalter immer noch Sanguiniker; die geringſte, oft auf einer oberflächlichen Nachricht beruhende Hoffnung macht ihn zum eifrigſten Patrioten; am aächſten Tage merkt er, daß ſeine Hoffnung eitel war, und er iſt höhnender Roth⸗ republikanre. SeinHumoriſt gibt hiervon die ſprechendſten Beweiſe. Herr Saphir iſt im ſtreng⸗ ſten Sinne des Worts ein Bild des Jammers; man ſieht es ihm an, wie weh der Hunger thut. Er erſinnt die ſeltſamſten Manöver, die aber durch die Bank alle verunglücken. Jüngſt ließ er auf gut Glück durch die hieſigen Journale aubpoſaunen, der Kaiſer habe ihm für ein miſe⸗ rables Gedicht 1000 Gulden auszahlen laſſen, und hoffte hierbei dieſe Summe zu kapern. Der Kaiſer jedoch, der nebenbei auch wohl einſehen mag, daß er ſich durch ein Geſchenk an Saphir die Sympathieen aller Ehrlichen in Wien ent⸗ fremden würde, that nichts dergleichen. Jetzt ſchreibt Herr Saphir aus Verzweiflung komiſche Kalender, Sylveſterbüchlein u. ſ. w., worin er ſeinen horriblen Witz⸗Bankerott auf die traurigſte Weiſe zur Schau ſtellt. Hierbei will er der Welt weiß machen, dieſes Geſchmiere habe drei Aufla⸗ gen erlebt! Man kennt dieſen verbrauchten Kniffr Lange kann es mit Herrn Saphir nicht mehr dauern; auf der literariſchen Laufbahn iſt füe ihn nichts mehr zu machen, und es geht ſtark di⸗ Sage, er werde ſein Wirken künftig darauf be⸗ ſchränken, bei Hochzeiten den Schalksnarren zu ſpielen. In dieſem Fache dürfte er jedenfalls glücklicher ſein, als er es jetzt mit ſeinem veren⸗ dendenHumoriſten iſt. Bruno Müller.